Bürgerpreis für Rupert Neudeck

Rupert Neudeck erhielt den Bürgerpreis der Zeitungen.
Rupert Neudeck erhielt den Bürgerpreis der Zeitungen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Wohl kein zweiter Hagener ist in der Welt so bekannt wie Rupert Neudeck (75). Der Gründer des Hilfskomitees Cap Anamur wurde gestern in Berlin mit dem Bürgerpreis der Zeitungen ausgezeichnet.

Hagen.. Wohl kein zweiter Hagener ist in der Welt so bekannt wie Rupert Neudeck (75). Der Gründer des Hilfskomitees Cap Anamur und Vorsitzende des Friedenskorps Grünhelme wurde gestern in Berlin mit dem Bürgerpreis der Zeitungen ausgezeichnet. Unter den Gästen waren zahlreiche Vertreter aus Politik und Medien, die Laudatio hielt Bundesjustizminister Heiko Maas.

Auch Neudecks Bruder Franz-Martin Neudeck war zur Preisverleihung in die deutsche Hauptstadt gefahren. Er kann sich noch gut an die Kindheit in der Schildstraße (unweit des Landgerichts) erinnern, wo die vier Neudeck-Buben und ihre Schwester aufwuchsen. Den engagierten, von seinem christlichen Glauben durchdrungenen Rupert zog es nach dem Abitur, das er 1958 am Fichte-Gymnasium ablegte, wo sein Vater Edmund als Mathematik- und Physiklehrer tätig war, in die Welt. Er studierte Germanistik und Theologie, trat in den Jesuitenorden ein, trat wieder aus, promovierte zum Doktor der Philosophie und wurde Redakteur beim Deutschlandfunk.

10.000 Vietnamesen gerettet

Damals waren es nicht die Menschenströme aus Afrika und dem Nahen Osten, die die Schlagzeilen dominierten, sondern die Not vietnamesischer Flüchtlinge im Chinesischen Meer. 1979 gründete Neudeck Cap Anamur und rettete mit seinem „Schiff für Vietnam“ rund 10 000 Menschen das Leben. Als er vor drei Jahren von einem vietnamesischen Arzt am Herzen operiert wurde, kommentierte er das mit den Worten: „Jetzt sind wir quitt.“

Rupert Neudeck ist für seinen Humor, der ihn auch in brenzligen Situationen nicht im Stich lässt, ebenso bekannt wie für seinen Mut: „Ich möchte nie mehr feige sein“, hat er sein Engagement einmal begründet. In seiner gestrigen Dankesrede ging er natürlich auch auf die derzeitige Lage von Bootsflüchtlingen im Mittelmeer ein. Die deutsche Bevölkerung sei in ihrer großen Mehrheit überhaupt nicht fremdenfeindlich, sondern gern bereit, in Not geratenen Menschen zu helfen, wenn man ihr deren Elend nur vernünftig erkläre.

Häufig in den Welt-Nachrichten

Unser Land bräuchte heute noch einmal einen Ministerpräsidenten wie den ehemaligen niedersächsischen Regierungschef Ernst Albrecht, der sich seinerzeit rückhaltlos für die „boatpeople“ aus Vietnam eingesetzt habe.

In Hagen war Neudeck zuletzt im Januar bei der von der Bundestagsabgeordneten Cemile Giousouf veranstalteten Podiumsdiskussion zum Thema Flüchtlinge zu Gast. Er lebt in Troisdorf und ist derzeit mit seinen Grünhelmen häufig im syrisch-türkischen Grenzgebiet unterwegs. Kein Wunder, dass sein Name immer noch regelmäßig in den Welt-Nachrichten auftaucht. Seine verstorbene Mutter Gertrud Neudeck kommentierte dies einst mit den Worten: „Wenn ich wissen will, wo mein Sohn ist, muss ich bloß die Tagesschau einschalten.“