Biberratten bedrohen das Naturschutzgebiet in Hagen

Nutrias haben sich auch im Ruhrtal bei Schwerte ausgebreitet.
Nutrias haben sich auch im Ruhrtal bei Schwerte ausgebreitet.
Foto: WR
Was wir bereits wissen
Nach dem Kormoran sorgt eine zweite Tierart, die Nutria, für heftige Debatten zwischen Naturschützern, Jägern und Umweltpolitikern in Hagen.

Hagen.. Nach dem Kormoran sorgt eine zweite Tierart für heftige Debatten zwischen Naturschützern, Jägern und Umweltpolitikern in Hagen. Es handelt sich um die Nutria, auch Biberratte oder Sumpfbiber oder Wasserratte genannt. Die Nagetiere, ursprünglich in Südamerika beheimatet, haben sich entlang der Volme explosionsartig vermehrt und drohen nun, auf die Kaisbergaue überzugreifen – ein Naturschutzgebiet mit streng geschützten Pflanzenfamilien am Harkortsee.

Und eben diesen seltenen Gräsern und Stauden könnte der Pflanzenfresser, so die im Raum stehende Befürchtung, den vollkommenen Garaus machen. Als Präzedenzfall dient das Hundeübungsgewässer stromaufwärts am Zusammenfluss von Volme und Ruhr, das von den gefräßigen Tieren gänzlich vom Pflanzenbewuchs befreit wurde. „Die Ufer waren mit Schilf bestanden, jetzt sind sie ratzekahl abgefressen“, ärgert sich Hans de Myn, Vorsitzender des Hegerings Hagen-Nord und Besitzer des Teiches. 19 Exemplare der bis zu zehn Kilo schweren Nager haben Jäger bereits erlegt, den Vormarsch der Nutria jedoch nicht stoppen können. Fachleute gehen davon aus, dass ein Nutria-Pärchen pro Jahr 40 bis 50 Nachkommen in die Welt setzen kann.

Jäger brauchen Ausnahmegenehmigung

Hinzu kommt, dass die Jäger in der Kaisbergaue nicht ohne weiteres auf die Tiere anlegen dürften, in einem Naturschutzgebiet ist dafür eine Ausnahmegenehmigung erforderlich. Diese Erlaubnis hat de Myn, zu dessen Besitz auch die Aue gehört, inzwischen beantragt: „Wird das nicht erlaubt, müsste ich den Naturschutz in diesem Gebiet in Frage stellen.“ Doch so weit wird es wohl nicht kommen. Das Hagener Umweltamt hat sich mit der Bezirksregierung Arnsberg sowie dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz ins Benehmen gesetzt, denn die Gefahr für die heimische Flora will auch Dr. Ralph-Rainer Braun nicht verkennen: „Wir müssen die Jagd freigeben, um die wertvollen Pflanzenbestände in der Kaisbergaue zu schützen“, so der Leiter des Umweltamtes: „Auch wenn es sich um ein Naturschutzgebiet handelt, gibt es hier keine andere Möglichkeit.“

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Der Landschaftsbeirat ist ebenfalls in das Verfahren eingeschaltet, Vorsitzender Wilhelm Bögemann wird von durchaus zwiespältigen Gefühlen bewegt: „Nicht jede Art, die hier nicht hingehört, muss gleich vernichtet werden. Aber wenn sie derartige Probleme zu verursachen droht wie die Nutria, dann muss man sich eine Reaktion überlegen.“ Er habe sich selbst davon überzeugt, dass in dem Hundeübungsteich nicht eine einzige Wasserpflanze mehr zu finden sei, so Bögemann: „Bis auf den Fuchs hat die Nutria keine Feinde. Sie verdrängt sogar die Bisamratte.“

Kampf gegen Windmühlenflügel

Die Jäger sollen also im Sinne des Naturschutzes zur Jagd auf die Nagetiere blasen. Es wird keine Obergrenze dafür geben, wie viele Tiere abgeschossen werden dürfen. Von einem Vernichtungsfeldzug könne ohnehin keine Rede sein, betont Braun: „Es wäre blauäugig, die Nutria ausrotten zu wollen. Nein, das verhält sich wie mit der Herkulesstaude, das wäre ein Kampf gegen Windmühlenflügel.“ Der Nager sei Teil des Naturhaushaltes geworden. Bei der Jagd gehe es lediglich darum, die kritische Spitze einzuregulieren, um Schaden von der seltenen Pflanzengesellschaft in der Kaisbergaue abzuwenden.