Das Leben hält Einzug im Hotel

Breckerfeld..  Die Natur kann ja manchmal grausam sein. Die gewöhnliche Töpfergrabwespe zum Beispiel ist ein echter Halunke. Kommt dahergeflogen, legt ihre Eier neben denen der Mauerbiene ab, und dann nimmt das Schicksal seinen Lauf. Da verspeisen die Wespen-Larven dann die der Biene und entwickeln sich – kein Wunder – geradezu prächtig.

Seit Herbst steht die Nisthilfe für Insekten am Fußweg zwischen Siedlung Westerfeld und der Sportanlage. Jetzt hält das Leben Einzug. Das Leben – und damit auch der Tod. Zum Beispiel der von ein paar Fliegen, die die Zebra-Springspinne so gerne verspeist. „Fressen und gefressen werden – hier funktioniert’s“, sagt der Diplom-Biologe Axel Steiner und lächelt. „Insekten können grausam sein.“

Biologe bewahrt vor Fehlern

Die Breckerfelder Grünen hatten die Idee zu dem Bau, in dem sich das Insektenleben ballt. „Unser ursprünglicher Gedanke war es, gefährdeten Wildbienen ein Zuhause zu geben“, sagt Uwe Brüggemann von den Grünen. Axel Steiner, der für seine Homepage www.natur-in-nrw.de mit dem Naturschutzpreis der Bezirkregierung Arnsberg ausgezeichnet worden ist, hat die Politiker beraten. „Es gibt Fehler, die im Zusammenhang mit Insektenhotels immer wieder gemacht werden“, so Steiner. Wichtig sei es beispielsweise, die Nisthilfe gen Süden auszurichten. Löcher im Holz sollten nicht in die Schnittfläche gebohrt werden.

Junge Menschen unter 25 Jahren, die in Lüdenscheid am Eingliederungsprojekt Kickstart teilgenommen haben, haben neben zahlreichen Breckerfelder Betrieben das Projekt unterstützt.

„Wir wollen die Menschen für das Kleine interessieren“, sagt Ratsfrau Ines Reiling, „das verhindert, dass der ein oder andere Insekten einfach achtlos platthaut. Dieser Weg wird häufig genutzt.“

Bienen und Wespen nicht aggressiv

Und soll das Projekt auch dazu dienen, Vorurteile abzubauen. Auf Informationstafeln werden die Arten und das Leben der Insekten erklärt. Direkt daneben kann man beobachten, wer da so kreucht und fleucht. „Die Bienen und Wespen, die hier ein Zuhause finden, haben nichts mit denen zu tun, die uns im Sommer an der Kaffeetafel ärgern“, sagt Axel Steiner, „sie sind nicht aggressiv, sie stechen nicht. Es sind Solitärbienen, die nicht mit anderen in einem Stock zusammenleben und glauben, diesen verteidigen zu müssen.“

Das Leben hält Einzug. Und es nimmt immer weiter zu. „Die Insekten, die hier schlüpfen, werden hier ihre eigenen Eier ablegen“, sagt Axel Steiner.

Und daran wird sie auch die Töpfergrabwespe, dieser Halunke, nicht hindern.