Den Tierheimen fehlt das Geld - Beispiele aus Südwestfalen

Viele Tierheime - und damit auch die Tiere - blicken in eine ungewisse Zukunft.
Viele Tierheime - und damit auch die Tiere - blicken in eine ungewisse Zukunft.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der Deutsche Tierschutzbund schlägt Alarm: Tierheime können die Kosten kaum noch decken. Spenden und Mitgliedsbeiträge gehen zurück. Kommunen in der Pflicht.

Südwestfalen.. War die ganze Arbeit für die Katz? Viele Tierheime in der Republik, schlägt der Deutsche Tierschutzbund Alarm, gehen vor die Hunde. Jede zweite Einrichtung stecke in finanziellen Schwierigkeiten. Das Problem hat auch Südwestfalen erreicht.

Das Tierheim Brilon gehört eher zu den kleineren Unterbringungsmöglichkeiten für Vierbeiner, die kein Herrchen oder Frauchen haben. Das „Einzugsgebiet“ freilich ist riesig: sämtliche sechs Kommunen im Altkreis Brilon und die Gemeinde Willingen. „Wir haben derzeit neun Hunde, 40 Katzen und zwei Kaninchen“, sagt Heike Vieten vom Tierschutzverein Brilon. In der Stadt im Hochsauerland sehnt man sich nach einem Neubau. „Uns fehlt aber das Geld.“

Es ist ein Teufelskreis: Menschen, die gerne einen Hund oder eine Katze aus dem Tierheim haben wollen, suchen für ihr Vorhaben eher Einrichtungen aus, die eine gewisse Attraktivität ausstrahlen. „Wenn Tierheime aber durch Geldnot fast auseinanderfallen, geht da doch keiner hin“, so die Tierschützerin aus Brilon.

„Die Menschen müssen sparen“

Die laufenden Kosten sind kaum zu decken. Eine Beobachtung, die an vielen Ort gemacht wird. Die Gründe sind ähnlich: Das Spendenaufkommen ist merklich zurückgegangen, erzählt Heike Vieten. Und man habe viele Mitglieder verloren - und damit auch die Mitgliedsbeiträge. „Die Menschen müssen sparen. Das tun sie dann offenbar auch bei den Tieren.“

Geld sparen wollen künftige Hundebesitzer auch beim Kauf ihres neuen Lieblings. Daher haben Internet-Portale Hochkonjunktur, in denen „ohne Sinn und Verstand“ Tiere erworben werden, sagt Birgit Ganskow vom Tierschutzverein Hagen und Umgebung. Nicht selten stehen Betroffene wenige Tage nach dem Kauf am Tierheim-Tor und klagen, dass sie mit falschen Versprechungen gelockt wurden. „Im Internet wird ein schwunghafter Tierhandel betrieben, auch schwarze Schafe mischen dort mit.“ Die Folge der Aktivitäten bei ebay & Co.: weniger Interessenten für Tierheim-Tiere, längere Verweildauer von Hunden und Katzen in den Einrichtungen.

Beim Hagener Tierheim herrscht keine Finanznot. „Wir haben die günstige Konstellation, dass die Stadt Träger ist“, sagt Birgit Ganskow, die aber nach eigenem Bekunden viele Tierheime in anderen Orten kennt, die „am Ende sind“. Die trotz Förderprogrammen des Landes und von Tierschutzverbänden „nicht leben und nicht sterben können“.

Wer kann Abhilfe schaffen? Der Deutsche Tierschutzbund sieht die Kommunen in der Pflicht und ­fordert einheitliche Rahmenbe­dingungen. Bislang werden sehr unterschiedliche und meist sehr niedrige Pauschalbeträge bezahlt, die schon verbraucht sind, „wenn wir Fundtiere aufnehmen, sie zur tierärztlichen Untersuchung bringen und impfen lassen“, so Ros­witha Blum vom Tierschutzverein Olpe, der das örtliche Tierheim ­betreut. Es ist, wie in vielen anderen Einrichtungen dieser Art: „Man lebt von der Hand in den Mund.“

Es werden Prioritäten gesetzt

Seit der Wirtschaftskrise 2008 sind die Einnahmen durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und Sponsorengelder eingebrochen. „Die Leute setzen Prioritäten“, sagt Roswitha Blum, „und da gehen offenbar die Menschen vor.“ Zwar versuche der Verein zum Beispiel „im Rahmen unserer Möglichkeiten“ mit Hilfe von Futterspenden an Herrchen und Frauchen manchen Vierbeiner in seiner gewohnten Umgebung zu belassen, aber: „Immer mehr Halter können sich ihr Tier einfach nicht mehr leisten.“ Ein Problem, dass die Tierheime in Großstädten noch mehr beschäftige als auf dem Land.

„Tiere müssen vernünftig untergebracht sein“, appelliert Roswitha Blum insbesondere an die Herzen von Spendern. Ansonsten wäre in der Tat alles für die Katz.