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Brandt Zwieback startet Investitionsoffensive zum 100-Jährigen

20.10.2012 | 14:00 Uhr
Brandt Zwieback: Mit einem bübchenhaften Lächeln kommt er daher - seit 100 Jahren.

Hagen.   Die Hagener Traditionsfirma Brandt Zwieback will 20 Millionen Euro in seine Standorte investieren. Müslis und Hörnchen sollen auf den Markt kommen. Der Zwieback-Markt scheint dagegen bereits ausgereizt. Eine große Jubiläumsfeier soll es nicht geben.

Jeder ist mit ihm groß geworden. In Verbindung mit Kamillentee gilt er bei Magen-Darm-Erkrankungen als bester Vorstopper aller Zeiten. Ein Heilsbringer. Ein Krümelmonster, das sich leicht verdauen lässt - und so gesund ist. Mit einem bübchenhaften Lächeln im Regal kommt er daher. Niemand kann sich ihm entziehen.

Seit Generationen strahlt der pausbäckige Knirps die Kundschaft an: Brandt Zwieback. Wer von Zwieback spricht, meint Brandt. Das ist so. Vor hundert Jahren, am 21. Oktober 1912, es war ein Montag, hat der Bäcker- und Konditormeister Carl Brandt (1886-1965) als 26-Jähriger mit der Gründung der Märkischen Zwieback- und Keksfabrik in Hagen-Haspe den Grundstein der Marke gelegt. Eine krümelige Geschichte. Mit sechs Mitarbeitern fängt der Pionier der mechanisierten Zwiebackproduktion an. Autobauer Henry Ford hat ihn mit seiner Fließbandproduktion inspiriert.

Brandt-Aus in Hagen am 4. Dezember 2003

Mehr als 2000 Frauen und Männer zählt die Belegschaft in den besten Zeiten. Ihr tägliches Brot sind Mehl, Hefe, Wasser, Zucker, Malz, Salz und Zutaten, die das Firmenrezept für sich bewahrt. Sie lassen den Teig gären, backen ihn zum Stuten aus, schneiden ihn in Scheiben, rösten ihn und trocknen ihn. Ein ganzer Stadtteil riecht nach Zwieback. Ehemalige Mitarbeiter in Hagen haben den Geruch bis heute in der Nase. Ehemalige? Ja. In Hagen sitzt nur noch die Verwaltung mit ihren 62 Mitarbeitern.

Brandt-Gelände in Westerbauer

Am 4. Dezember 2003 läuft die letzte Packung Brandt Zwieback in Haspe vom Band. Seitdem kommt das trockene Backwerk aus dem thüringischen Ohrdruf. Die damals in der Öffentlichkeit heftig umstrittene Produktionsverlagerung ist für den Inhaber und Hauptgeschäftsführer der Brandt-Gruppe, Carl-Jürgen Brandt, ein Thema, über das er bis heute ungern spricht: „Es war eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Es war hart für beide Seiten. Dabei sollte man es heute belassen.“ Das sagt der 66-Jährige jüngst auf der Internationalen Süßwaren-Messe in Köln. Dass er Zwieback täglich isst, versteht sich. „Jeden Tag. Am liebsten mit Butter und Marmelade.“ Niemand hätte eine andere Antwort erwartet.

Wo Milka drauf steht, ist Brandt drin

Dass Zwieback längst nicht mehr Zwieback wie vor 100 Jahren bedeutet, ist nachvollziehbar. Die Zeit ist bei Brandt nicht stehen geblieben. Mehr als 20 Sorten, von Schoko-, Kokos- und Aniszwieback über Minizwiebäcke bis zu Micro Minis, den kleinsten Zwiebäcken der Welt, sind heute im Handel erhältlich. Und, Zwieback ist für die Brandt-Gruppe nicht mehr das Hauptgeschäft. Schokolade hat ihn als Einnahmequelle abgelöst. Die Brandt-Gruppe produziert für bekannte Marken. Beispiel? Wo Milka draufsteht, ist Brandt drin.

Das spiegelt sich in den Zahlen: Vom Umsatz im Geschäftsjahr 2011/12 mit 182,4 Millionen Euro macht der Zwieback 59,5 Millionen aus. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von 4,1 Prozent. Gleichwohl hält Brandt den Markt für Zwieback ausgereizt. „Beim Zwieback ist kaum noch Wachstum drin.“ Täglich sollen zwei Millionen Scheiben in Deutschland gegessen werden. Produziert werden Schokolade, Knäcke und Zwiebäcke an drei Standorten mit insgesamt 808 Mitarbeitern: in Ohrdruf sind es 152, in Landshut 388 und in Burg in Sachsen-Anhalt 206.

Gefeiert wird der Geburtstag nicht groß. „Im Jubiläumsjahr soll es“, sagt Brandt, „eine Investitionsoffensive geben, um das Unternehmen für die nächste Generation fit zu machen. Konkret handelt es sich um eine Summe von 20 Millionen Euro, die in die Werke investiert wird.“ Hörnchen und Müslis sind angedacht. Guten Appetit.

Joachim Karpa



Kommentare
23.10.2012
22:21
Verantwortungsvolles Handeln hinterlässt keine Ruinen
von degree37celsius | #11

Wer im Hinblick auf die 2003 eingestellte Zwiebackproduktion in Haspe von horrenden 2000 Mitarbeitern faselt und die fabrikmäßige Produktionsweise mit Mutterns Nudelholz beim Teigausrollen verwechselt, hat nie das große Zwiebackwerk zu Produktionszeiten von innen gesehen.

Wenn der Staat Unternehmensmodernisierung durch Staatssubventionen und Steuergeschenke bewirkt, um die darob massenhaft Entlassenen als Arbeitslose unterstützen zu müssen, dann darf daran gezweifelt werden. "Musterunternehmer" C.-J. Brandt hat getrickst und genommen.

Bisherige Planungen für die Brandt-Brache scheiterten übrigens aus ganz unterschiedlichen Gründen. Keiner davon bestand etwa in einem Mangel an Willfährigkeit gegenüber Investoreninteressen bei Hasper Politikern. Ein in Haspe nicht ganz unbekannter Strippenzieher ist sogar durch seine holde Gattin aufs Engste mit dem aktuellen Vorschlag wirtschaftlich verbandelt. Diese Planung bezieht sich jedoch zunächst auf das Gelände des ehemaligen Kekswerkes.

23.10.2012
14:17
Brandt Zwieback startet Investitionsoffensive zum 100-Jährigen
von bine84 | #10

Es ist wirklich traurig zu lesen, wie sehr die Kommentatoren hier in der Vergangenheit leben. Glauben Sie etwa, dass in einem modernen Werk heute noch 2.000 Mitarbeiter arbeiten würden, selbst wenn es in Hagen gebaut worden wäre? Oder würden Sie den "handgemachten" Zwieback kaufen? Wahrscheinlich nicht, er wäre Ihnen bestimmt zu teuer... Wäre damals alles so geblieben, wie Sie es sich ja alle wünschen, wäre das Unternehmen jetzt sicherlich keine 100 Jahre geworden.
Das seit Jahren außerdem an einem Konzept für das alte Gelände gearbeitet wird, die Politik aber alles untergräbt, übersehen Sie alle mal geflissentlich. Wie einseitig man doch denken kann...

23.10.2012
10:06
das große vergessen - kritikfreie berichterstattung
von DarkwingDuck | #9

bei allem, was sich "brandt" in hagen, mit den hagenern und vor allem den haspern zu schulden hat kommen lassen (man schaue sich nur diese verrottete bauruine an! brandt müsste das gelände, auf dem so viel geld verdient wurde, so viele menschen mit niedriglöhnen ausgebeutet wurden, von sich aus komplett sanieren.), wäre es nur recht und billig, wenn das "große vergessen" in der berichterstattung nicht schule macht!

@degree37celsius
ich gebe ihnen vollkommen recht!!!
"Dass der Brandt-Erbe lieber die seinerzeitigen durchaus fragwürdigen Umstände der Werkverlagerung (Modernisierung durch Staatssubventionen, Steuergeschenke und Massenentlassung) als Thema tabuisieren möchte, ist interessegeleitet sicher verständlich.
Unverzeihlich ist hingegen, wie die Lokalpresse notorisch wieder zur Firma Brandt und zu dessen Erben einen völlig unkritischen Jubelartikel fabriziert."

22.10.2012
18:26
Brandt Zwieback startet Investitionsoffensive zum 100-Jährigen
von Knut10 | #8

Da er ja 20 Millionen Investieren will,soll er damit anfangen in Westerbauer die alten Gemäuer abzureissen und das Gelände zu sanieren.
Wenn nicht soll ihm der Zwieback im Hals stecken bleiben.

22.10.2012
17:42
Brandt Zwieback startet Investitionsoffensive zum 100-Jährigen
von ruhrpottengelchen | #7

Am 4. Dezember 2003 läuft die letzte Packung Brandt Zwieback in Haspe
Seitdem habe ich keinerlei Produkte der Fa. Brandt mehr gekauft.

1 Antwort
Brandt Zwieback startet Investitionsoffensive zum 100-Jährigen
von Kantor101 | #7-1

Dito!!!

21.10.2012
12:32
Brandt Zwieback startet Investitionsoffensive zum 100-Jährigen
von RennYuppieRenn | #6

Ich sehe hier zunächst einmal eine Marketingoffensive.

21.10.2012
09:43
Brandt Zwieback startet Investitionsoffensive zum 100-Jährigen
von Thorsten80 | #5

schade das es fast nur zwiebäcke von brand gibt, auch beriu den zwiebäcken von aldi steht das die aus hagen kommen nur ist in hagen keine zwieback fabrick allso kann es nur brand sein leider. ich versuche auch schon solange wie der mann hagen den rücken gekehrt hat ein großen bogen um brand zwieback zu maschen genauso wie um sachen von müller sachen dsa beide firmen schön vom stadt für den werkumzug und leute entlassen gut gesponsert worden sind.

21.10.2012
06:47
Brandt Zwieback schenkt allen ein Lächeln
von oxofrmbl | #4

20 Millionen? Investitionsoffensive? Lachhaft, und wieviel davon sind wieder Subventionen? Um Brandt-Produkte mache ich seit langem einen großen Bogen, jetzt auch um Milka, danke für die Info.

21.10.2012
01:22
Was degree . . .
von KPDHagen2 | #3

. . . höflich umschrieben hat, kann man auch deutlich und für alle verständlich formulieren: Carl-Jürgen Brandt hat sich nicht durch große Führungs- und Manager-Qualitäten ausgezeichnet, sondern eher durch einen teuren Lebenswandel! Es hätte nicht mehr lange gedauert, und das ehemals solide Unternehmen wäre pleite gewesen! Die Stadt Hagen hat er lange an der Nase herumgeführt mit dem angeblichen Wunsch, ein entsprechendes Grundstück für den Neubau seines Fabrikation zu erwerben! Er hätte es nicht bezahlen können!!! Nur mit reichlich Millionen-Zuschüssen hat er seine Firma nach Thüringen verlegt - und sein eigenes Einkommen gerettet! Auf einem Kirmeswagen wurde er von Mitarbeitern als "größte Pfeife von Haspe" bezeichnet! Bei Bedarf kann ich gerne noch nachlegen . . .

1 Antwort
Brandt Zwieback startet Investitionsoffensive zum 100-Jährigen
von Knut10 | #3-1

Guter Beitrag

20.10.2012
20:30
Gebt uns Journalismus, statt kostenloser Werbung
von degree37celsius | #2

Dass der Brandt-Erbe lieber die seinerzeitigen durchaus fragwürdigen Umstände der Werkverlagerung (Modernisierung durch Staatssubventionen, Steuergeschenke und Massenentlassung) als Thema tabuisieren möchte, ist interessegeleitet sicher verständlich.

Unverzeihlich ist hingegen, wie die Lokalpresse notorisch wieder zur Firma Brandt und zu dessen Erben einen völlig unkritischen Jubelartikel fabriziert.

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