Die amerikanische Gratwanderung
31.08.2009 | 17:46 Uhr 2009-08-31T17:46:00+0200
Im „Schmelztiegel” New York spielt die Weill-Oper „Street Scene”, die am Samstag im Theater Premiere hat.
Sie zeigt szenisch und musikalisch das Zusammenleben von Menschen aus vielen Nationen in einer Straße im Verlauf von fast 24 Stunden, das Gegensätzliche und das Verschmelzen ihrer (Musik-)Stile. Diese wiederentdeckte Oper lebt von kurzen Sequenzen, E- und Unterhaltungs-Musik - von Puccini bis zu Jazz und Swing.
„Es ist die amerikanische Gratwanderung”, sagt Regisseur Roman Hovenbitzer, „mit hohem musikalischen Anspruch, aber mit dem Typischen wie bei einem Chamäleon” - dem Farb- und damit Stilwechsel. 32 Solisten, Schauspieler und Sänger, sind in Aktion: „Gleichberechtigt”, so der Regisseur, dazu Statisten und alle Chöre des Theaters. „Es ist ein demokratisches Werk, alles ist wichtig.” Die 1929 unter dem Eindruck der Wirtschaftsdepression geschriebene Werk zeige auch: „Das Danach” - nach dem großen Drama das Zurückfließen in den Alltag. „Das Schreckliche und das Banale ist am nächsten Tag vergessen”, so der Regisseur.
„Aber es gibt auch das große Gefühl”, sagt Generalmusikdirektor Florian Ludwig: „Aber nur inselartig.” Da gäbe es die einen Menschen mit großem Sehnsuchtshaushalt - auch im Kapitalismus - und die anderen „an denen prallt alles ab.” Alles kommt vor, das Liebespaar, das kein Liebspaar bleibt, Einsamkeit, Klatsch, Ehebruch, Nachbarschaftshilfe, Generationenkonflikte und schließlich einen Doppelmord.
Von den Solistenszenen, so Dramaturg Thilo Borowczak gibt es fließende Übergänge zum Chor. Trotz vieler Musikstile, so GMD Ludwig, gäbe es ein Leitmotiv. „Und Tanz ist punktuell”, sagt Choreograph Ricardo Viviani, „bis auf einige Minuten Broadway.”
Gespielt wird auf einer Bühne auf der Bühne des Theaters und auf zwei Ebenen. Eingerahmt ist die Szenerie in ein großes Dollarzeichen, das aber gebrochen ist als Symbol für die damalige und die sehr aktuelle Zeit.
Zur Entscheidung für die Aufführung von „Street Scene” in der Reihe ihrer amerikanischen Produktionen sagt die Theaterleitung: „Es ist eine Oper, die in den Themen und der Vielfalt amerikanischer Ausdrucksformen den Migrationsraum Ruhrgebiet widerspiegelt.”
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