Denkmalschutz für ein Denkmal

Das Kriegerdenkmal wurde 1926 errichtet.
Das Kriegerdenkmal wurde 1926 errichtet.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Das Vorhaller Kriegerdenkmal wird unter Denkmalschutz gestellt. Eigentlich müsste es grundlegend saniert werden, doch dafür fehlen die finanziellen Mittel.

Hagen-Vorhalle.. Nach dem Streit um die klapprige Turnhalle in der Nöhstraße, der im letzten Jahr die Gemüter in Vorhalle erhitzte, wird nun ein weiteres Bauwerk unter Denkmalschutz gestellt, dessen Zustand ebenfalls zu wünschen übrig lässt: das Kriegerdenkmal auf dem Europaplatz. Michael Erdtmann, CDU-Politiker in der Bezirksvertretung Nord und bestens bewandert in Vorhaller Befindlichkeiten, schüttelt den Kopf: „Das Ehrenmal sieht ja nicht mal originalgetreu aus. Wie kann es da ein Denkmal sein?“

Tatsächlich wird der Sims des Bauwerks, das 1926 zum Gedenken an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus Vorhalle errichtet wurde, seit einigen Monaten von zwei deutlich sichtbaren Stahlringen zusammengehalten. Denn der in die Jahre gekommene Tuffstein, der stetig Wind und Wetter ausgesetzt war, bröckelt ab und würde sich ohne die stählernen Klammern auflösen. Bis vor Kurzem war sogar die gesamte Anlage von einem Gerüst umgeben und durfte aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden. 3400 Euro kostete die Befestigung. „Die ist eine reine Sicherungsmaßnahme, der Metallkranz hält den Sims zusammen“, so Rita Rachor-Ebbinghaus, Sprecherin der Gebäudewirtschaft Hagen (GWH): „Optimal ist das sicherlich nicht.“ Für eine grundlegende Sanierung sei kein Geld vorhanden.

Mahnmal besitzt einen hohen Zeugniswert

Dass das Kriegerdenkmal nun in die Denkmalliste aufgenommen und damit für alle Zeiten erhalten bleiben soll, begründen Fachleute mit seiner Bedeutung für die Geschichte der Menschen. „Das Mahnmal besitzt einen hohen Zeugniswert, denn der Erste Weltkrieg hat ja nicht nur an der Front in Frankreich und Russland, sondern auch hier Verluste erzeugt“, so Ina Hanemann vom Denkmalamt: „Die gefallenen Soldaten galten seinerzeit als Helden. Das bezeugt dieses Denkmal.“

Auch das Amt für Denkmalpflege in Münster hat das Ehrenmal geprüft und kommt zu dem Schluss, dass die architektonische Überhöhung des Todes und die sprachliche Stilisierung der Gefallenen zu Helden Ausdruck der nationalen Gesinnung großer Teile der Bevölkerung während der Weimarer Republik gewesen sei. Die klassizistische Form der Vorhaller Anlage belege vorbildlich die Gestaltungsweise eines großen Teils der Kriegerdenkmäler. Nahezu baugleich entstanden in der Weimarer Republik ähnliche Ehrenmale in Eberswalde sowie im mecklenburgischen Friedland.

Ein zweischneidiges Schwer

Die Bezirksvertretung Nord musste dem Denkmalschutz für die Anlage zähneknirschend zustimmen, das Stadtteilparlament besitzt – wie beim Streit um die Turnhalle in der Nöhstraße deutlich geworden war – gar nicht die rechtliche Handhabe, das Votum der Fachbehörde zu überstimmen. „Für mich ist das ein zweischneidiges Schwert“, beurteilt Bezirksbürgermeister Heinz-Dieter Kohaupt die Gemengelage: „Einerseits soll das Denkmal ja symbolisieren, dass es nie wieder Krieg geben darf.“ Andererseits fehlten der Stadt die finanziellen Mittel, um das Bauwerk in einem würdigen Zustand zu konservieren.

Zumindest in den kommenden zehn Jahren dürften die hässlichen Eisenringe das Gestein zusammenhalten. Ansonsten sieht Denkmalschützerin Hanemann die Situation pragmatisch: „Das Ehrenmal ist fast 100 Jahre alt – und entsprechend alt darf es aussehen.“