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Dicke Kröte für Gebührenzahler

06.07.2012 | 20:07 Uhr
Dicke Kröte für Gebührenzahler
Anwohner des Neubaugebietes Erlhagen beklagen das Abholzen von Bäumen im Fleyer Wald.

Hagen.   1024 Kröten könnten die Gebührenzahler teuer zu stehen kommen. Bislang leben die Tiere in und an den Buschbachteichen. Aber weil die wasserrechtliche Genehmigung für die beiden Teiche ausläuft, muss der Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH) ganz im Sinne der EU-Vorgaben neue Fakten schaffen. Und das kostet.

Das ist eine Kröte, die der Gebührenzahler schlucken muss. Und am Ende könnte die Amphibie gar so dick sein, dass sie heruntergewürgt werden muss. Es geht um die Buschbachteiche und um ihre Bewohner. Um genau 1024. Die meisten von ihnen sind Kröten. Erdkröten. Deren Heimat - der europäischen Wasserrahmenrichtlinie sei Dank - ist in akuter Gefahr. Denn die Brüsseler Bürokraten sehen vor, dass Fließgewässer durchgängig sein müssen.

Ein solches ist der Buschbach in der Tat. Aber weil die wasserrechtliche Genehmigung für die beiden Teiche, die er füllt und an denen die Kröten leben, ausläuft, muss der Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH) ganz im Sinne der EU-Vorgaben neue Fakten schaffen.

Standorttreue Kröten

Bevor aber die Teiche aufgegeben werden können, muss Ersatz her. Vor allem für die standorttreuen Kröten, die aufwändig umgesiedelt werden müssen. Was der ganze Spaß kosten soll, wird in einer Verwaltungsvorlage nicht mitgeteilt. „Die Kosten der Maßnahme trägt der WBH“, heißt es da. Und weiter: „Es entstehen keine finanziellen Auswirkungen.“

Das ist für die Kasse der Stadt, in der man händeringend nach Kröten sucht, richtig. Nicht jedoch für den gebührengespeisten Etat des WBH, der eine 100-prozentige Stadttochter ist. Und so weckten die fehlenden Angaben in der Vorlage nicht nur den Argwohn von Rainer Voigt (CDU): 1,5 Millionen Euro war die Zahl, die den schockierten Mitgliedern des Umweltausschusses auf seine Nachfrage vom WBH präsentiert wurde. Das entspräche einem Betrag von 1459 Euro pro Kröte. „Als wir das gehört haben, mussten wir schlucken “, sagen auch Jörg Meier (SPD) und Jörg Klepper (CDU).

Gegenüber unserer Zeitung erklärte Uwe Sommer vom WBH, dass für die neuen Teiche 310 000 Euro und für den Umbau des Damms der Buschbachteiche und deren Entschlammung 250 000 Euro fällig seien. Hinzu kämen noch Kosten für die Rückhaltung, die noch nicht eingerechnet seien.

Betrag pro Kröte erheblich

Welche Zahlen nun auch immer richtig sein mögen - der Betrag (pro Kröte) bleibt erheblich. Und er wird auch dadurch nicht besser, dass man fairerweise sagen muss, dass die Kosten nicht alleine für die Umsiedlung anfallen. Denn die beiden neuen Teiche dienen zugleich als „notwendige Rückhaltung“ für eine bislang ungenehmigte Einleitungsstelle der Stadt in den Buschbach. „So“, sagt Sommer, „schlagen wir immerhin zwei Fliegen mit einer Klappe.“

Gespeist werden die neuen Teiche aus dem Regenwasser, das an der Weidekampstraße anfällt. Am Ende soll ein Biotop nach dem Bundesnaturschutzgesetz entstehen. „Ob man will oder nicht - wir müssen die Teiche ersetzen“, sagt Hildegund Kingreen, Vorsitzende des Umweltausschusses. „Artenschutz ist eine wichtige Sache. Es geht hier auch darum, biologische Vielfalt zu erhalten.“

Der Rat befasst sich mit diesem teuren Projekt nicht. Diskutiert wurde darüber lediglich im Landschaftsbeirat, in der Bezirksvertretung Nord und im Umweltausschuss. Nur Kenntnisnahme war gefordert, keine Zustimmung. Baubeginn soll noch im Sommer sein.

Von Jens Stubbe



Kommentare
09.07.2012
07:55
Herr schmeiß Hirn vom Himmel...
von Nervenverloren | #7

und sieh zu, dass Du auch die richtigen triffst!
Irgendwie sind inzwischen alle etwas bekloppt!

08.07.2012
16:47
Dicke Kröte für Gebührenzahler
von GegenRealitatsverweigerer2.0 | #6

Großer EU-Schwachsinn. Wer bewässert denn die Teiche bei Trockenperioden ? Wer weiß ob die Kröten nicht alle unter meinem Auto auf der Helfer Straße landen und ob Starkniederschläge die Teiche derart verunreinigen können, dass die Kröten da keine gute Überlebenschance haben. Alles ist schlechter als die aktuelle Situation.

Die Rechnung sollte an die EU gehen. Ich sehe ehrenamtliche Kräfte schon im Sommer die Teiche bewässern.....denn das Niederschlagswasser der Weidekampstraße ist nicht grade üppig.

2 Antworten
Dicke Kröte für Gebührenzahler
von GegenRealitatsverweigerer2.0 | #6-1

Falls die Kröten vorher zufälligerweise sterben oder verschwinden, hätte sich die Notwendigkeit der Investition erledigt :-) Nur mal als Gedankensprung für die Verwaltung. Vielleicht braucht ja der ein oder andere noch eine, ansonsten mal in der Pariser Gastronomie fragen. Naturschutz ja, aber nicht zu diesem Preis.

Dicke Kröte für Gebührenzahler
von Plem | #6-2

Das erinnert mich an das Mühlenberger Loch in Hamburg, das zugeschüttet werden sollte, um eine verlängerte Start- und Landebahn für den A380 bauen zu können. Jahrelang gab es Streit mit Umweltschützern, die sich gegen die Zerstörung eines dortigen Vogelschutzgebiets wehrten. Schließlich setzte die Stadt dort Marder aus, und wenig später gab es dort nichts mehr zu schützen.

Das Verhalten seitens der Stadt war natürlich kriminell, aber es zeigt deutlich, daß unsere Politiker keine Skrupel mehr kennen, wenn es um das Wohlergehen der Wirtschaft geht.

Wie es jetzt mit den Hagener Kröten weitergehen könnte, dazu möge sich jetzt jeder seine eigenen Gedanken machen.

07.07.2012
13:42
Dicke Kröte für Gebührenzahler
von Andercover | #5

Der Wahnsinn geht weiter. Es scheint, als wenn die Bürokraten Ärsche in der EU nichts anderes zu tun haben als so einen Unsinn zu verzapfen. Deutschland ist aber auch das einzigste Land das diesen Blödsinn umsetzt. Alle anderen Länder Schei...n drauf. Zum NABU und zu Frau Kingreen möchte ich mich nicht äußern, erst einmal meinen Rechtsschutz prüfen , oder ??

07.07.2012
00:53
EU Banane
von bearny | #4

Es ist nett, daß es Kröten gibt und Teiche für sie.
Unverständlich ist, daß, wenn eine Genehmigung ausläuft, sie nicht eventuell verlängert werden kann? Ein TÜV- Gutachten ist ja auch nur eine zeitlich begrenzte Bescheinigung, sein Auto noch mal 2 Jahre fahren zu dürfen.
Lassen wir nun den TÜV wegfallen, muß sich nun jede(r) nach max. 3 Jahren einen neuen Untersatz kaufen, die Wirtschaft ist gerettet und die Leute pleite.
Wofür also extra neue Biotope schaffen, wenn die "alten" noch wohl mehr als gut sind?
Und was bedeutet es für die langnäsige Sumpfohrschnecke, wenn ihr Teich auf einmal 200 Meter weiter unten ist? Muß man gar psychsomatische Behandlungen in Erwägung ziehen für das arme Tierchen, das bisher noch nie beschrieben wurde?

Kurz gesagt: man kann alles übertreiben, aber so etwas gehört in die Kategorie grober Unfug.

07.07.2012
00:30
Dicke Kröte für Gebührenzahler
von ex-altenhagener | #3

Denn die beiden neuen Teiche dienen zugleich als „notwendige Rückhaltung“ für eine bislang ungenehmigte Einleitungsstelle der Stadt in den Buschbach. „So“, sagt Sommer, „schlagen wir immerhin zwei Fliegen mit einer Klappe.“

Was bitte ist eine "bislang ungenehmigte Einleitungsstelle"?
Was hat die Stadt gemacht, was sie nicht durfte ?

06.07.2012
20:20
Dicke Kröte für Gebührenzahler
von oxofrmbl | #2

Wenn die EU das vorgibt, sollte sie es mitfinanzieren - wäre doch mal ein schönes Gefühl, wenn die Griechen sich finanziell für die Hagener Erdkröten einsetzen, das könnte ihr schlechtes Image in Westeuropa wieder etwas aufpolieren.
Aber, Spaß beiseite: Gibt es eigentlich schon ein Gutachten? Falls ja, berücksichtigt es eigentlich auch die Meinung der Kröten? Ich finde Frau Kingreens Verhalten in dieser Frage zu defensiv und fordere eine Erdkrötenquote für den Hagener Rat. Zumindest aber ein weiteres Gutachten.
Übrigens werden durch meine Windschutzscheibe momentan hunderte von Insekten getötet, da müssten unsere lieben Ökos und Weltverbesserer die Fahrzeugindustrie dringendst auffordern, die Fahrzeuge ohne Scheiben auszuliefern.

06.07.2012
20:03
Dicke Kröte für Gebührenzahler
von schnurri23 | #1

Wie wäre es, wenn man dort ein paar Störche ansiedeln würde?

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