Die Bibel muss immer wieder neu formuliert werden

Ischeland..  Der Bibel fehle heutzutage der Sitz im Leben, findet Pfarrer Frank Lehmann. Sie sei nicht leicht verständlich, will er damit sagen, und das liege daran, dass sie in einer veralteten Sprache geschrieben sei. In der Luther-Bibel – also jener bekannten Übersetzung, die der deutsche Reformator vor 500 Jahren anfertigte, heißt es zum Beispiel: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Diese Wortwahl sei vor allem jungen Menschen nicht geläufig, sie würden deshalb die „Hoffnung-für-alle-Bibel“ aus dem Brunnen-Verlag bevorzugen, die Psalm 23 aus dem Althebräischen so ins Deutsche überträgt: „Nichts wird mir fehlen.“

Luther, davon ist der Pfarrer der evangelischen Stadtkirchengemeinde überzeugt, hätte gegen diese Korrektur seines Textes gewiss nichts einzuwenden. Die Bibel ist ja auch ein Geschichtsbuch, und Geschichte verändert sich, und mit ihr die Sprache. Wer die Sprache nicht versteht, versteht nicht nur die Bibel nicht, er will und wird sich erst gar nicht mit ihr befassen.

Das ist ein Grund dafür, dass es viele Bibeln (bzw. Bibelübersetzungen) gibt. Gut 70 verschiedene Ausgaben der Heiligen Schrift sind derzeit in der Markuskirche ausgelegt. Lehmann hat die Ausstellung mit seinen Konfirmanden organisiert, die mit dem Buch der Bücher, obwohl sie doch Christen sind, anfangs nichts anfangen konnten: „Die Bibel ist nicht so unser Ding“, hätten die Jugendlichen auf die Frage, ob sie denn in der Bibel lesen würden, geantwortet.

Von hinten nach vorn

Schade eigentlich, denn was in der Bibel steht, geht jeden Menschen an. Aber es darf nicht zum Mantra werden und muss deshalb, den Zeitläuften und den Bedürfnissen der Leser entsprechend, immer wieder neu formuliert werden. In der Markuskirche liegen Bibeln für kleine und große Kinder, für Pubertierende und Fast-Erwachsene, für Theologen und Laien. Es gibt die Schalke-Bibel und die Immendorff-Bibel, das Alte Testament in hebräischer Sprache (man liest von hinten nach vorn und von rechts nach links) und das Neue Testament in Griechisch, es gibt Lesungstexte aus dem 18. Jahrhundert in altdeutscher Sprache, bei deren Lektüre sich selbst der bibelfeste Pfarrer den Kontext zusammenreimen muss: „Und manchmal mache ich mir die Mühe und lese den hebräischen Urtext, um zu erfahren, was da wirklich steht.“ Das kann beim Verständnis bisweilen helfen, denn jede Übersetzung hat bekanntlich ihre Tücken.

„Seine Power ist unfehlbar“

Es gibt auch Bibelausgaben, vor denen selbst ein Pfarrer zurückprallt. Die Volx-Bibel etwa, die im Internet für Jugendliche entwickelt wurde und sich folgendermaßen an Psalm 23 heranbegibt: „Gott höchstpersönlich ist mein Dauergastgeber (whoa), der mich nonstop erfüllt, denn seine Power ist unfehlbar.“