Die Breckerfelder und der Motorenlärm

Breckerfeld..  Es wird laut, immer wenn die Sonne scheint. Vor allem an Wochenenden. So laut sogar, dass der Boden unter den Füßen vibriert, wenn Werner Bühren vor die Tür seines Hauses tritt. Das liegt direkt hinter dem Kreisel. Wenn sie den durchfahren haben, drehen die Motorradfahrer an der Steigung in Richtung Wengeberg am Gashebel.

„Das ist wirklich extrem“, sagt Bühren, „besonders, wenn an Wochenenden und Feiertagen ganze Gruppen hier vorbeirauschen. Für Fußgänger wird das Überqueren der Fahrbahn trotz der Verkehrsinsel in der Mitte zur Gefahr. Ich selbst traue mich mit meinem Auto manchmal kaum aus unserer Ausfahrt heraus. Neben der Zunahme der Motorräder nutzen ja auch ­immer mehr Lastwagen die Strecke als Mautabkürzung.“

1974 hat das Ehepaar Bühren das Haus an der Frankfurter Straße gebaut. „Damals war das noch richtig ruhig“, sagt Hildegard Bühren. „Mit so einer Entwicklung konnte ­niemand rechnen.“ 40 Jahre später sehnt das Ehepaar die Umgehungsstraße herbei. Ein frommer Wunsch...

Frage der Kontrollen

Das weiß man auch im Rathaus der Stadt Breckerfeld. „Das Planfeststellungsverfahren wurde mit dem Regierungswechsel auf Landesebene eingestellt“, sagt Bürgermeister Klaus Baumann, der um die Motorrad-Problematik im Ort weiß, „das ist am Ende auch eine Frage der Kontrollen. Man müsste sich mal in Richtung Wengeberg positionieren und nicht nur den Ortskern ins ­Visier nehmen...“

Den Krach hört auch Ernst Günter Böving, Hotelier an der Frankfurter Straße und gleichzeitig im Vorstand des Stadtmarketings. „Der Lärm ist wirklich ärgerlich. Teilweise hört man die Maschinen sogar noch, wenn sie an der Steigung Richtung Königsheider Kopf beschleunigen“, erklärt Böving, der Motorradfahrer eher selten zu seinen Gästen zählt. „Wenn man mal eine Verkehrszählung durchführen würde, hat sich das Aufkommen seit Ende der 80er-Jahre mit Sicherheit verdoppelt. Die Straße zu überqueren, wird zum echten Problem.“ Nicht zuletzt deshalb macht sich auch der Stadtmarketingverein für einen Zebrastreifen und eine weitere Reduzierung des Tempos stark. „Wer für Fußgänger anhalten muss, fährt langsamer weiter.“

Daneben hat der Verein angeregt, eine Anzeige im Ortskern zu installieren, die durchfahrenden Fahrzeugen ihre Geschwindigkeit vor Augen führt. „Damit würde man zumindest einigen Fahrern ein schlechtes Gewissen machen und sie zum Umdenken bewegen.“

Zwiegespalten sieht Francesca Pavone vom Eis-Café Venezia die Diskussion. „Ja, es gibt bestimmt Gäste, die sich an den sonnigen Wochenenden durch den Motorradlärm gestört fühlen“, so Francesca Pavone, „auf der anderen Seite zählen die Motorradfahrer auch zu unseren Kunden und kehren bei uns ein.“

Polizei in Zivil unterwegs

Für die Polizei ist „eine Problematik mit Zweiradverkehr“ nicht erkennbar. Gleichwohl wird „natürlich an Wochenenden und Feiertagen mit einem hohen Aufkommen gerechnet“, so Polizeisprecher Dietmar Trust, „es werden an diesen Tagen Verkehrsüberwachungsmaßnahmen auf Ausfallstraßen durchgeführt.“ Durch uniformierte Kradfahrer werde verstärkt Präsenz gezeigt. Durchfahrtsverbote wie an der Prioreier Straße würden überwacht.

Auch in Zivil sind Polizisten mit Motorrädern unterwegs. Sie nehmen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen die Verfolgung auf, zeichnen Verstöße auf Video auf und halten die Fahrer an. „Daneben haben wir in Breckerfeld in 2014 mehr als 75 Kontrollstellen zur Tempoüberwachung eingerichtet“, so Trust. Geblitzt wurde u. a. an der Kettelbachstraße, der Brantener Straße, der Deller, der Klevinghauser und der Frankfurter Straße.

Gemessen wird nicht nur das Tempo, sondern auch der Lärm. ­„Allerdings“, so Trust, „verlaufen Messungen aufgrund abzuziehender Toleranzen im Stand meist negativ. Fahrgeräuschmessungen sind sehr komplex und für die Polizei kaum durchführbar.“