Bühnenball fehlen jüngere Besucher

Das Motto „Sissi auf dem wilden Kaiser"  haben viele Besucher fantasievoll umgesetzt. Doch dem Bühnenball fehlen die jüngeren Gäste.
Das Motto „Sissi auf dem wilden Kaiser" haben viele Besucher fantasievoll umgesetzt. Doch dem Bühnenball fehlen die jüngeren Gäste.
Foto: Michael Kleinrensing
Die Sache scheint vertrackt: Der Bühnenball mit Revue und Tanz war und ist eine schöne, niveauvolle Veranstaltung, allerdings kommen immer weniger Besucher – in diesem Jahr gerade mal 2400 Gäste an zwei Abenden.

Hagen.. Die Sache scheint vertrackt: Der Bühnenball mit Revue und Tanz war und ist eine schöne, niveauvolle Veranstaltung, allerdings kommen immer weniger Besucher. Gestern Morgen war Manöverkritik im Theater. „Wir haben über eine Stunde lang über den Bühnenball und seine Probleme gesprochen“, bestätigt Intendant Norbert Hilchenbach.

Mögliche Gründe für die immer geringer werdende Nachfrage gebe es einige (in diesem Jahr zählte die zweitägige Veranstaltung knapp 2400 Besucher, zu Bestzeiten stürmten 4500 Gäste das Theater), einer sei sicherlich der Einwohnerrückgang: „Vor Jahrzehnten hatte Hagen noch 235 000 Einwohner, heute gerade mal noch 186.000“, verdeutlicht Hilchenbach. Außerdem habe sich das Ausgehverhalten der Menschen geändert: „Bälle sind einfach nicht mehr so angesagt. Beweis: Früher gab es mehrere dieser festlichen Großveranstaltungen, zum Beispiel Händlerbälle. Auch diese Events schliefen langsam ein.“

Erster Bühnenball 1974

Zum Hintergrund: Seit 1974 veranstaltet das Hagener Theater im Zwei-Jahres-Rhythmus (bis auf wenige Ausnahmen) Bühnenbälle. Die jeweils am Karnevalsfreitag und -samstag stattfindenden Großveranstaltungen beziehen beinahe das ganze Haus (aus personeller wie räumlicher Sicht) mit ein.

„An der Veranstaltung hat sich seit 30 Jahren nicht wesentlich etwas geändert. Vielleicht muss man eine Modifikation im Gesamtkonzept vornehmen“, räumt der Intendant ein. „Wir müssen überlegen, ob wir mit dem, was wir anbieten, noch richtig und zeitgemäß liegen.“

Das Problem liegt auf der Hand: Dem Bühnenball fehlen die Nachrücker, sprich, jüngeres Publikum. „Ja, es kommen viele Wiederholungstäter, und das seit Jahrzehnten“, weiß Hilchenbach. Ein Kompliment an das niveauvolle Event und seine Macher. Aber wohl auch ein Relikt aus der Vergangenheit. . .

Ermäßigungen für junge Leute keine Lösung

Eine bestimmte Anzahl an Karten zum Jugendtarif zu verkaufen, sieht Michael Fuchs nicht als Problemlösung, „nein, es ist nicht allein der Preis, junge Leute haben andere Interessen“, so der Verwaltungsdirektor. Die Preise seien auch in diesem Jahr nicht angehoben worden, hätten am Freitag zwischen 32,50 und 57,50 Euro und am Samstag zwischen 37,50 und 62,50 Euro gelegen, „den Bühnenball hat es nie zum Schnäppchenpreis gegeben“.

Apropos Preise: Für einen Plastikbecher Sekt (0,1 l) durften die Besucher 4,50 Euro berappen. Hilchenbach runzelt die Stirn: „Ja, auch darüber haben wir vorhin in der Runde gesprochen. Aber die Kantine des Theaters wird extern bewirtschaftet. Und wir haben keinen Einfluss auf die Preisgestaltung des Pächters.“ Auch Speisen aus dem normalen Festgeschehen auszugliedern (draußen im „versteckten“ Innenhof stand ein Grillwagen) sei nicht optimal gewesen.

Eine Traditionsveranstaltung vier Jahre ruhen zu lassen (zwischen 2009 und 2013 fand kein Bühnenball statt) birgt das Risiko, in Vergessenheit zu geraten. „Ja, aber damals fehlten uns die Kapazitäten. Wir hätten in den damals finanziell schwierigen Zeiten die Zusatzstunden an Personal nicht stemmen können.“ Auch in diesem Jahr sei der Aufwand rund um das Event wieder ­immens gewesen, „die zusätzlichen Arbeitsstunden im künstlerischen, technischen und organisatorischen Bereich haben eine vierstellige Höhe“, sagt Hilchenbach. In den Vorjahren sei aber aus dem Erlös der Eintrittskarten immer etwas Geld übrig geblieben. Und dieses Mal? „Wir müssen die Schlussrechnung noch machen, Vergnügungssteuer an die Stadt abführen und, und, und. Aber bislang gehen wir von einem ausgeglichen Ergebnis aus“, so Fuchs.

Katakomben-Charme ist passé

Und was bringt die Zukunft? Norbert Hilchenbach ist realistisch: „Den Charme der alten Katakomben können wir nicht wieder herbeizaubern, auch aufgrund verschärfter Sicherheitsvorschriften nicht. An Security-Personal und am Glasverbot kommen wir nicht vorbei. Außerdem hat jede Ballveranstaltung – egal, ob Bühnenball oder ein anderer Ball – einen bestimmten Rahmen, also einen musikalischen Auftakt, Tanz auf dem Parkett . . . Dennoch: Wir müssen an unserer Veranstaltung im Theater feilen.“

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE