Die eigenen Erfahrungen nutzen, um zu helfen

Katharina Hören hat wegen ihrer Transidentität berufliche Probleme. Jetzt will sie einen Arbeitskreis für Menschen in ähnlichen Situationen gründen.
Katharina Hören hat wegen ihrer Transidentität berufliche Probleme. Jetzt will sie einen Arbeitskreis für Menschen in ähnlichen Situationen gründen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Katharina Hören steckt selbst in einer schwierigen Lage. Trotzdem will die transidente Unternehmerin aus Hohenlimburg jetzt die Initiative ergreifen und anderen Menschen, denen es ähnlich geht, helfen.

Hohenlimburg..  Ihr Plan ist die Gründung eines Arbeitskreises – speziell für transidente Unternehmer, die wegen ihrer Persönlichkeit diskriminiert werden. Sie sollen so die Unterstützung erfahren, die Hören oft vermisst hat.

Rückblick: Katharina Hören, die offiziell noch Frank Peter Hören heißt, ist zwar als Mann auf die Welt gekommen, fühlt sich aber als Frau. Mit ihrem Unternehmen, „derHohenlimburger“, ist sie auf Objekträumungen spezialisiert.

Als sie sich 2013 outet, nehmen plötzlich viele ihrer Geschäftspartner Abstand von ihr (wir berichteten). Hörens Erscheinungsbild wird zunehmend weiblicher. Von einigen wird sie dafür offen angefeindet.

„Wenn Sie das hier durchziehen, bekommen Sie hier keinen Fuß mehr auf die Erde“, zitiert Hören jemanden aus der Hohenlimburger Geschäftsszene. Oder: „Wie kannst du dich denn outen? Ich hätte das in meinen eigenen vier Wänden gemacht.“

Die Aufträge werden weniger, auch sonst wird es für Hören schwieriger, beruflich Anschluss zu finden.

Eigene Erfahrungen nutzen

Ihre eigenen Erfahrungen möchte sie jetzt nutzen, um anderen Menschen in ähnlichen Situationen zu helfen. Konkret plant Hören, einen Arbeitskreis für transidente Unternehmer zu gründen.

„Es passiert nichts Gutes, außer man tut es“, sagt sie scherzhaft. Dabei solle es vor allem darum gehen, Netzwerke auf- und Berührungsängste zu anderen Unternehmen abzubauen.

„Ich habe als Transgender selbst erlebt, dass eine Anlaufstelle fehlt, die einem genau sagt, was man machen muss“, betont Hören.

Dabei spielt sie beispielsweise auf Behördengänge oder Versicherungsangelegenheiten an. Ihr Arbeitskreis solle Beratung bieten und zur Seite stehen.

Beschränken solle er sich dabei zunächst auf NRW. Sie habe bereits Kontakt zu zwei transidenten Unternehmerinnen, so Hören. Eine derartige Organisation speziell für Unternehmer gebe es in NRW bisher nicht.

Bundesweit bisher einmalig

Auch bundesweit wäre das Projekt zur Zeit einmalig, bestätigt Petra Weitzel, eine Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti). „Der Bedarf ist da“, so Weitzel weiter.

Menschen wie Katharina Hören befänden sich in einer schwierigen Situation, da müsse man sich zusammentun.

„Wir als dgti sind die ideale Plattform, um so etwas hochzuziehen“, bekräftigt Weitzel. Der Gesellschaft gehören bereits verschiedene Arbeitskreise an. „Man kommt hier mit den Leuten schnell ins Gespräch“, sagt die Sprecherin.