Deutsch-türkische Freundschaft

Der Kontaktbeamte Uwe Böhm der Hagener Polizei (links) und Ercan Öztaskin, Vorstandsmitglied Landesintegrationsrat, setzten auf Vertrauen.
Der Kontaktbeamte Uwe Böhm der Hagener Polizei (links) und Ercan Öztaskin, Vorstandsmitglied Landesintegrationsrat, setzten auf Vertrauen.
Foto: Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Deutsche und Türken setzten auf Vertrauen: Mitglieder des Landesintegrationsrates und Hagener Polizisten sowie Beamte der Landespolizeischule reisen nach Istanbul.

Hagen/Istanbul.. Besondere Freundschaften haben manchmal einen traurigen Auslöser. Der Auslöser dieser Freundschaft war der Tod eines Menschen. Der Tod eines Türken, der von der Hagener Polizei verhaftet wurde und später im Krankenhaus starb. Damals machten sie sich gegenseitig Vorwürfe – Teile der türkischen Gemeinschaft in der Stadt und die Hagener Polizei. Heute reden sie regelmäßig in einem Arbeitskreis miteinander. Freundschaften sind entstanden. Und jetzt fliegen deutsche Polizisten und Türken gemeinsam in die Türkei.

14-köpfige Delegation reist nach Istanbul

Es ist eine Reise, wie es sie in dieser Form wohl noch nicht gegeben hat. Eine 14-köpfige Delegation macht sich auf den Weg nach Istanbul. Um etwas über das Leben und die Kultur in der Millionen-Metropole zwischen Europa und Asien zu erfahren und um die türkische Polizei kennenzulernen. Mitglieder des Landesintegrationsrates sind darunter, Hagener Polizisten, Beamte der Landespolizeischule, die ihre Eindrücke an junge Kollegen weitergeben sollen, und nicht zuletzt Dr. Bernd Liedtke, ehemals Polizeidirektor in Hagen, der als Dr. Türkei die Reihe „Verstehen und verstanden werden“ ins Leben gerufen hatte. „Und damit erst gar keine Mutmaßungen aufkommen“, sagt Ercan Öztaskin, „jeder zahlt seine Reisekosten selbst.“

Öztaskin, der Hagener, der im Vorstand des Landesintegrationsrats sitzt, ist so etwas wie der Vater dieser Reise. „Im Hagener Arbeitskreis der Muslime waren Polizisten aus allen möglichen Abteilungen und haben uns die Polizei erklärt. Jetzt erklären wir unseren Kulturkreis“, sagt Ercan Öztaskin, der seit 1970 in Hagen wohnt. Er hat mit Unterstützung des Landesintegrationsrates die außergewöhnliche Reise organisiert. Das türkische und das Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen mussten schließlich ihren Segen geben.

Fünf Tage vor Ort

Fünf Tage bleibt die Delegation vor Ort. „Wir wollen ja, dass es einen nachhaltigen Effekt hat“, erklärt Kriminalhauptkommissar Uwe Böhm, stellvertretender Leiter des Staatsschutzes und gleichzeitig stellvertretender Kontaktbeamter zu den muslimischen Kulturvereinen, „wir werden morgens diverse Einheiten der türkischen Polizei kennenlernen. Daneben gibt es an den Nachmittagen ein Kulturprogramm.“

Die Reise ist der vorläufige Höhepunkt des Engagements in Hagen. „Die Initialzündung mag traurig gewesen sein“, sagt Ercan Öztaskin, „aber es ist toll, was hier im Laufe der Jahre entstanden ist. Wir vertrauen einander auch dann, wenn es einmal zu Anspannungen kommt. Vorwürfe wie damals würde es heute nicht mehr geben.“

Und auch Uwe Böhm weist ­ausdrücklich darauf hin, dass die Hagener Polizei für alle da sei.

„Seit Jahren hat es keine Eskalationen mehr gegeben“, sagt Uwe Böhm, „selbst als Pro NRW hier in Hagen angerückt ist, ist alles ganz friedlich geblieben. Die Mitglieder der türkischen Gemeinschaft kennen ihre Ansprechpartner bei der Polizei.“