Die Frau, die im Dorf jeder kennt

Das Dorf ist eigentlich kein Dorf. Das Dorf ist ein Stadtteil. „Aber hier im Dorf bin ich der Ansprechpartner für alles und jeden“, sagt Ellen Neuhaus und meint das keineswegs negativ. Das Dorf, das Dahl heißt, war lange Zeit rot. Was es für eine Schwarze nicht einfach macht. Dann aber kam die Wahl 1999. Ellen Neuhaus, die Schwarze, holte den roten Wahlkreis im Hagener Süden, und Wilfried Horn wurde der erste CDU-Bürgermeister der Stadt: „Darauf war ich schon ein wenig stolz.“

Etwas bewegen, etwas verändern zu können – das ist Ellen Neuhaus Antrieb. „Ich war nie diejenige, die die Dinge hingenommen hat, wenn mit etwas nicht passte“, sagt die gelernte Industriekauffrau, die heute Hausfrau ist, „wenn mir was stinkt, dann will ich’s ändern.“

Unpopuläres vor der Haustür

Geändert hat sich viel in jedem Bereich, den Ellen Neuhaus vor allem politisch beackert: Schule. Diese Veränderungen aber, die in letzten Jahren fast immer mit der Aufgabe von Standorten zu tun hatten, sorgen nicht überall für Freude. Diskussionen mit Lehrern, Eltern und Politikern sind oft von Emotionen geprägt: „Es hilft nichts. Wir müssen uns auf diesem Gebiet der Zukunft stellen“, sagt Neuhaus auch mit Blick auf unpopuläre Entscheidungen direkt vor der eigenen Haustür: „Als die Hauptschule hier in Dahl am Ende kaum noch Anmeldungen hatte, gab es nur einen Weg – den Standort für die Grundschule zu sichern. Ich bin auch jetzt noch überzeugt, dass das richtig war.“

Streiten tut sie für ihre Überzeugung. Manchmal auch schon am Frühstückstisch. Mit ihrem Gatten Peter, der für die CDU in der Bezirksvertretung Eilpe/Dahl sitzt und stellvertretender Bezirksbürgermeister ist. Nicht einer Meinung war das engagierte Ehepaar auch, als es um die Sportstätten-Nutzungsgebühr ging. Da trat Peter als Vorsitzender des TSV Dahl vor dem Rathaus an der Volme ans Mikro und wetterte gegen die Abgabe. Während seine Gattin Ellen kurze Zeit später für die Gebühr im Ratssaal mit ihren Fraktionskollegen den Arm hob. Vergebens. Die Vereine blieben verschont. Peter hatte gewonnen. Aber auch das ist Demokratie.

Ein Zwist, der Ellen Neuhaus eigentlich erspart bleiben sollte. Aufhören wollte sie zur letzten Kommunalwahl, die Ratsfrau. „Einen Nachfolger hatten wir auch schon ausgeguckt“, sagt die Frau, die seit 46 Jahren Mitglied in der Union ist, „aber ein halbes Jahr vorher ist er abgesprungen.“ Ellen musste noch mal ran. Und zog wieder in das Stadtparlament ein. Jetzt wollen sie und die Ortsunion frühzeitig einen Nachfolger suchen. Einen aus dem Hagener Süden, einen aus dem Dorf.