"Der Mentor passt zum Karneval wie Kölsch nach Düsseldorf"
04.02.2008 | 18:18 Uhr 2008-02-04T18:18:00+0100Motto-Probleme beim WDR, ein Polizist als Dirigent und Neues vom Mentor - hier erfahren Sie, was sich rund um den Rosenmontagszug zugetragen hat.
Am Mentor führte diesmal kein Weg vorbei. Nicht bei den Aktiven des Karnevalszuges, auch nicht bei den professionellen Beobachtern. Oberbürgermeister Peter Demnitz beispielsweise versicherte der versammelten Narrenprominenz: „In unseren Karneval, für den sich ganz viele Hagener ehrenamtlich engagieren, wird sich der Mentor nicht einmischen.” Zug-Moderator Martin Erlmann mochte da mit einem kessen Spruch nicht zurückstehen: „Der Mentor passt zum Karneval wie Kölsch nach Düsseldorf.”
Er hat noch etwas vom Wachtmeister alter Schule: Stadtpolizist Helmut Isken. Ob Jung oder Alt, zumindest in seinem Revier, also in der Innenstadt, kennen - und schätzen - ihn alle. Was daran liegt, dass der Polizeihauptkommissar für jeden die richtigen Worte findet und auf diese Weise Problemchen regelt, bevor sie zu Problemen werden. Auch beim Rosenmontagszug war Isken wieder in seinem Element. Wie er allzu vorwitzige Zuschauergruppen aus dem Zugweg dirigierte, daran hätte unser Generalmusikdirektor seine helle Freude gehabt.
Als Fernsehreporter hat man es auch nicht immer leicht. Da hatte es der WDR-Kollege Peter Fischer endlich geschafft, sich mit seinem Kameramann bis zum Promi-Gehege vorzuarbeiten und den Oberbürgermeister wegweisende Worte zum Hagener Karneval ins Mikro hauchen zu lassen, da musste er feststellen, dass er bei der Nennung des Hagener Prinzenmottos gepatzt hatte. Also das Ganze noch mal, einschließlich Oberbürgermeister. Diesmal war etwas mit dem Ton nicht in Ordnung. Folge: Klappe, die Dritte. Da hat's dann geklappt.
Endlich - was sich in den Vorjahren als recht zähe Veranstaltung erwies - nämlich die Après-Rosenmontags-Feier im Ratssaal - scheint nun auf dem rechten Weg zu sein. Verirrten sich früher höchstens zwei Dutzend ins Rathaus, waren dort gestern bestimmt 150 Karnevalisten zu sichten. Sekt, Bier, Brötchen und Frikadellen zum Beinah-Selbstkostenpreis, dazu Karnevalsmusik und deutsche Schlager - da konnte man den Nachmittag in netter Gesellschaft schön ausklingen lassen.
Allen liberalen Überstunden-Bedenkenträgern zum Trotz: Der städtische Event-Vorturner Peter Mook - in Fachkreisen nur „Party-Peter” genannt - hatte sich anlässlich des närrischen Zuges in ein barockes Ornat gezwängt, um dem Frohsinn zu frönen. Diesmal natürlich ganz privat - behauptete er.
Anders Tickende - so scheint es zum Trend zu werden - gehören in Separees gesperrt: Während das legendäre Trinkergehege auf dem Ebert-Platz seit Jahren einen zweifelhaften Kult-Status genießt, rollte in diesem Jahr erstmals ein Rauchergehege vorbei - also ein übelriechendes Biotop für alle Zigaretten-Süchtigen. Wenn's so weitergeht, ist in der nächsten Session vermutlich auch ein Bützchen-Käfig gefordert. Freiwillige zu finden, dürfte hier keine Kunst sein.
Im „La Siesta” bei Wirtin Annette war gestern schon ab 13 Uhr die Hölle los. Der Nieselregen spülte der City-Gastronomie schon vor dem eigentlichen Zugbeginn feierfreudiges Publikum vor die Theke. Des einen Freud, des anderen Leid.
Zwei neue Köpfe fielen gestern im besagten Gehege auf. Der eine gehörte zu dem Landtagsabgeordneten Wolfgang Jörg, der andere zu Mark Krippner, der es immerhin schon zum Vorsitzenden der Genossen in Hohenlimburg gebracht hat, aber immer noch nicht im Rat sitzt. Aber wichtig tun kann man ja schon mal.
Der Mann, den sein Mützenfetischismus berühmt gemacht hat, ist auch sonst eher für seinen Hang zur Disziplin bekannt. Im Karneval allerdings wird selbst ein Polizeidirektor zum Narr. Bernd Liedtke jedenfalls hakte sich - natürlich mit grüner Dienstmütze - bei seiner Präsidentin unter und schunkelte mit den Promis im Gehege um die Wette. Dann macht er sich auf den Weg zum Theaterplatz und schaute nach Recht und Ordnung.
Dass der neue Zugkommentator Friedel Hiersenkötter beim Casting vor Dieter Bohlen antritt, ist nur ein Gerücht. Aber sein Kracher „Spass inne Backen” hat das Format zum Karnevalsohrwurm. Wenn auch etwas mehr Tempo dem künftigen Gassenhauer gut täte - sonst schlafen beim Mitschunkeln die Füße ein.
Was hat ein abgewrackter Ford-Fiesta-Kastenwagen eines Burger-Bräters im Rosenmontagszug verloren? Warum ist ein knallgrüner Käfer eines Indoorspielplatzes lustig? Und wieso rollt ein Smart einer internationalen Apotheke mit? Weil ja die Zugordnung vorschreibt, dass das Verteilen von Handzetteln verboten ist, wäre es schön, wenn sich mal einer daran hielt. Werbung - noch dazu schlechte - nervt.
Karneval muss manchmal auch weh tun. Umso beeindruckender, dass sich einige Jecken auch vom karnevalistischen Totentanz zwischen Sparkassen-Karree und Deutscher Bank nicht bremsen lassen. Sie feierten, schunkelten und tanzten - auch ganz ohne närrisches Fußvolk als Spalier.
Eigentlich kann man dieObermolly ja gar nicht übersehen. Mehr als 100 Kilogramm muss eine Anwärterin schließlich auf die Waage bringen, wenn sie dieses jecke Amt bekleiden möchte. Doch im Umzug geschah es dann fast: Molly samt Gefolge fielen kaum auf. Dass auf dem schlichten Wägelchen eine der Symbolfiguren des Hagener Karnevals anrollt, hätte man auch leicht übersehen können. Im bunten, lauten Trubel ging der in schwarz-gelb gehaltene Wagen fast unter - schade für den KCH, schade für die Molly.
Hier finden Sie den WP-Bericht vom Rosenmontagszug.
Hier gibt es jede Menge WP-Bilder vom Zug.
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