Dem Pfarrer Schlüssel für Klinik geklaut

Hagen.. (sam) Fiese Masche: Während ein Hagener Pfarrer die Messe hielt, räumte ein Dieb das Pfarrbüro leer. Auch das St.-Johannes-Hospital und eine Schwerter Gemeinde suchte der 33-Jährige heim. Bei seinen Beutezügen schreckte der Wiederholungstäter noch nicht einmal vor der Kollekte zurück. Gestern stand er vor dem Amtsgericht.

Mit der rührseligen Geschichte von der verstorbenen Großmutter seiner offenbar gar nicht vorhandenen Freundin verwickelte der Angeklagte den Geistlichen im Pfarrbüro in der Hospitalstraße am 1. August in ein Gespräch. Vermutlich wollte er sich den Tatort schon einmal anschauen. Als der Pfarrer dann in der Kirche zu seiner Gemeinde sprach, nutzte der Dieb die Chance. Über ein geöffnetes Fenster gelangte er ins Pfarrbüro, stahl 150 Euro Bargeld, ein Notebook, eine Digitalkamera sowie den Generalschlüssel für das St.-Johannes -Hospital. Hier trieb er sich anschließend rum, konnte jedoch offenbar nichts Stehlenswertes finden.

Zwei Wochen zuvor schlug er in Schwerte zu – mit der gleichen Masche. Aus dem Pfarrhaus stahl er das Portemonnaie seines Pfarrers – inklusive Geld, Scheckkarten und Ausweispapieren. Mit einem gefundenen Schlüssel öffnete er den Tresor, stahl daraus unter anderem 1500 Euro aus dem Besitz des Pfarrers, 300 Euro Kollekte und Verrechnungsschecks.

Auf den ersten Blick wirkt der 33-Jährige wie der nette Typ von nebenan. Erst der zweite Blick offenbart, dass der junge Mann bereits exzessiv gelebt haben muss. Tatsächlich war er vor seiner Inhaftierung in anderer Sache zuletzt obdachlos. Er kämpft mit einem Drogenproblem. Ab 1995 stand er elf Mal vor Gericht. Diebstähle, Betrügereien und Drogenvergehen pflastern seinen Weg. Zuletzt kassierte er vor dem Dortmunder Amtsgericht zwei Jahre Haft wegen Diebstahls. Welch Überraschung: Es ging um Einbrüche in Pfarrhäuser.

Die Taten in Hagen und Schwerte räumt er ein. Das Gericht verurteilt ihn letztlich unter Einbeziehung der älteren Strafe zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft. Gleichzeitig wird ihm die Möglichkeit einer Drogentherapie eröffnet. Der 33-Jährige akzeptiert und lässt seinen Verteidiger Matthias Meier Rechtsmittelverzicht erklären. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.