Das Personalkarussell bei Nordwest Handel dreht sich wieder

Nordwest-Vorstände Annegret Franzen, Bernhard Dressler und Peter Jüngst (von links)
Nordwest-Vorstände Annegret Franzen, Bernhard Dressler und Peter Jüngst (von links)
Was wir bereits wissen
Bei der Hagener Nordwest Handel AG hat der Umzug der Verwaltung nach Dortmund einiges in Bewegung gesetzt. Positive Geschäftszahlen.

Dortmund/Hagen.. Es hätte eine ruhige, fast gemütliche Bilanzpressekonferenz werden können. Eine, in der der neue Vorstandsvorsitzende stolz die neuesten Zahlen präsentiert, einen Wachstumskurs konstatiert und sich ansonsten auf den anstehenden Umzug der Verwaltung konzentriert. Aber es kam dann doch anders. Wie es scheint, wird sich Nordwest-Vorstandschef Bernhard Dressler (50), diplomierter Maschinenbauingenieur und nach eigenen Worten „begeisterter Techniker“, am neuen Standort Dortmund erst einmal nach neuem Führungspersonal umschauen müssen. Und dabei auf externe Hilfe angewiesen sein. Denn es könnte schon bald an der Spitze recht einsam werden.

Personalkarussell

Nach Vertriebsvorstand Peter Jüngst (55), der das Unternehmen zum Jahresende verlässt, deutete gestern auch Finanzvorstand Annegret Franzen an, dass sie für die Zeit nach dem Umzug nicht mehr für ihr Amt zur Verfügung steht. Damit hat das Personalkarussell bei der Aktiengesellschaft erneut an Schwung gewonnen, nachdem zu Jahresbeginn der Handelsexperte Prof. Feuerstein als Aufsichtsratschef seinen Hut nahm und durch Martin Bertinchamp, langjähriger Chef des Ulmer Gartenspezialisten Gardena, abgelöst wurde. Wie es scheint, stimmt die Chemie zwischen Großaktionär Rothenberger Holding, die knapp 30 Prozent der Nordwest-Anteile hält, dem Aufsichtsrat und Teilen des Vorstandes schon lange nicht mehr. „Da ist Sand im Getriebe“, bestätigte Dressler. Stein des Anstoßes: Projektierung und Umsetzung des Verwaltungsneubaus in Dortmund, eine 20-Millionen-Euro-Investition auf dem Gelände Phoenix West, schon zu Zeiten des Dressler-Vorgängers Jürgen Eversberg angestoßen. Ein „Kompetenzzentrum für den Fachhandel“ und ein Politikum dazu.

In Hagen um Grundstück bemüht

Nordwest hatte sich auch in Hagen um ein passendes Grundstück bemüht. Das Unternehmen nimmt nach Dresslers Worten für die 18 000 Quadratmeter große Grundstücksfläche 15 Millionen Euro für 1,3 Prozent Zinsen bei zehnjähriger Laufzeit auf. Der Spatenstich sollte heute stattfinden, wurde aber auf Ende Juni verschoben, um auf dem Baugelände brütende Flussregenpfeiferpärchen zu schützen.

Doch das ist offenbar nicht die ganze Wahrheit. Aus Branchenkreisen verlautet, Nordwest-Großaktionär Rothenberger habe mit immer neuen Bauplänen eine Verzögerung des Objekts um sieben Monate verursacht - was dazu führte, dass die bereits an das benachbarte Logistikunternehmen Schenker verkaufte Hagener Verwaltung nach dem Jahresende für viel Geld zurückgemietet werden muss.

Wer dann außer Bernhard Dressler dem Vorstand angehört, steht in den Sternen. Auf jeden Fall sollen die Kopfzahlen von Vorstand und Aufsichtsrat seinen Worten zufolge deutlich kleiner werden: Der Aufsichtsrat soll von neun auf sechs Mitglieder schrumpfen (je zwei Verteter der Fachhandelspartner, der Aktionäre und der Arbeitnehmer) und dem Nordwest-Vorstand sollen nur noch zwei Personen angehören.

Annegret Franzen wird wohl nicht mehr dabei sein. Ihr Vertrag laufe noch bis Ende Juni 2016, ein Nachfolger werde gesucht, bestätigte sie, die das Unternehmen nach dem Abgang von Jürgen Eversberg zusammen mit Peter Jüngst in einer Doppelspitze geführt hatte. Grund: „Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Hauptaktionär, Aufsichtsrat und Teilen des Vorstandes ist nicht mehr gegeben.“

Zwei-Milliarden-Grenze

Ach ja, die Geschäftszahlen: Mit 2,03 Milliarden Euro überschritt der Umsatz die Zwei-Milliarden-Grenze, die Zahl der Fachhandelspartner erreichte 905 im ersten Quartal dieses Jahres. Der Überschuss betrug 4,2 Millionen Euro, 200 000 Euro mehr als 2013.