„Das macht der Helmut auch immer so“

Hagen.. Auf übelste Weise soll der Hagener Helmut K. (66) das Vertrauen von zwei kleinen Jungen missbraucht haben. In 143 Fällen, so der Vorwurf, verging er sich einem von ihnen, in einem Fall an dem anderen. Seit gestern steht K. vor Gericht.

Er wirkt wie der nette Opa aus der Nachbarschaft. Silbergraue Haare, ein gleichfarbiger Schnäuzer und die Brille vermitteln den Anschein purer Harmlosigkeit. Zeigen will er sich gestern Morgen, als sein Prozess vor dem Landgericht beginnt, allerdings nicht. Demonstrativ wendet er sich ab, damit ihn Fotografen und Fernsehkameras nicht allzu erkennbar ins Bild setzen können.

Mit gutem Grund: Zwischen August 2009 und März diesen Jahres, so die Anklage, berührte der Hagener einen kleinen Jungen in seiner Wohnung in der Boeler Straße immer wieder im Genitalbereich, nahm sexuelle Handlungen an ihm vor. Auch legte er vor dem Kind an sich selbst Hand an. Der Junge, zu Beginn der mutmaßlichen Übergriffe neun Jahre alt, wehrte sich und bat ihn, aufzuhören.

Helmut K. interessierte das Flehen seines Opfers offenbar nicht im Geringsten. Ähnliches soll einem anderen, gleichaltrigen Kind mit dem 66-Jährigen in einem Fall widerfahren sein. Die fragwürdige „Entlohnung“ beider Jungen: ein paar Euros, Eis oder eine Fahrradreparatur. Auch ist von einem dritten Opfer die Rede. Allerdings sind diese möglichen Übergriffe auf einen weiteren Elfjährigen kein Bestandteil der Anklage.

Die mutmaßlichen Taten des Hageners kamen über einen TV-Spot ans Licht. Als das Hauptopfer dabei zwei Tiere sah, die sich miteinander beschäftigten, erklärte er seiner Mutter: „Das macht der Helmut auch immer so.“ Die aufgebrachte Mutter reagierte sofort, der Stein kam ins Rollen. Seit Mai sitzt der 66-Jährige in Untersuchungshaft.

Vor Gericht ist er gestern zwar bereit sich zu äußern – jedoch nicht vor Publikum. Sein Verteidiger beantragt den Ausschluss der Öffentlichkeit, da ansonsten Details über den sexuellen Umgang und die Orientierung des Mandanten publik würden. Die Kammer folgt dem Antrag. Hinter verschlossener Tür legt K. ein vollumfängliches Geständnis ab. Das Gericht hat ihm dafür eine Strafe zwischen fünf und sechs Jahren in Aussicht gestellt. Und, seinen Opfern bleibt wenigstens die Aussage erspart.