Der Sigmar und der Ivo auf Kuschelkurs

Es war einmal ein gut bezahlter Vorstandssprecher eines weltweit weniger, aber regional doch sehr bekannten Energieversorgers, der keine Gelegenheit ausließ, allerorten zu erklären, dass sein Unternehmen zwischen den Stühlen sitze und sich nicht von unwirtschaftlichen Kraftwerken trennen dürfe, weil diese für die Aufrechterhaltung der Stromversorgung in Hagen und der Region weiterlaufen müssten. So ein Jammer.

Und dann war da noch ein Vizekanzler, der besaß die Frechheit, zu einem Jahresempfang der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer nach Hagen zu kommen und den wehklagenden Energieversorger zu kritisieren. Sapperlot! Zum Beispiel warf er Enervie vor, nicht genug für eine bessere Anbindung an das Amprionnetz getan zu haben. Alles Quatsch, fand der Stromversorger. Der Minister sei sehr einseitig informiert. Kurzum: Enervie liege richtig, der Minister nicht. Guck an.

Gemeinsam an einem Tisch in Berlin hatte man sich dann aber ganz schnell wieder lieb. Der Sigmar – also der Vizekanzler – soll das plötzlich alles so prima gefunden haben, was der Ivo – also der regionale Strom- und Wasserchef – ihm da so erzählt hat, dass er eingewilligt haben soll, bei der Enervie-Weihnachtsfeier im kommenden Jahr als Strommasten verkleidet eine seiner berüchtigten freien ­Reden zu halten. Motto der ­Ansprache: „Zwischen Wasserkraft und Plutonium – der böse Bub ist Amprion.“

Außerdem versprach der vom Grünhagen-Vortrag sichtlich beeindruckte Gabriel, nie wieder bei einem Jahresempfang der SIHK mit dem Energieversorger zu schimpfen. So nett, der Sigmar.