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Der Dechant und die Quelle des Lebens

17.09.2009 | 17:36 Uhr
Der Dechant und die Quelle des Lebens

Hagen. Dieter kann niemand aussprechen. Zumindest nicht in Nicaragua. „Padre Enrique nennen mich die Menschen dort. Meinen richtigen Namen kennen die meisten nicht einmal”, sagt Dieter Osthus und lächelt. „Wenn da jemand Dieter mit spanischem Akzent sagt, hört sich das immer an wie Diät...”

Dieter ist Dechant des Dekanats Hagen-Witten und Pfarrer der Gemeinde St. Josef in Altenhagen. Enrique - das ist jener Mann, der im Alter von 46 Jahren mit einem Koffer in der Hand am Flughafen von Managua, der Hauptstadt Nicaraguas, stand. Um ein Versprechen einzulösen, das er einst seinem gutem Freund Bernhard Hombach gegeben hatte, der vier Jahre nach Ende des blutigen Bürgerkrieges Bischoff von Juigalpa im Süden des mittelamerikanischen Landes geworden war.

„Fuente de Vida” - Quelle des Lebens heißt das Projekt, das Dieter Osthus bis heute betreut, das er immer wieder besucht und für das er Spenden sammelt, sobald es seine Zeit erlaubt. Dahinter steht ein Zentrum für Bildung und Gesundheit im Stadtteil „Padre Miguel”, das den Ärmsten der Armen Hoffnung gibt. Vor zehn Jahren wurde es eröffnet.

Gottesdienste am Küchentisch

Das Elend und die Not in einem der ärmsten Länder der Welt berühren Dieter Osthus, der zuvor Afrika und Indien bereist und in Venezuela gearbeitet hatte. „Als ich das erste Mal durch den Stadtteil gegangen bin, haben die Leute in einfachsten Hütten und großen Plastikkanistern gewohnt. Es gab kein sauberes Wasser und keinen Strom”, erzählt der Geistliche. „Ich habe mir eine kleine Hütte zurechtgemacht. Das war ein furchtbares Loch. Gottesdienste haben wir an Küchentischen in den Hütten gefeiert. Es war mir wichtig, das Vertrauen der Einheimischen zu gewinnen. Als Padre hat man da einen gewissen Bonus.”

Interview mit Dieter Osthus: In Nicaragua ist Hagens Dechant ein gefragter Ansprechpartner.

In einer kleinen Hütte begegnet Dieter Osthus drei Frauen, die sich um ein paar Kleinkinder kümmern. „Ich habe einfach ein zerfallenes Hospital auf einem Militärgelände in Besitz genommen und dort einen provisorischen Kindergarten eröffnet.” Das war der Anfang - 1996.

Militär verschenkt Areal

Das, was Padre Enrique tut, spricht sich schnell herum. „Es hat gar nicht lange gedauert, da kam der oberste Führer des Militärs, der in der Nähe wohnte, auf mich zu”, erinnert sich Dieter Osthus, „er fand gut, dass sich jemand um die Kinder kümmerte und hat mir einen Teil des Areals, auf dem das ehemalige Krankenhaus stand, geschenkt.”

Mit Spendengeldern aus Deutschland reißt Dieter Osthus alte Pavillons ab und baut eine Kapelle, eine Küche, einen Kindergarten, eine Grundschule und ein Gesundheitszentrum. „Die Pläne habe ich selber gezeichnet”, sagt Dieter Osthus, „ich hatte ja vor Ort keinen Architekten, den ich beauftragen konnte.” Die Statik lässt er berechnen. Einen Trupp von Maurern holt er von der Straße. „1999 hat mir das Militär den Rest des Areals übereignet. Freunde aus dem Siegerland sammelten bei einem Spendenlauf im Jahr 2000 98 000 Mark. Mit diesem Geld konnten wir ein Gymnasium errichten.”

Mit Unterstützung aus Deutschland entstehen eine Ziegelei, 125 kleine Wohnhäuser sowie Kapellen in acht entlegenen Dörfern, die Dieter Osthus betreut. „Teilweise sind diese Gemeinden außerhalb von Juigalpa nur mit Pferden zu erreichen”, sagt Dieter Osthus.

Menschen geben Motivation

Die Menschen selbst geben Dieter Osthus die Motivation für seine Arbeit. „Sie haben gesagt, dass sie mich brauchen. Mich gebeten, sie zu begleiten - als Seelsorger und als Sozialarbeiter”, sagt Dieter Osthus, „ich wollte ja nach Nicaragua, habe nie an dem gezweifelt, was ich getan habe.” Das Kindermissionswerk (Sternsinger), die St.-Meinolf-Gemeinde sowie der Eine-Welt-Kreis der St.-Josef-Gemeinde helfen Dieter Osthus regelmäßig. „24 Angestellte arbeiten heute für Fuente de Vida, rund 1000 Kinder werden täglich betreut. Eigentlich müssten wir die Schule weiter ausbauen. In den Klassen werden bis zu 50 Kinder gleichzeitig unterrichtet”, sagt Dieter Osthus, „für das Projekt brauchen wir Jahr für Jahr rund 35 000 Euro.”

Im Juli war Dieter Osthus zuletzt in Nicaragua. „Diese Arbeit wird mir auch künftig ein Anliegen sein”, sagt der Dechant, „das Projekt ist mein Kind. Ich habe all mein Herzblut in das Zentrum gesteckt. Es ist ein wichtiger Teil meiner Lebensgeschichte.”

Instabile Lage

Einer, den viele in Hagen nicht kennen. Sorgen macht dem 59-Jährigen die instabile Lage. „Von demokratischen Verhältnissen kann man nicht sprechen. Es herrscht eine Parteiendiktatur”, sagt Osthus. „Hinzu kommt, dass die Wirtschaftskrise die Menschen mit voller Härte trifft. Die Verelendung wird dadurch potenziert. Auch jungen Menschen, die unsere Schule verlassen, fehlt eine Perspektive.”

Am kommenden Sonntag feiert Dechant Osthus mit Bischof Bernhard Hombach aus Nicaragua eine Messe in der St.-Meinolf-Kirche. Weitere Infos unter http://www.fuente-de-vida.de/. Bei der Sparkasse Hagen ist ein Spendenkonto eingerichtet: Konot-Nr. 124.001.491 (St.-Meinolf-Kirchengemeinde), BLZ 450 500 01.

Jens Stubbe

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