Der Kater hat alle(s) im Griff
27.11.2009 | 18:00 Uhr 2009-11-27T18:00:00+0100Die schönste Zeit im Theater sind die Wochen vor Weihnachten - wenn von der Bühne eine verzaubernde Magie ausgeht, wenn auf den Rängen gekichert und kommentiert wird, wenn auch Erwachsene sich wieder wie Kinder fühlen können.
In diesem Jahr gelingt das dem Hagener Haus mit einer temporeichen und komödiantischen Umsetzung des Grimm'schen Märchens „Der gestiefelte Kater”.
Jede einzelne Figur, bis hin zu den überlebensgroßen Rebhühnern, in dieser Inszenierung hat Werner Hahn in seiner Textbearbeitung individuell charakterisiert. Allen voran natürlich den Kater Moritz, in dessen Rolle Bettina Kenney mit katzenhafter Eleganz und lebendiger Spielfreude imponiert. Jede Menge Weisheiten hat dieses Schlitzohr parat, das aus dem Müllerssohn den Grafen Johannes Gustav Maximilian Graf von Mühlenfeld und Winterberg macht. Ein Schelm, wer dabei an Minister und die Region denkt?!
Solch feine Ironie wird Kindern wohl entgehen, für sie ist das bunte Geschehen in einem tollen und wohltuend sparsamen Bühenbild (Jan Bammes). „Mir gefällt, wie der Kater gesungen und getanzt hat”, schwärmt Lisa (6) aus dem städtischen Kindergarten am Gosekolk in der Pause. Kinder sind immer noch die ehrlichsten Kritiker. Da kommt zunächst der Müllerssohn Hans - wandelbar: Tillmann Schnieders - mit seiner geballten Wut aufs Leben nicht gut an. Die weicht erst, als sich Hans als Graf in Prinzessin Sophie (Katharina Stein/Meike Strehl) verliebt. Von dieser Sorte Prinzessin wünscht man sich im Märchen mehr: Sie liebt Bücher, trägt eine Brille und eine Schulmädchenuniform - und überlässt ihrem Papa das Prinzessin-auf-der-Erbse-Getue. Nicht mal blond ist sie.
Tanz (Ricardo Viviani) und handgemachte Musik (Hans Steinmeier) sind die zentralen Elemente für alle Charaktere. Im Bluesrhythmus swingt der Kater, während der verschrobene König Ludwig (Robert Schartl) stakkatoartig murrt oder walzerselig tagträumt. Mit den heiteren Momenten auf der Bühne ist es vorbei, als der Kater an den düsteren Zauberer Kasimir gerät. Da greift Bühnenbildner Bammes ganz tief in die Trickkiste des Theaters: dunkles Farbenspiel, ein wallendes Gewand und ein paar Knalleffekte. Emmanuele Pazienza mimt den bösen Zauberer ebenso überzeugend wie den italienischen Schuhhändler, den hessisch babbelnden Kutscher und den tomben, dickbäuchigen Bauern.
Als der Spuk vorbei ist, finden alle ihr Glück. Zum krönenden Abschluss küssen sich Hans und die Prinzessin. „Iiih”, kommentiert ein Kind spontan. Ach, Kinder sind so unromantisch. .
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