Charmante Schwächen

Niemand ist perfekt – weder im Job noch privat. Kleine Schwächen machen den Menschen erst groß, zumindest in Kombination mit der Fähigkeit zur Selbsterkenntnis. Daher sollte man über Mankos mit augenzwinkernder Lässigkeit hinwegsehen können. Blöd wird’s nur, wenn Verfehlungen ausgerechnet jenen Leuten unterlaufen, die als Ordnungshüter in der Stadt dienstlich unterwegs sind und bei Zuwiderhandlungen den Bürger kompromisslos zur Kasse bitten.


Damit sind nicht bloß jene Uniformierten gemeint, die sich mit ihrem Blaulicht-Passat Platz auf dem überfüllten Innenstadtring verschaffen, um sich nach der nächsten Ecke beim Döner-Mann zu stärken. Auch die städtischen Sicherheits- und Sauberkeitswächter werden mit Argwohn beäugt, wenn sie mit ihrem mit Ordnungsamt-Schriftzug beklebten Dienstfahrzeug fett im Halteverbot parken, oder in Uniformjacke auf dem Wochenmarkt lässig ihre Einkäufe erledigen.


Etwas gewöhnungsbedürftig bewegte sich dieser Tage auch der Fahrer des dunkelblauen, ordnungsbehördlichen Kastenwagens mit der stadtbekannten Blitzkiste im Heck durch den Straßenverkehr. Gerne lauert der Amtmann in Wehringhausen an der Minervastraße potenziellen Tempo-30-Sündern auf. Dabei wechselt der clevere Bußgeld-Jäger gerne auch mal den Standort. Dass man beim Losfahren und wieder Einparken durchaus den Blinker betätigen könnte, wird in den Augen des pfiffigen Raser-Kontrolleurs offenkundig als Ausdruck übertriebenen Spießertums betrachtet und daher geflissentlich ignoriert. Selbstverständlich unter Kopfschütteln des gemeinen Bürgers.


Aber hat die Polizei nicht genau diese Verfehlung bei der Vorlage der jüngsten Unfallstatistik als eines der größten Übel im Straßenverkehr gebrandmarkt? Es wird Zeit, dass Ordnungsamt und Polizei mal klären, ob sie im Falle eigener Schwächen es auch bei den Bürgern bei charmanten Ermahnungen belassen . . .