Besetzung markiert Wende zu neuem Lebensabschnitt

Hagen..  Der 14. und 15. April 1945 markierten für die Stadt Hagen das Ende des Zweiten Weltkriegs. Von Süden her eroberten vor 70 Jahren amerikanische Truppen des 341. US-Infanterie-Regiments unter Colonel Henry J. Hunt Jr. die Stadt Hagen.

„Das Ende der Kämpfe in Hagen empfanden die Menschen als militärische Niederlage“, sagt der Historiker Dr. Ralf Blank, Leiter des Fachdienstes Museen, Wissenschaft und Archive der Stadt Hagen, „der Einmarsch der US-Truppen konnte gar nicht anders gedeutet werden. Gleichzeitig erkannten die Menschen, dass nun eine deutlich spürbare Wende hin zu einem neuen Lebensabschnitt begonnen hatte.“

Angst vor dem „Endkampf“

Es mag eine Befreiung gewesen sein. Eine allerdings, vor der die Einwohner bereits seit der Überquerung des Rheins durch alliierter Truppen am 24. März 1945 große Angst hatten. Zu blutig, zu martialisch waren die Vorstellungen, mit der in der Propaganda der Nationalsozialisten der „Endkampf“ beschrieben wurde. Hinzu kam die Furcht, in den letzten Kriegstagen noch das Wenige zu verlieren, das einem geblieben war.

Dass die Angst bis zuletzt nicht geringer wurde, dafür sorgten auch die Verantwortlichen vor Ort. So versuchte der damalige stellvertretende Gauleiter und Hagener Oberbürgermeister Heinrich Vetter noch am 14. April einen „Kampf bis zur letzten Patrone“ auf die Beine zu stellen. „Noch am Vormittag traf er sich auf dem Hof des zerstörten Hagener Rathauses mit Vertretern der Polizei, städtischer Dienststellen, der Gestapo und der Wehrmacht, um eine Lagebesprechung abzuhalten“, berichtet Ralf Blank. „Vetter äußerte sich abfällig über die Flucht von Gau­leiter Hoffmann am Vortag und dessen letzte Befehle zur Auflösung der NSDAP und des Volkssturms im Gau Westfalen-Süd.“

Verteidigung der Ruinen

Der Hagener OB habe versucht, so Blank, Wehrmacht und Polizei zu einer militärischen Verteidigung in den Ruinen der Innenstadt zu bewegen. Allerdings vergeblich. Vetter entließ die Teilnehmer der Runde und setzte sich selber ab. Drei Jahre später stellte er in seinem Entnazifizierungsverfahren ausdrücklich in Abrede, dass er dem Kampfkommandanten von Hagen befohlen habe, die Stadt mit allen Mitteln zu verteidigen. „Dabei“, so Blank, „hatte Vetter mit der als völlig realitätsfern zu bezeichnenden Entscheidung das Leben der Bevölkerung und der beteiligten Truppen aufs Spiel gesetzt.“

Einsichtiger war man bei den Stadtwerken. Auf einer Sitzung der Betriebsleitung wurde beschlossen, den anrückenden US-Truppen keinen „sinnlosen Widerstand“ entgegenzusetzen und jede Sprengung von Werksanlagen vor dem Einmarsch, die befohlen war, zu verhindern.

Der Widerstand, auf den das 2. Batallion des 341. Infanterie-Regiments vor und in Hagen stieß, war überschaubar. Erste Soldaten starben durch Feuer aus Maschinengewehren und Beschuss durch Panzerfäuste in den Mittagsstunden des 13. April in Oberbrügge. Gegen 16 Uhr erreichten die Truppen Priorei, das noch zum Amt Breckerfeld gehörte. Fünf US-Soldaten wurden getötet, zehn verletzt. Nach zwei Stunden war der Widerstand gebrochen. Unterbrochen nur von kleineren Gefechten dauerte der Vormarsch an. Gegen Mitternacht erreichten die Truppen Delstern und bereiteten in einer Kampfpause den Vormarsch auf die Innenstadt vor.

Jagdbomber unterstützen Truppen

„Im Bereich der südlichen Stadtteile kam es am Vormittag des 14. April zu letzten Kämpfen“, so Ralf Blank, „mehrere US-Jagdbomber griffen in die Bodenkämpfe ein. Der deutsche Widerstand wurde in kurzer Zeit gebrochen.“ Gegen 14.30 Uhr fuhren erste Kampfpanzer über die Frankfurter Straße in Richtung Innenstadt. An jenem Tag meldete sich auch die Luftschutzleitung aus dem Bunker des Emilienplatzes ganz formell ab: „Hier Hagen, Hauptmann H. Die Amis kommen über den Platz auf die Befehlsstelle zu. Eben sind sie im Nebenraum. Hören Sie das ,Hands up?’ Widerstand ist sinnlos, sie hämmern gegen die Tür. Die vorbereitete Unbrauchbarmachung des Anschlusses wird noch durchgeführt. Auf Wiedersehen!“

Am Vormittag des 15. April waren an der Ruhr im Norden der Stadt Einheiten der 86. und der 75. US-Infanterie-Division zusammengetroffen. „Der Ruhrkessel war damit in zwei Teile gespalten und das Ziel der drei Tage zuvor begonnen Operation erreicht“, so Ralf Blank.

Noch bis zum 17. April hielt zum Teil intensiver Artilleriebeschuss von deutschen Batterien auf Hagen an. Auch letzte Scharfschützen feuerten immer wieder gezielt. Über die Verluste in den letzten Kriegstagen gibt es keine genauen Angaben. Sehr wohl darüber, dass noch am 12. und 13. April letzte Opfer der Gestapo mit Genickschüssen in Hagener Wäldern getötet und in Bombentrichtern verscharrt wurden.