"Deutschland ist ein hilfsbereites Land"

150 Interessierte waren ins Kolpinghaus gekommen.
150 Interessierte waren ins Kolpinghaus gekommen.
Foto: Yvonne Hinz
Was wir bereits wissen
150 Interessierte kamen ins Kolpinghaus zur Veranstaltung „Die Situation von Flüchtlingen in Hagen“.

Hagen.. Es war eine inhaltsstarke Veranstaltung, zu der mehr als 150 Interessierte (nur 120 fanden einen Platz) kamen. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Cemile Giousouf hatte am Donnerstag zur Diskussion zum Thema „Flüchtlingssituation in Hagen“ ins Kolpinghaus eingeladen. Vor dem Hintergrund, dass derzeit 550 Asylbewerber in Hagen leben, müssten Fragen wie „Woher stammen die neuen Nachbarn?“ und „Wird das Zusammenleben mit den Fremden gut gehen?“ dringend behandelt werden, so Giousouf, die professionell und unaufgeregt durch den Abend führte.

Patenschaften für Flüchtlinge

Erfreulich: Es wurde nicht nur geredet, sondern auch konkret etwas beschlossen, nämlich die Einführung einer Patenschaftsliste. Und auf dieser trugen sich nach der Veranstaltung einige der Anwesenden, die künftig für einen Flüchtling bzw. eine Flüchtlingsfamilie in Hagen Pate sein möchten, ein. Wer ebenfalls Interesse hat, kann sich bei der Zuwanderungsberatung der Diakonie per Email melden (heike.spielmann@diakonie-mark-ruhr.de)

Als Ehrengast wurde im Kolpinghaus ein beeindruckender Mann begrüßt: Rupert Neudeck, Gründer der Hilfsorganisation „Cap Anamur“ (Ende der 70er Jahre rettete diese tausende chinesische Flüchtlinge im Chinesischen Meer/ „boat people“), sprach als Praktiker, Mahner und Visionär zu den Besuchern. Mit Empathie versicherte der ­75-Jährige: „Deutschland ist ein hilfsbereites Land!“ Er forderte eine Europäisierung der Flüchtlingshilfe („Wir müssen eine europäische und keine nationale Politik machen“) und resümierte: „Menschen, die durch Kriege und Krisen keine Chance auf einen Rückweg in ihre Heimat haben, brauchen unsere Hilfe.“

„Auf Notleidende beschränken“

Auf die Frage Cemile Giosoufs, wie auf Menschen aus sogenannten ,sicheren Staaten’ reagiert werden solle, antwortete Neudeck ohne Umschweife: „Wir in Deutschland müssen uns auf Menschen aus Ländern, in denen es politische Verfolgung gibt, konzentrieren. Ich verstehe den Wunsch aller Menschen, in einem sicheren, angenehmen Land zu leben, doch wir können durch Steuergelder nicht alle Wünsche befriedigen und müssen uns daher auf unmittelbar Notleidende beschränken.“

Neudeck betonte vehement, dass es allerdings nicht allein auf materielle, sondern auch auf humanitäre Hilfe ankäme, konkret: um die Anwesenheit von Helfern. „Mit den oftmals traumatisierten Menschen die Nacht zu verbringen – denn dann haben sie Alpträume – ist wichtig“, so der Ehrengast.

Stadt muss finanzielle Löcher stopfen

Sozialdezernentin Margarita Kaufmann nannte Zahlen: 2,8 Millionen Euro habe die Stadt Hagen im letzten Jahr für Flüchtlingshilfe investieren müssen, zum Teil refinanziert durch Bundesmittel, „doch ohne ehrenamtliches Engagement geht es nicht“. Dem pflichtete ­Kämmerer Christoph Gerbersmann bei. Die Refinanzierungsquote in NRW sei ausgesprochen schlecht, „und die Stadt muss die ­finanziellen Löcher stopfen“.

Ratsherr Thomas Walter forderte, dass (Aus-) Bildungsabschlüsse international anerkannt werden müssten, „sonst wird Potenzial verschenkt“. Rainer Goldbach, Leiter des Fachbereichs Jugend und Soziales, mahnte eine schnelle Betreuungsmöglichkeit nahe der ­Sammelunterkünfte für Flüchtlingskinder an. Und CDU-Kreisvorsitzender Christoph Purps sprach für den Unternehmerverein, der sich für jugendliche Flüchtlinge, die eine Ausbildung beginnen möchten, verstärkt einsetzen will.