Das Breitband-Niemandsland

Breckerfeld..  Im Internet gibt es einen Atlas. Einen Breitbandatlas. Und wer den von seinem Breckerfelder Netzanschluss aus aufruft und die Postleitzahl 58339 in einen Suchschlitz eingibt, der muss Geduld aufbringen, bis sich die Karte aufgebaut hat.

Was der gemeine Nutzer dann zu sehen bekommt, bestätigt die Erfahrung, die er Sekunden zuvor vor an seinem Rechner machen durfte. Was schnelles Internet angeht, scheint die Hansestadt aus dieser Perspektive ein Niemandsland zu sein. Die Anzahl der Haushalte, in denen schnelles Internet mit einer Übertragungsrate von 50 Mbit pro Sekunde und mehr verfügbar ist, liegt laut der Online-Auskunft des Bundesministeriums für Infrastruktur zwischen null und zehn Prozent.

Im Ortszentrum 16 Mbit möglich

Ein Eindruck, den Ulrich Schilling ein wenig relativiert. „Unseren Erkenntnissen nach sind im Zentrum des Orts bis zu 16 Mbit pro Sekunde möglich“, sagt der Mann, der seit einer Woche Breitbandbeauftragter des Ennepe-Ruhr-Kreises ist und für die EN-Agentur arbeitet. „Wenn man dann aber in die Bereiche etwas außerhalb kommt, sind es schnell auch nur noch 2 Mbit.“

Grundsätzlich beurteilt der Experte, der maßgeblich daran beteiligt war, dass Ennepetal zur Breitband-Modellkommune der Telekom geworden ist, die Versorgung in vielen Bereichen Breckerfelds als gut. Allerdings, so schränkt er ein, gelte das für „normale“ Nutzer. Wer beispielsweise als Privatperson TV-Angebote via Internet nutzen wolle, gelange schnell an Grenzen. Auch im Bereich des Gewerbegebietes, wo Firmen künftig immer häufiger darauf angewiesen seien, größere Datenmengen schnell zu verschicken, gebe es Handlungsbedarf.

Das Problem: Die Anbieter wollen auch mit schnellem Internet Geld verdienen. „Sind die Investitionskosten zu hoch, ergeben sich für die Provider Wirtschaftlichkeitslücken“, sagt Ulrich Schilling.

Neue Förderungsperspektive

Hilfe stellt in solchen Fällen eine ganz neue Förderung des Wirtschaftsministeriums in Aussicht. „Allerdings bleibt für die Kommunen immer noch ein Eigenanteil in Höhe von 25 Prozent.“ Im Falle von Oberbauer beispielsweise lag die Lücke bei rund 200 000 Euro.

Das Internetproblem beschäftigt auch die Stadtverwaltung. „Die Breitbandversorgung“, sagt Kämmerer André Dahlhaus, „ist ein wichtiges Thema. Wir arbeiten sehr intensiv daran.“ Im nächsten Haupt- und Finanzausschuss werden Experten der EN-Agentur über den Stand der Dinge berichten.