Das Theater Hagen schafft es an die Spitze

Das Theater Hagen hat in der bundesweiten Kritikerumfrage einen Spitzenplatz errungen.
Das Theater Hagen hat in der bundesweiten Kritikerumfrage einen Spitzenplatz errungen.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
In der nationalen Kritikerumfrage des Theatermagazins „Die Deutsche Bühne“ liegt das Theater Hagen vorn. Viel Lob gibt es für die überzeugende Theaterarbeit abseits großer Zentren.

Hagen.. Das Theater Hagen liegt in der Spitzengruppe der bundesweiten Kritikerumfrage des Theatermagazins „Die Deutsche Bühne“. In der Kategorie „Ungewöhnlich überzeugende Theaterarbeit abseits großer Zentren“ belegt die Bühne mit dem kleinsten Etat und einer der besten Platzauslastungen in NRW den zweiten Rang nach dem Theater Freiburg.

Diese Wertung ist relativ überraschend, da die Strahlkraft der großen Häuser die nationalen Kritiker nicht zwangsläufig in die sogenannte Provinz führt. Dennoch zeigt dieser zweite Platz, den Hagen sich mit Konstanz teilt, dass die Vielfalt der deutschen Theaterlandschaft mit ihren städtischen Bühnen stärker als bisher in den Blickpunkt rückt.

Arbeit über Durchschnitt

Ursache dafür ist sicherlich die kommunale Haushaltskrise und die Existenzgefährdung vieler kleiner Bühnen als deren Folge. So begründet zum Beispiel die Münsteraner Autorin Isabell Steinböck ihre Wertung für das Theater Hagen, „weil es mit viel Engagement geschafft hat, sich erneut zu behaupten, und das in einer Stadt, die es Kulturschaffenden (finanzpolitisch/gesellschaftlich) nicht leicht macht.“

Kultur „Die Auszeichnung ist ein Beleg dafür, dass dieses Haus über Durchschnitt arbeitet“, freut sich der Hagener Intendant Norbert Hilchenbach. „Sie gibt uns die Bestätigung, dass wir mit dem manchmal ganz Außergewöhnlichen, was wir tun, richtig liegen, dass das, was wir machen, einen gewissen Bestand hat, dass wir für Hagen einen guten und angemessenen Weg gefunden haben, statt andere Häuser nachzuahmen.“

Analysiert man die Wertungen, stellt sich ohnehin heraus, dass sich der Theaterbegriff verändert. Nicht mehr einzelne große Namen stehen im Vordergrund, sondern das Gesamtprofil der Bühnen. „Zu einem Theater gehört ein öffentliches Profil. Es reicht nicht, ein Sammelsurium einzelner Produktionen herauszubringen, die man für sich genommen gut findet. Vielmehr muss man diese Vielfalt in einem kommunikativen Gesamtkonzept zusammenfassen. Man muss vieles bringen, und dabei doch genau wissen, warum man gerade dieses bringt“, beschreibt Detlef Brandenburg, Chefredakteur der Deutsch en Bühne, die Wandlungen.

Viel Zuspruch auf für Dortmund

Dass der Druck der unendlichen Spardiskussionen zum Katalysator dieses Prozesses werden kann, belegt auch das Nordharzer Städtebundtheater, das wie Hagen am Rande der finanziellen Existenzmöglichkeit agiert.

„Das Theater arbeitet massenkompatibel, schielt aber dennoch nicht ausschließlich nach der Quote, die von der lokalen Politik immer noch als allein selig machend betrachtet wird, sondern bietet maßvoll mutige Novitäten und Raritäten in Oper und Schauspiel“, heißt es.

Viel Zuspruch gibt es zudem für das Theater Dortmund: sowohl für das Schauspiel mit seinem Leiter Kay Voges wie auch für die Oper, die unter ihrem neuen Intendanten Jens -Daniel Herzog regelrecht aufblüht. Spitzenreiter der Kategorie „Überzeugende Gesamtleistung eines Hauses“ ist die Staatsoper Stuttgart, gefolgt von den Münchner Kammerspielen und dem Staatstheater Karlsruhe.

Dass der Blick auf die leidgeprüften Bühnen abseits der Zentren besonders wohlwollend ausfällt, darf als Ermutigung für deren enormen Einsatz gewertet werden - trotz der Belastungen durch die immer neuen Spar-Auflagen.

Denn zu den häufigsten Nennungen in der Kategorie „Enttäuschung“ gehört folgende Feststellung: „Dass das Theater bei vielen Kommunalpolitikern immer erstrangig eine Kostenfrage ist.“