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Stadtentwicklung

Cargobeamer sucht den Schulterschluss mit der Stadt Hagen und den Bürgern

11.11.2012 | 21:00 Uhr
Cargobeamer sucht den Schulterschluss mit der Stadt Hagen und den Bürgern
Die Cargobeamer AG setzt weiterhin auf den Standort Hengsteysee und sucht jetzt auch den Konsens mit der Stadt.Foto: Baier

Hengstey. Die Cargobeamer AG hält an ihrem Plan fest, bereits 2014 einen Verladebahnhof als Drehscheibe für den internationalen Güterverkehr am Hengsteysee in Betrieb zu nehmen. Allerdings sucht das Leipziger Unternehmen den Schulterschluss mit der Stadt Hagen und lässt das bei der Bezirksregierung beantragte Planfeststellungsverfahren, das der Stadt nahezu jede Einflussmöglichkeit auf den Gang der Dinge genommen hätte, vorerst ruhen. „Wir wollen nichts übers Knie brechen“, so Imad Jenayeh (43), Geschäftsführer von Cargobeamer Terminals, der eine ausführliche Informationsveranstaltung für alle Bürger im nächsten Jahr in Aussicht stellte.

Standort Hengstey ohne Alternative

Der Manager will vor allem die Sorgen der Anwohner, die eine Explosion des Lkw-Verkehrs und eine Beeinträchtigung des Erholungsgebietes am Hengsteysee befürchten, zerstreuen. Zwar könnten täglich bis zu 750 Laster in Hagen abgefertigt werden, so Jenayeh: „Die meisten Auflieger werden aber von einem Zug auf den anderen umgeladen und fahren gar nicht über die Straße.“ Als zentrale Verbindung von Ost-West- und Nord-Süd-Achse gebe es zum Standort am Hengsteysee keine Alternative, auch der Güterbahnhof in Vorhalle eigne sich nicht für ein solches Terminal, meint die Cargobeamer AG.

Viele Menschen in Bathey, Hengstey und Boele bleiben dennoch skeptisch. Die Konzeption der Cargobeamer AG sei nicht durchdacht, kritisiert Anwohnerin Viola Müller das Projekt: „Für ein deutschland- oder gar europaweites Netz von Verladebahnhöfen ist das Schienennetz doch gar nicht ausgebaut.“ Und was geschehe, wenn das Unternehmen keine Gewinne einfahre und den Bahnhof wieder still lege: „Dann bleibt am Hengsteysee eine Industrieruine zurück.“

Die Wählergemeinschaft Hagen Aktiv hat sich die Bedenken der Anlieger zueigen gemacht und sich bereits deutlich gegen den Bau des Verladebahnhofs positioniert. Den Bau eines Kreisverkehrs auf dem heutigen Motorradparkplatz und damit die Einschränkung der Erholungsmöglichkeiten am Hengsteysee könne er nicht verantworten, so Jochen Löher, Mitglied der Bezirksvertretung Nord: „Da mag das Verladesystem noch so ausgeklügelt und umweltfreundlich sein.“

Freizeitraum Hengstey geht vor

Auch für Bezirksbürgermeister Heinz-Dieter Kohaupt (CDU) und mit ihm die Ortsunion Boele steht außer Frage, dass der Hengsteysee seine Funktion als Freizeitraum für die Menschen behalten muss. Andererseits sei die Stadt Hagen für ihre wirtschaftliche Entwicklung auf Investoren angewiesen. Natürlich gebe es noch ungelöste Fragen: „Derzeit ist totale Ablehnung ebenso unangebracht wie uneingeschränkte Zustimmung.“ Wesentlich seien die Verkehrsanbindung des Areals und die Verkehrsbelastung für die Straßen des Hagener Nordens: „Wenn wir dafür keine geeigneten Lösungen finden, wird es tatsächlich schwer.“

Angesichts des ruhenden Planfeststellungsverfahren ist nun die Stadt Hagen am Zug. Im Baudezernat, in dem man das Gelände am Hengsteysee über einen Bebauungsplan erschließen möchte, wird derzeit an einem Beschlussvorschlag für den Stadtrat gearbeitet. Darin geht es um eine Änderung des Regionalplanes, der das Areal als Erholungsgebiet ausweist, was dem Bau einer Industrieanlage selbstredend widerspricht. Sollte der Stadtrat zustimmen, müssen im Verlauf des Verfahrens auch die Bürger gehört werden.

Von Hubertus Heuel

Kommentare
13.11.2012
15:06
Cargobeamer sucht den Schulterschluss mit der Stadt Hagen und den Bürgern
von Herby52 | #5

Schon heute ist der Bereich Dortmunder Str , Abfahrt A1 überlastet.

13.11.2012
11:00
Cargobeamer sucht den Schulterschluss mit der Stadt Hagen und den Bürgern
von Plem | #4

Es gibt ja immer wieder Verständnisschwierigkeiten, deswegen versuche ich es mal so:

Vor langer Zeit gab es am Hengsteysee einen Verschiebebahnhof. Dort wurden Güterwaggons zu Zügen zusammengestellt. Und da die Waggons dort nur verschoben wurden, konnte man sich ein Empfangsgebäude und eine Zufahrtsstraße sparen. Dann brauchte man den Bahnhof nicht mehr, und lange Zeit lag das Gelände einsam und verlassen da.

Heute will ein internationales und global operierendes Unternehmen den Bahnhof wiederbeleben; es will dort Lastwagen auf Eisenbahnwaggons laden, damit sie nicht mehr auf der Straße fahren müssen. Dazu muß die Stadt einen ganz langen Zufahrtsweg bauen, der genügend stark befestigt ist, daß schwere Lastwagen auf ihm fahren können. Und dann muß die Stadt noch Leitungen für Wasser, Strom und Telefon legen. Das kostet ganz viel Geld, soviel Geld, daß die Kitas und Grundschulen nicht mehr geheizt werden können. Da müßt ihr euch aber gaaanz warm anziehen...

12.11.2012
19:39
Cargobeamer sucht den Schulterschluss mit der Stadt Hagen und den Bürgern
von ffolkes | #3

Von vermehrtem LKw dürfte wohl nur die Dortmunder Str. zwischen der A 1, AS HA-Nord, und dem Hengsteysee betroffen sein. Und was befindet sich dort beiderseits der Dortmunder Str.? Industriegebäude und landwirtschaftliche Flächen! Die Wohngebiete befinden sich dort relativ weit abseits der Dortmunder Str. Die Bewohner Batheys dürfen somit kaum unter Lärmbelästigung durch vermehrten LKw-Verkehr leiden. Und auch die Feinstaubbelästigung dürfet dort relativ gering sein.
Und Erholungsgebiet...... - die in Rede stehende Örtlichkeit ist ja nun mal nicht das einzige Erholungsgebiet in und um Hagen! Hier werden Argumente gegen den Cargobeamer-Standort angeführt......... klar, woanders immer, aber nicht gerade hier oder dort! Ja, wo denn nun? Am besten nirgendwo.......!

12.11.2012
08:14
Gute Ergänzung zum Logistikstandort
von Volmekanaligator | #2

Der CargoBeamer ist eine gute Ergänzung zum Logistikstandort Hagen und wird dort auch nicht mehr stören als die vorbei rauschenden Züge.

Es wird aber immer eine radikale Minderheit von Menschen geben, die sich lautstark bei ihren Bezirkspolitikern darüber beschweren und mit Nichtwahl drohen werden. Vielleicht findet ja jemand frische Fußspuren des vor 2.621 Jahren ausgestorbenen geglaubten Hengstey-Seehamsters ...

Güter auf die Bahn? Gute Idee, aber bitte woanders. Energiewende - aber nicht mit Masten vor meiner Haustür. Ich bin gespannt auf die Diskussion, die hier wieder entbrennen wird.

Aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass am Ende der Verstand siegt und nicht der billige Populismus.

11.11.2012
23:51
Heiliger St Florian
von RainerN | #1

Welchen Erholungswert hat eine Birkenbewachsenen wegelose Schotterfläche, wie das Gelände am Hengsteysee, welches strenggenommen eine Industriebrache ist, befand sich dort bis vor ca. 35 Jahren ein Rangierbahnhof. Die Gleisanlagen wurden später zurückgebaut, aber der Boden dürfte an vielen Stellen kontaminiert sein durch Dieselkraftstoffe, Schmieröle und Fette. Stichwort, Dampf- und Dieselloks sowie Weichen und andere technische Einrichtungen.
Auch verstehe ich die Aussage nicht , dass das eventuelle zukünftige Fehlen eines Motorradparkplatzes den Erholungswert des Hengsteysees schmälern soll.
Übrigens, von wievielen Anwohnern sprechen wir überhaupt, die vom Cargobeamer unmittelbar betroffen wären? Einerseits heißt es Güter gehören auf die Schiene. Diese Aufgabe erfüllt z.B. eine Anlage wie der Cargobeamer.
Aber den möge man dann am besten, entsprechend dem St. Floriansprinzip, doch bitteschön woanders bauen.

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