Caritas schließt Warteliste für Warenkorb

Der Warenkorb kann der steigenden Nachfrage nach Brot und anderen Lebensmitteln kaum gerecht werden.
Der Warenkorb kann der steigenden Nachfrage nach Brot und anderen Lebensmitteln kaum gerecht werden.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Die Caritas hat die Warteliste für Hilfsbedürftige, die einen Berechtigungsschein für den Warenkorb beantragen, geschlossen.

Hagen.. Die Caritas hat die Warteliste für Hilfsbedürftige, die einen Berechtigungsschein für den Warenkorb beantragen, geschlossen. Grund: Die Hilfsorganisation kann der steigenden Nachfrage nach billigen Lebensmitteln nicht mehr gerecht werden. „Ein Platz auf der Warteliste würde Hoffnungen wecken, die wir nicht erfüllen können“, begründet Fachbereichsleiterin Tatjana Flatt die außergewöhnliche Entscheidung.

Als Konsequenz müssen nun arme Menschen, die eigentlich berechtigt wären, sich in einem der beiden Warenkörbe in Wehringhausen (Lange Straße 70a) oder Boele (Boeler Kirchplatz 15) mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln einzudecken, außen vor bleiben. Sie bekommen von der Caritas keinen Berechtigungsschein mehr.

Bedürftigkeit ist nachzuweisen

Dieser Ausweis, den wiederum nur erhält, wer nach Vorlage eines Sozialhilfebescheides oder eines anderen staatlichen Papiers seine Bedürftigkeit nachgewiesen hat, ist zwingende Voraussetzung für einen Einkauf beim Warenkorb. „Wir versorgen inzwischen 6800 Menschen in Hagen, 40 Prozent davon sind Kinder“, berichtet Frau Flatt. „Um noch mehr Bedürftige können wir uns einfach nicht kümmern.“

Außerdem stehen bereits 200 Familien auf der Warteliste. Sie müssen sich derzeit ein Jahr in Geduld üben, um an den begehrten Berechtigungsschein zu gelangen, den sie nur bekommen, wenn ein anderer Lebensmittel-Empfänger sein Papier zurückgibt. Angesichts dieser Wartezeit hat die Caritas die Liste nun ganz geschlossen. „Die Zahl der Spenden, die wir erhalten, steigt natürlich nicht in gleichem Maße wie die Zahl der Bedürftigen“, so Frau Flatt.

Rund 70 ehrenamtliche Helfer

Denn längst bekommt man beim Warenkorb die Auswirkungen der nach Hagen rollenden Flüchtlingswellen zu spüren. Unter den Menschen, die um Lebensmittel anstehen, werden die klassischen Hartz-IV-Empfänger und armen Rentner immer stärker von Ausländern verdrängt. Während Asylbewerber wenigsten noch geringe staatliche Leistungen erhielten, bekämen Zuwanderer aus anderen EU-Ländern oftmals nicht einen Cent, so Frau Flatt: „Es sei denn, sie haben einen Minijob.“

Aber selbst dann blieben sie auf Unterstützung angewiesen.

Das Bestehen des Warenkorbs und die Versorgung armer Menschen sind eng mit dem ehrenamtlichen Engagement der rund 70 Helfer verbunden, die ihre Freizeit opfern, um die qualitativ einwandfreien Lebensmittel in Geschäften abzuholen und in den Sammelstellen zu sortieren. Auch die Vorhaller Palette, die ebenfalls Lebensmittel ausgibt, ist mit ihren 40 Helfern an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. „Wir können den Andrang kaum noch bewältigen“, so Vorsitzende Marianne Kerpal.

Paradoxe Situation

Immerhin werden die Tafeln seit 2014 auch von den 17 Aldi-Märkten in Hagen, die bis dahin nicht kooperiert hatten, mit Lebensmitteln versorgt. Andererseits haben die meisten Geschäfte und Supermärkte immer weniger Waren übrig, da sie mittlerweile viele Waren, die kurz vor dem Verfallsdatum stehen, zu reduzierten Preisen selbst verkaufen.

Auch die Stadtverwaltung steht dem Problem hilflos gegenüber. „Kurzfristige Änderungsmöglichkeiten werden nicht gesehen“, heißt es in einer Antwort auf eine Anfrage der Ratsmitglieder Frank Schmidt (Bürger für Hohenlimburg) und Thorsten Kiszkenow (Piraten).

Es ist schon paradox, dass Warenkorb und Vorhaller Palette ihre Tätigkeit einschränken müssen. Nicht, weil keine Armut mehr existiert, sondern weil es immer mehr Arme gibt.