Die Comedian Harmonists sind zurück in Hagen

Das ist die Liebe der Matrosen: Die Comedian Harmonists in Hagen:  v.l. Richard van Gemert, Björn Christian Kuhn, Jan Andreas Kemna, Olaf Haye, Christoph Scheeben.
Das ist die Liebe der Matrosen: Die Comedian Harmonists in Hagen: v.l. Richard van Gemert, Björn Christian Kuhn, Jan Andreas Kemna, Olaf Haye, Christoph Scheeben.
Foto: Klaus Lefebvre / Theater Hagen
Was wir bereits wissen
Vom kleinen grünen Kaktus bis zu Ali Baba lässt das Hagener Vokalsextett keine Publikumswünsche offen. In der Inszenierung spiegelt sich Weltgeschichte in Liedern

Hagen.. Sie sind wieder da! Westfalens beliebteste Boygroup rockt erneut die Bühne. Mit den „Comedian Harmonists Teil 2“ setzt das Theater Hagen eine sensationelle Erfolgsgeschichte fort. Zwanzig Minuten Beifall im Stehen und drei Zugaben zeigen, dass das Publikum restlos begeistert ist von den flotten Meistersängern um den Pianisten Andres Reukauf.

Abgründe zwischen Kunst und Geld

Autor Gottfried Greiffenhagen legt den zweiten Teil seiner Musikrevue über das legendäre Vokalensemble nach 1935 an. Die drei jüdischen Mitglieder werden nicht in die Reichsmusikkammer aufgenommen, was Auftrittsverbot bedeutet. Die Gruppe zerbricht. Harry Frommermann, Roman Cycowski und Erich A. Collin emigrieren nach Wien und führen die „Comedian Harmonists“ fort. Robert Biberti, Ari Leschnikoff und Pianist Erwin Bootz versuchen in Berlin, mit dem neugegründeten „Meistersextett“ an die frühere Popularität anzuknüpfen.

Das Stück erzählt Welthistorie in Liedern. Höhenflüge und Abstürze, Kunst und Geld, Ruhm und Verfolgung, treue Freundschaft und Verrat, Opfer und Täter stehen sinnbildlich für die Katastrophen und Tragödien von 1935 bis 1945. So werden die „Comedian Harmonists“ nicht nur zu bis heute vielfach imitierten Pionieren eines neuen Stils, das Stück spiegelt zudem am Schicksal der sechs Musiker eine ganze Epoche.

Die Abenteuer mit einem Berg von Koffern

Regisseur Thomas Weber-Schallauer und Bühnenbildner Peer Palmowski visualisieren die Abenteuer der Comedians sinnbildlich mit einem Berg von alten Koffern. Die sind von der Hagener Bevölkerung für die Inszenierung zur Verfügung gestellt worden und könnten jeder wohl eigene spannende Erlebnisse erzählen. Ein überdimensionierter Koffer teilt zudem die Spielfläche in zwei Ebenen. Oben hat Klaus Brantzen als der alte Harry sein Tonstudio, in dem ihn die Erinnerungen an sein Sextett nicht loslassen. Unten üben, streiten, hoffen und bangen die Comedians. Die jüdische Hälfte des Teams lebt seit 1935 tatsächlich mit stets griffbereitem Gepäck, denn aus Wien müssen sie über die Schweiz bis in die USA fliehen.

Die Berliner Fraktion hingegen kommt unter dem Hakenkreuz nicht richtig vorwärts. Ihr Repertoire wird stark eingeschränkt. „Veronika, der Lenz ist da“ und „Mein kleiner grüner Kaktus“ kommen auf die Verbotsliste, weil ihre Schöpfer jüdisch sind.

ARD Der Abend explodiert geradezu vor Musikalität. Das bewährte Hagener Comedian-Ensemble lässt keine Wünsche offen. „Guitar d’amour“, „Der kleine Finkenhahn“, „Ich hab für Dich ‘nen Blumentopf bestellt“, „Stormy Weather“ – ein Kracher jagt den nächsten. Björn Christian Kuhn, Olaf Haye (der für Orlando Mason neu hinzugekommen ist), Richard van Gemert, Jan Andreas Kemna, Christoph Scheeben und Andres Reukauf am Klavier demonstrieren zwischen Volkslied und Jazz, Schlager und Operette, wie man Noten flotte Beine macht.

Überbordende Spielfreude

So beliebt diese Melodien sind, so schwer sind sie in den typischen „Comedian Harmonists“- Arrangements zu singen. Doch das Sextett meistert die rhythmischen und harmonischen Herausforderungen mit derart vergnügter Eleganz, dass ihm alle Herzen zufliegen. Hier ist ein Ensemble am Werk, das neben überbordender Spielfreude auch Esprit und Witz auf die Bühne bringen kann – und in den Choreographien große parodistische Begabung verrät.

Es ist einfach unglaublich, was man alles mit der Stimme machen kann, die Sechs schaffen es sogar, ein ganzes Orchester zu imitieren. Natürlich hat jeder Besucher seine Favoriten unter den zahlreichen Titeln. Zum Beispiel „Guter Mond, du gehst so stille“. Oder der freche „Ali Baba“. Die Hagener „Comedian Harmonists“ sind mehr als gut, sie sind sympathisch. Und sie beweisen, dass Lieder um die Welt gehen und die Sterne berühren können.

Karten und Termine: www.theaterhagen.de