Der Schwarzstorch stoppt die Windenergie

Ein Windrad auf den Dahler Höhen bei Kattenohl.
Ein Windrad auf den Dahler Höhen bei Kattenohl.
Foto: WP Michael Kleinrensing
In Breckerfeld sind kaum noch Flächen für den Bau neuer Windkraftanlagen vorhanden. Die Abstandsgrenzen zur Wohnbebauung, aber auch der Naturschutz verhindern geplante Projekte.

Breckerfeld..  Im 58 Quadratkilometer großen Gebiet der Hansestadt gibt es keine Fläche, die groß genug ist, um sie gerichtsfest im Flächennutzungsplan der Stadt als Konzentrationszone für Windenergieanlagen auszuweisen. Das ist das Fazit der Gutachten zum „Suchraumverfahren Windenergie“ durch das Büro „Geo-Net“ Umweltconsulting“ aus Hannover und zur „Artenschutzprüfung“ durch das Büro „Viehbahn Sell“ aus Witten. Die Ergebnisse der Expertise wurden in der Sitzung des Planungs-, Bau- und Umweltausschusses vorgetragen.

„Nach der Aufhebung der Höhenbegrenzung für Windräder im Land NRW wurde die AVU beauftragt, die notwendigen Untersuchungen zur Schaffung einer Konzentrationszone mit mindestens vier oder mehr Windrädern ohne Höhenbegrenzung durchzuführen“, erinnerte Bürgermeister Klaus Baumann an den einstimmigen Ratsbeschluss vom 26. Juni 2012. In der Zwischenzeit hatten die Stadt auch die Anfragen einzelner Bürger und von Investoren, die auf ihnen zur Verfügung stehenden Grundstücken ein Windrad bauen wollen, erreicht.

Wirtschaftlicher Betrieb möglich

„In 100 Meter Höhe weht der Wind in Breckerfeld im Durchschnitt des Jahres mit 6 Metern pro Sekunde“, erklärte Ulrike Kubersky vom Büro Goe-Net, „in 140 Meter Höhe ist für Windanlagenerbauer noch mehr Wind zu ernten.“ Potenziell könnten im Breckerfelder Umland Windkraftanlagen wirtschaftlich betrieben werden. Aber: „Bei unserer Suche nach geeigneten Standorten zeigte sich: Festgelegte Vorgaben wie Artenschutz, Abstände zur Wohnbebauung, Natur-, Landschafts- und Wasserschutz und Vorgaben der Regionalplanung schließen die Mehrheit der potenziellen Flächen aus. Eine Fläche mit ausreichender Größe zur Festlegung einer Konzentrationszone ist in Breckerfeld nicht vorhanden.“

Allein die Abstandsregelungen (600 Meter zu Siedlungsflächen und 450 Meter zu Einzelhäusern) machten es auf einem großen Teil des Stadtgebiets unmöglich, eine Zone einzurichten. Auf den restlichen Arealen bremse der Artenschutz die Windkraft aus. Am Ende zeigte ihre Karte nur zwei Flächen in einer Größe von 16 bzw. 12 Hektar, auf denen Windräder als Einzelanlagen errichtet werden können. Hinzu kommen einige kleinere Flächen, bei denen sich durch die Entfernung zum nächsten Netzanschluss aber eine Windkraftanlage nicht rechne.

16 schützenswerte Vogelarten

Der Biologe Michael Sell erläuterte das Gutachten zum Artenschutz: „In der Stadt zeigen 16 schützenswerte Vogelarten und 13 vorkommende Fledermausarten, dass die Natur noch in einem guten Zustand ist.“ So sei Breckerfeld in NRW wichtiger Lebensraum für den Schwarzstorch und den Rotmilan. Allein für den Schwarzstorch gelte: Von seinem Horst müssen Windräder einen Abstand von 3000 Meter einhalten, beim Rotmilan seien es 1500 Meter, beim Uhu und Wespenbussard 1000 Meter und beim Habicht 300 Meter. „Schon die hohe Dichte von Horsten von Schwarzstorch und Rotmilan lässt die Ausweisung einer großen Konzentrationszone nicht zu.“ Zwar ist damit das endgültige Aus für neue Einzel-Windkraftanlagen nicht besiegelt, die Hürden sind aber erheblich: „Die bestehende Konzentrationszone nahe Benscheid ist für heute übliche Anlagen mit 100 bis 150 Metern Nabenhöhe nicht geeignet“, so Thorsten Coß von der AVU, „neue Anlagen an den eventuell möglichen Standorten müssten von den potenziellen Anlagenerrichtern einzeln und auf eigene Kosten auf ihre Machbarkeit untersucht werden.“ Bürgermeister Baumann kündigte vor einem Beschluss der Stadtvertretung über das weitere Vorgehen für den 18. Juni, 19.30 Uhr, eine Veranstaltung zur Information der Bürger über die Ergebnisse der Gutachten in der Gaststätte „Jägerheim“ am Dickenberg an.

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