Bettler und Abzocker vermehrt in Hagener City unterwegs

Die Stadt Hagen erhöht den Druck auf Bettler.
Die Stadt Hagen erhöht den Druck auf Bettler.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Aggressives Betteln in der Hagener Innenstadt wird zunehmend zum Problem. Das Ordnungsamt will durch Kontrollen und Bußgelder den Druck erhöhen.

Hagen-Mitte.. Eine rote Rose. Ein Geschenk. Eine Aufmerksamkeit nur. Welche junge Dame sagt da schon nein? Die Mädchen, beide 14 Jahre alt, jedenfalls nicht. Und als der Mann, der ihnen die Blume überreichte, dann ins Plaudern geriert, hörten sie zu.

Er erzählte von seiner Tochter, von ihrer Krankheit und der dringend notwendigen Behandlung, die er nicht bezahlen könne. Eine Spende würde helfen. Die Mädchen griffen in ihre Portemonnaies und zückten zwei Fünf-Euro-Scheine, die der Rosen-Mann wechseln wollte. Tat er aber nicht. Er verschwand. Geld weg, Rosen weg, Mann weg.

Verwarngeld fällig

Für Polizei und Ordnungsamt ein typischer Fall. Als „aggressives Betteln“ wird ein solches Verhalten bezeichnet. Eine Ordnungswidrigkeit, mit der sich die Ordnungspartner immer wieder beschäftigen müssen. „Nach der Gebietsordnung ist ein solches Verhalten nicht gestattet“, erklärt Stadtsprecher Karsten-Thilo Raab. „Die Kollegen ahnden solches Betteln mit Platzverweisen oder sogar durch ein entsprechendes Verwarngeld.“

Maßnahmen, die die Bettler offenbar dauerhaft nicht abschrecken können. Denn, so räumt die Stadt ein, aus der Erfahrung könne man sagen, dass Vorfälle dieser Art zugenommen hätten. „Wir haben ein Auge auf diese Gruppen“, so Raab.

Die sind laut Auskunft der Stadt oft gut organisiert und reisen vorwiegend aus dem südosteuropäischen Ländern ein. „Wir beobachten, dass solche Gruppen für eine gewisse Zeit in der Stadt auftauchen und dann durch andere ,ersetzt’ werden“, so Karsten-Thilo Raab. „Wir erhöhen den Druck durch regelmäßige Kontrollen und setzen so darauf, dass die Betroffenen die Lust verlieren, in Hagen zu betteln.“

Auf Distanz achten

Die Polizei spricht von verschiedenen Methoden des aggressiven Bettelns, der Abzocke bis hin zum Taschendiebstahl in der Innenstadt. „Phänomene, die es in verschiedenen Formen schon immer gegeben hat“, wie der Opferschutzbeauftragte Roland Schulz erklärt. „Wir raten den Bürgern generell zu einem gesunden Misstrauen. Sobald eine normale Distanz unterschritten wird, sollte man Aufmerksamkeit erregen.“ Das reiche manchmal schon, um Täter abzuschrecken.

Die Einschätzung der Händler zu der Thematik ist unterschiedlich. „Insbesondere Geschäftsleute, die an der Elberfelder Straße ihre Läden haben, beobachten eine Zunahme von Bettlern in der Fußgängerzone“, sagt Vladimir Tisch von der Werbegemeinschaft. Allerdings werde nicht unmittelbar vor den Geschäften, sondern eher mittig in der Fußgängerzone gebettelt. „Einige Geschäftsleute sorgen sich allerdings vor einer weiteren Zunahme bei steigenden Temperaturen.”