Belgin schließt Verkauf von Kunstwerken aus

Tayfun Belgin vor dem Bild von Hundertwasser „Der Traum des toten Indianers“.
Tayfun Belgin vor dem Bild von Hundertwasser „Der Traum des toten Indianers“.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Dem Verkauf von Kunstwerken zur Sanierung des städtischen Haushalts hat Tayfun Belgin, Leiter des Fachbereichs Kultur, eine Absage erteilt.

Hagen.. Dem Verkauf von Kunstwerken zur Sanierung des städtischen Haushalts hat Tayfun Belgin, Leiter des Fachbereichs Kultur, eine Absage erteilt: „Das würde den ethischen Grundsätzen, denen sich das Osthaus-Museum verpflichtet fühlt, widersprechen.“ Er halte es für ausgeschlossen, dass sich eine Mehrheit für den von einigen Ratsmitgliedern favorisierten Kunstverkauf findet.

Sammlung und Forschung

Anfang Dezember hatten Haspes Bezirksbürgermeister Dietmar Thieser sowie die Ratsherren Frank Schmidt (Bürger für Hohenlimburg) und Ralf Sondermeyer (Die Linke) angesichts des Spardrucks und der von den Sportvereinen geforderten Hallennutzungsgebühr angeregt, Bilder und Skulpturen aus dem Osthaus-Museum zu verkaufen. „Es darf keine Tabus geben“, so Thieser. Einen Verkauf von Werken, die in Ausstellungen gezeigt werden, schlossen die Politiker aus. Anders verhalte es sich mit Kunstschätzen aus dem Magazin, die kaum das Licht der Öffentlichkeit erblickten.

Ein Museum unterliege nicht nur dem Auftrag, Kunst zu präsentieren, wies Belgin das Ansinnen zurück: „Zu unseren edelsten Aufgaben gehört es, Kunstwerke zu sammeln und Forschung zu betreiben.“ Das Osthaus-Museum beschäftige sich auch abseits der Ausstellungen mit den Werken und deren Künstlern. Als Beispiel nannte der Fachbereichsleiter den Maler Christian Rohlfs, zweifellos einer der berühmtesten Hagener Künstler (nach ihm sind u.a. eine Straße in Wehringhausen und das Gymnasium in Haspe benannt). Ständig gezeigt würden lediglich zwölf Rohlfs-Werke, so Belgin, das Osthaus-Museum besitze jedoch 700 Bilder des 1938 verstorbenen Malers. Es sei unvorstellbar, einen Rohlfs zu verkaufen, weil er nicht Teil der Dauerausstellung sei.

Sammler werden vergrault

Insgesamt befinden sich gut 5000 Kunstwerke im Magazin des Museums, nur zwei bis fünf Prozent aller Werke sind regelmäßig zu sehen. Dieser Umstand unterscheidet das Osthaus-Museum nicht von anderen, auch berühmteren Häusern in aller Welt. Zu den Werken in der Volmestadt gehört „Der Traum des toten Indianers“ von Friedensreich Hundertwasser, das einzige Werke des österreichischen Avantgardisten im Eigentum des Hagener Museums. Nicht zuletzt dank dieses Besitzes sei die Ausstellung mit 130 Werken des Universalkünstlers vom 1. Februar bis 10. Mai erst möglich, so Belgin: „Dazu erwarten wir 60 000 Besucher.“ Würde man den toten Indianer verkaufen, wären solche Highlights, die sich auch finanziell rentieren, schwerlich möglich.

Kunstverkäufe aus dem Bestand eines Museums heraus seien im Grunde ein Sakrileg, so Belgin, der im November zu den Unterzeichnern eines Protestschreibens an NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft gegen den Verkauf von zwei Andy-Warhol-Werken aus dem Besitz des Kasinobetreibers Westspiel gehörte. Sammler, die dem Osthaus-Museum ein Kunstwerk schenken wollten, würden mit solchen Unternehmungen vergrault. Das Hagener Haus verfüge über keinen Ankaufsetat mehr und sei daher auf solche Donationen angewiesen.