Der Abrissbagger und die Altstadt

Breckerfeld..  Lichtet sich der historische Ortskern Breckerfeld? Zumindest drei Häuser, die seit über 100 Jahren an Ort und Stelle stehen und das Zentrum prägen, werden oder sind abgerissen oder ihnen droht dieses Schicksal. Und der Stadtverwaltung sind die Hände gebunden. Drei Häuser, drei Geschichten.

Das herrenlose Gebäude

Schmiedestraße 4 und 6 – das Grundstück gibt es, Häuser darauf seit etwas mehr als eineinhalb Jahren nicht mehr. Ende Mai 2013 rückten die Abrissbagger an und machten das Gebäude dem Erdboden gleich. Und zwar auf Veranlassung des Ennepe-Ruhr-Kreises.

Der Grund: „Nach dem Tod der letzten Eigentürmerin fand sich kein Erbe“, so Joachim Fliß, Leiter des Bauamtes. Also wurde das baufällige Gebäude herrenlos. Ein Statiker konnte die Standsicherheit nicht garantieren. Der Kreis zog die Konsequenzen und das bereits im Urkataster der Stadt im Jahr 1825 erwähnte Gebäude, das allerdings nicht in der Denkmalliste auftauchte, verschwand quasi über Nacht. Die Kosten trug seinerzeit der Kreis. Durch einen Verkauf des Grundstück will sich die EN-Verwaltung das Geld zurückholen. Interessenten gab es wohl. Allerdings machen die Lage und Größe des Areals Probleme. Denn die Bauvorschrift besagt, dass Räume, die überwiegend zu Wohnzwecken genutzt werden, von Tageslicht erhellt werden müssen. „Wenn man hier ein Mehrfamilienhaus mit mehreren Wohnungen verwirklichen will, ist das nicht so einfach zu erfüllen“, sagt Fliß.

Der alte Bauernhof

Neue Straße 11, der frühere Bauernhof von Willi Schnettler. Mittlerweile thront der Abrissbagger auf einem Schuttberg. Für Schlagzeilen hatte die Maßnahme noch Anfang dieser Woche gesorgt, als die Wand zum Nachbarhaus fiel und die Bewohner der Neue Straße 13 plötzlich aus ihrem Schlafzimmer heraus freie Sicht auf die Baustelle hatten. Bereits zuvor hatten Probleme mit Wasser, das in das Nachbargebäude gelaufen war, für einen nächtlichen Einsatz der Feuerwehr gesorgt.

Eine provisorische Wand schützt jetzt das Schlafzimmer des Hauses 13. Genutzt werden darf der Raum allerdings nicht. „Bei einem Ortstermin konnte nicht geklärt werden, ob die Standsicherheit für das Zimmer gewährleistet ist“, so Ingo Niemann, Sprecher des Ennepe-Ruhr-Kreises. Ein Gutachten wird jetzt in Auftrag gegeben. Bis die Expertise vorliegt, ist die Nutzung untersagt.

Der Hof wurde erst nach den beiden letzten Stadtbränden Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut. Bis in die 60er Jahre wurde er noch betrieben. Schnettler hört auf, als Teile seiner Ländereien für das Gewerbegebiet benötigt wurden. Sein Wagenschuppen wurde abgerissen, als das Einkaufszentrum Alter Ostring entstand. An Stelle des nicht denkmalgeschützten Bauernhofs soll ein Neubau mit barrierefreien, seniorengerechten Wohnungen entstehen. „Ein Bauantrag ist gestellt und auch genehmigt“, so Fliß.

Haus unter Denkmalschutz

Neue Straße 15. Ein maroder Bau, der zwar noch steht, gleichwohl für Aufsehen gesorgt hat, weil die letzte Bewohnerin, Ursula Glomke (80) partout nicht ausziehen will, obwohl der Ennepe-Ruhr-Kreis die Standsicherheit in Frage stellt. Dabei geht es nicht um das gesamte Gebäude, sondern vor allem um die Zwischendecken, die Frau Glomke nach Ansicht der Behörde auf den Kopf zu fallen drohen.

Zwar gibt es einen Besitzer, der das Haus geerbt hat, allerdings ist laut Aussage von Ursula Glomke seit mehr als 30 Jahren kein Cent in das Haus investiert worden. Immerhin: Zumindest der vordere Teil des verschieferten Gebäudes steht seit 1985 unter Denkmalschutz

Die Denkmalbehörde beim Landschaftsverband Westfalen Lippe hatte zwar grundsätzlich erklärt, dass der Besitzer die Pflicht habe, ein solches Baudenkmal zu erhalten. Kreis und Stadt wiederum müssten dafür sorgen, dass der Eigentümer dieser Pflicht auch nachkommt. Zwangsgelder sind eine mögliche Maßnahme.

Gleichwohl dürften die rechtlichen Rahmenbedingungen am Schicksal des Hauses wohl wenig ändern. Ein Abrissantrag ist gestellt. „Wie bei denkmalgeschützten Häusern vorgesehen hat die Stadt eine Stellungnahme abgegeben“, so Fliß. Abgerissen werden darf am Ende nur im Einvernehmen mit der Denkmalbehörde.

Der Ball liegt jetzt beim Landschaftsverband in Münster. Abgerissen werden darf ein geschütztes Gebäude nur, wenn ein Haus nicht sanierungsfähig ist oder eine Sanierung dem Eigentümer nicht zuzumuten ist.