Bußgeld für Eltern, wenn Kinder in der Schule fehlen

Statistisch gesehen fehlen am letzten Tag vor den Ferien zwölf Kinder mehr an Hagener Schulen. Wer „blau macht“ – für dessen Eltern kann es allerdings teuer werden.
Statistisch gesehen fehlen am letzten Tag vor den Ferien zwölf Kinder mehr an Hagener Schulen. Wer „blau macht“ – für dessen Eltern kann es allerdings teuer werden.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Die Zahl der Schüler, die in Hagen am letzten Tag vor den Ferien krank wird, steigt. Ohne Attest erhalten Eltern allerdings einen Bußgeldbescheid.

Hagen.. „Heute sind rechnerisch zwölf Schüler mehr krank als an anderen Tagen.“ Das sagt Stadtsprecher Karsten-Thilo Raab und das belegt die Statistik. Heute ist der letzte Schultag vor den Osterferien – da ist Schwänzen sehr beliebt.

Im Schulamt hat man sich bereits gewappnet: In den nächsten Tagen werden wieder Bußgeldbescheide verschickt. 100 Euro kostet eine unerlaubte „Ferienverlängerung“ im Regelfall. Und wenn beide Elternteile erziehungsberechtigt und somit auch gemeinsam für das Fehlen ihres Kindes verantwortlich sind, gibt es sogar zwei Knöllchen: je 50 Euro für Vater und Mutter.

Nur mit ärztlichem Attest

Dieser „Strafbetrag“ wird immer dann fällig, wenn keine ärztliche Bescheinigung vorgelegt werden kann. „Während es an anderen Tagen durchaus ausreicht, dass die Eltern ihre Kinder im Krankheitsfall selbst entschuldigen, verlangen wir an den Tagen vor und nach den Ferien ausdrücklich ein Attest“, erläutert Manfred Speil, Leiter vom Fachdienst „Lehrer- und Schülerangelegenheiten“. Aus gutem Grund.

„Besonders vor und nach den Sommerferien liegt die Schülerfehlquote im gut zweistelligen Bereich“, so Speil, „und ich habe das Gefühl, sie wird immer höher.“ Der häufigste Grund für das Fehlen an solchen Tagen sei oft ein praktischer: weil die Flüge da billiger sind.

„Verletzung der Schulpflicht“

Das Schulamt ist zuständig für die Grundschulen, Hauptschulen und Förderschulen. Aber auch an Realschulen und Gymnasien kennt man das Phänomen auffällig hoher Krankmeldungen direkt vor und nach den Ferien. Auch dort erhalten Eltern Bußgeldbescheide wegen „Verletzung der Schulpflicht“. Zuständig ist hier die Bezirksregierung.

Die Eltern des kleinen Philipp (7, Name verändert) sind mit ihrem Fall vor Gericht gezogen. Beide hatten vom Schulamt ein 50-Euro-Knöllchen erhalten, weil ihr Söhnchen am 20. Oktober, dem ersten Tag nach den Herbstferien, nicht zum Unterricht erschienen war.

Lehrerin befragte das Kind

Die Klassenlehrerin der Janusz-Korczak-Grundschule in Wehringhausen hatte das Kind am nächsten Tag befragt. Philipp sagte brav die Wahrheit: Man wäre in der Schweiz im Urlaub gewesen, bei der Rückfahrt in einen langen Stau geraten und erst gegen zwei Uhr nachts zu Hause angekommen. Als die Mutter ihn morgens wecken wollte, sei er zu müde gewesen. Da hätte sie entschieden, dass er nicht zur Schule bräuchte, sondern ausschlafen dürfe.

Richter Dr. Thorsten Opitz hielt 100 Euro Bußgeld jedoch für überzogen: „50 Euro sind angemessen.“