Das große Glück bringt Riesen-Ärger
15.03.2009 | 14:34 Uhr 2009-03-15T14:34:00+0100
Die Tage, an denen Willi Felsch noch auf das große Glück gehofft hat, sind längst vorbei. Denn seit einiger Zeit bleibt statt reichen Geldsegens nur noch riesiger Ärger.
Vier Lotto-Gesellschaften plündern mit schöner Regelmäßigkeit das Konto des 81-Jährigen. Obwohl er mit ihnen nie einen Vertrag abgeschlossen hat.
Tipp-Maxx, G-Winner 24, Mediastar und Lotto-Maxx heißen die dubiosen Unternehmen, die ihren Sitz zum Teil im Ausland haben und den Rentner, der lange Jahre die Esso-Tankstelle an der Berliner Straße betrieb, mit Schreiben überhäufen, deren ganze Hinterhältigkeit sich erst im Kleinstgedruckten erschließt. „Geantwortet habe ich nie”, sagt Willi Felsch, dessen Schwiegersohn Hartmut Riemer ihn in seinem Kampf gegen die Lottogesellschaften unterstützt, „und schon gar nichts unterschrieben.”
Wie die Gesellschaften an die Kontodaten kommen, ist Willi Felsch schleierhaft. Lotto hat er lange Jahre gespielt. Bei Unternehmen wie der Süddeutschen Klassenlotterie, der Gewin GmbH, bei Glöckle und bei der Firma Günther. „Sie alle hatten eine Einzugsermächtigung”, erklärt Hartmut Riemer, „aber nur bis Mitte letzten Jahres. Denn zwischen April und Juni habe ich alle Verträge gekündigt.” Seit Anfang 2009 aber erfolgen Abbuchungen ohne Zugriffsberechtigung. „Rund 200 Euro haben wir schon zurückbuchen lassen.”
Dabei ist zumindest Lotto-Maxx (die anderen haben zum Teil Adressen im Ausland) postalisch zu erreichen. Am 23. Februar schreibt die Firma, dass sie Willi Felschs Kündigung akzeptiert habe (für einen Vertrag, den er nie abgeschlossen hat). Aber am 4. und am 5. März werden jeweils 49,90 Euro abgebucht.
Während sich die Internetseite des Unternehmens nicht mehr aufrufen lässt, häufen sich in Foren die Beschwerden. Hartmut Riemer hat die Verbraucherzentrale eingeschaltet. „Das Phänomen ist nicht neu”, sagt Leiterin Helga Schuppert, „die Fälle, die uns vorgelegt werden, werden immer haarsträubender.” Dabei weiß die Verbraucherschützerin von einem Fall, in dem 24 Abbuchungen innerhalb eines Monats vorgenommen wurden. „Der Schaden ging bis in den vierstelligen Bereich.” Geschröpft würden vor allem ältere Menschen. Häufig würden auch Verträge am Telefon abgeschlossen, ohne dass dies dem Gesprächspartner überhaupt bewusst sei.
„Dass Problem ist, dass sich ältere Menschen häufig dafür schämen, dass ihnen derartiges widerfährt”, sagt Helga Schuppert, „sie sagen niemandem etwas und trauen sich nicht, sich zu wehren. Dabei ist gerade das wichtig.” Hartmut Riemer hat mittlerweile bei der Polizei Anzeige erstattet.
15:34
Das kenne ich auch, wir erhalten pro Tag zwischen 5 und 20 Telefonanrufe von Firmen mit denen meine Mutter oder ich angebliche Verträge haben. Vor ca. einem Jahr ist mir das alles aufgefallen da summierten sich die angeblichen Rechnungen auf ca. 10.000 € p.a.! Bisher habe ich alles was möglich war zurückbuchen lassen, einige geben aber nicht auf und schalten Inkasso Firmen ein. Diese drohen dann mit einem Mahnverfahren, erst gestern hatte ich wieder ein ganz hartnäckiges am Telefon, die wollen nun vor Gericht ziehen. Sicher glaube ich, dass ich im Recht bin bzw. Recht bekomme, aber es ist trotzdem ein ungutes Gefühl und wie sehr so etwas stresst kann man nicht nachvollziehen wenn man es nicht selber erlebt hat. Und auch ich würde da unseren Politikern eine gewisse Schuld geben, sie lassen es zu, dass diese UNternehmen so handeln können. Auch die Verschärfung in Bezug auf das Telefon-Absatz-Gesetz ist denen doch egal. Die übermitteln dann halt fiktive Rufnummern und nennen falsche Namen, ein Unternehmen stellte sich z.B. als eine bekannte Krankenkasse vor.
Und wenn sich Personen dann nicht trauen und diesen Idioten das Geld bezahlen und dadurch immer ärmer werden, wer kümmert sich um die? Sicherlich lassen sich viele von diesen Unternehmen reinlegen und noch mehr knicken ein, wenn Briefe von deren Anwälten und Inkasso-Firmen kommen. Dann steht man da und weiß nicht mehr weiter...
Ich könnte 100 Beispiele bringen wie sie bei uns vorgegangen sind, da muss wirklich mal ein Politiker aktiv werden und endlich einmal etwas unternehmen!
17:44
Das ganze Problem kenn ich auch. Meine Großmutter hat mit ca. 28 solcher Unternehmen einen Vertrag und nun Kämpf ich um jede Adresse und Kündigung!!!
Die Firmen buchen monatlich über 1000 Euro ab und wenn man es rückbuchen lässst dann wird es mit neuem namen erneut versucht!!!!!!!!!!!
17:09
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10:17
Beileid an den/die Betroffenen und durchhaltevermögen, um den dubiosen Lotto-Gesellschaften die Zähne zu zeigen. Durchhalten, Kopf hoch!
17:11
Ich Kommentiere die letzte Bemerkung:
Hier ist nichts blabla oder gähn.
Man sollte Senioren vor Machenschaften und Abzocke schützen! Ältere Herrschaften, die das Haus nicht mehr verlassen können, die ihre Kontobewegungen nicht mehr kontrollieren oder sich schämen auf derartige Firmen hereingefallen zu sein. Wenn ich nur einen solchen Senior/in erreicht habe, bin ich zufrieden. Die Politik kann ich nicht ändern, helfen im Einzelfall vielleicht!
15:47
@beatbrain und van helsing:
Na klar! Irgendwem auf der Welt passiert irgendwas Schlimmes. Wer ist schuld? Die bösen Politiker! Wie immer. Die füllen sich ja nur die Taschen und unsereins... blablabla.
*gähn*
15:16
Selbstverständlich habe ich alle Abbuchungen rechtzeitig dank der guten Beratung und Unterstützung der Sparkasse Hagen vom Konto meines alten Herrn zurückbuchen lassen. Ausserdem haben wir Strafanzeige erstattet. Empfehle, unter dem Stichwort CS Call und Service Center deren Praktiken einmal im Internet nachzulesen. Dank für Kommentare und Hinweise zuletzt von der Bankerin.
11:05
Als Bankerin möchte ich hier mal zwei Hinweise geben:
1. Jede Abbuchung kann innerhalb von 6 Wochen nach RECHNUNGSABSCHLUSS widerrufen werden.. dieser erfolgt in der Regel alle 3 Monate. Auf der definitiv sicheren Seite ist man auf jeden Fall, wenn man sofort nach Belastung widerruft. Die Kosten für diese Belastung werden dem belastenden Unternehmen in Rechnung gestellt. Aus Erfahrung weiß ich, dass diese es in der Regel maximal 2 bis 3 Mal nochmals versuchen, denn die Kosten die den Unternehmen dadurch entstehen, sind in der Summe schon enorm. Allerdings ist in diesem Fall der Kontoinhaber in der Pflicht, regelmäßig die Abbuchungen mittel Kontoauszügen zu kontroliieren. Aber das sollte man sowieso tun, oder?
2. Es ist in der Praxis nicht möglich auf jedem Kundenkonto arbeitstäglich alle Abbuchungen zu kontrollieren und am Besten noch jede Abbuchung vom Kunden auf ihre Richtigkeit bestätigen zu lassen... denken sie nur an all die legitimen Abbuchungen wie MarkE, Telekom etc....
Natürlich gibt es ein Verfahren, bei dem das Einverständiniss schriftlich bei der Bank vorliegen muß. Das sog. ABBUCHUNGSVERFAHREN... also keine Einzugsermächtigung. Das Problem hierbei ist, dass diese Belsatungen nicht widerrufen werden können. Daher ist es eigentlich nur bei Geschäftskunden gebräuchlich.
08:45
Die Banken solten nur noch schriftliche -also mit Unterschrift bestätigte- Abbuchungsgenehmigungen anerkennen. Alles Andere ist offen für Betrug und Abzocke.
19:29
Nach meiner Information, u. a. auch von ehem. Bänkern, ist die Sechs-Wochen-Frist eine allgemein übliche Regelung der Banken aber keine gesetzliche Vorgabe. Der Belastung des Kontos könnte demnach auch Ablauf der Frist widersprochen werden.