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Behörden wimmeln Verkehrslärm-Beschwerde von Kleingärtnern aus Hagen ab

13.02.2012 | 10:00 Uhr
Behörden wimmeln Verkehrslärm-Beschwerde von Kleingärtnern aus Hagen ab
Die Kleingärtner der Anlage Eisenbahner-Landwirtschaft sind hilflos gegenüber dem Autobahnlärm.Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.   Die Kleingärtner der Anlage Eisenbahner-Landwirtschaft leiden unter dem Verkehrslärm der sechsspurigen A1. Doch das Land will nichts unternehmen - schließlich hätte seinerzeit niemand gegen den Ausbau Einspruch eingelegt. Die Senioren sind hilflos.

Die Kleingartenanlage Eisenbahner-Landwirtschaft liegt in einem Lärm-Dreieck. Die 49 Parzellen werden von der vorbeirollenden Eisenbahn beschallt und von den nahen Fabriken des Industriegebietes Bathey. Vor allem aber dröhnt der Lärm der Autobahn 1 in die Gärten der kleinen Leute: „Manchmal ist das Rauschen ist so stark, dass man sich nicht einmal unterhalten kann“, beschreibt Barbara Schewe (62) den Geräuschpegel.

Vor vier Jahren wurde die A1 zwischen Westhofener Kreuz und der Ausfahrt Hagen-Nord auf sechs Spuren erweitert. Im Rahmen des sogenannten Planfeststellungsverfahrens war Anwohnern und sonst wie Betroffenen zuvor die Möglichkeit eingeräumt worden, Bedenken gegen den Ausbau geltend zu machen. Auch die Kleingärtner wurden angeschrieben.

„Verstanden haben wir das alles nicht so richtig“, gibt Wolfgang Heitmann (70) zu. 40 Jahre und länger war er Lastwagenfahrer. Wie die meisten Parzellenbesitzer hat er ein Leben lang geschuftet und will nun in seinem Kleingarten die Rente genießen. Heinrich Schewe (65) hat im Versand gearbeitet, Etem Orak (67) war Maschinenführer, nur Manfred Holtschmidt (63) ist noch berufstätig. „Schreiben Sie, dass ich Arbeiter bin“, sagt er.

Arbeiter und keine Juristen

In den behördlichen Briefen ist von der Bundesimmissionsschutzverordnung die Rede, von lärmempfindlichen Gebietsarten, vom bauplanungsrechtlichen Außenbereich und von immissionsschutzrechtlichen Gesichtspunkten. Die Eisenbahner-Kleingärtner haben seinerzeit nicht gegen den A1-Ausbau protestiert, als sie hätten protestieren müssen, sie sind Arbeiter und keine Juristen.

Den bürokratischen Jargon, mit denen sie von Inspektoren, Assessoren und Direktoren aus irgendwelchen Amtsstuben heraus bombardiert wurden, haben sie nicht verstanden, und als sie dann zu einer A1-Ausbauparty mit Würstchen und Bier eingeladen wurden, redeten sie sich ein bzw. ließen sich einreden, eine sechsspurige Autobahn werde schon nicht viel lauter sein als eine vierspurige. „Lärm sind wir hier ja schließlich gewohnt“, sagt Heitmann und deutet auf einen vorbeifahrenden Zug. „Aber im Nachhinein kommt mir das alles so vor - ich weiß nicht, wie ich das sagen soll -, als ob wir ruhig gestellt werden sollten.“

Eine sechsspurige Autobahn ist wesentlich lauter als eine vierspurige, das wissen die Kleingärtner jetzt. Von der Lennebrücke dröhnt der Verkehrslärm herunter in ihr Terrain, es gibt keine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der A1, keine Bepflanzung und erst recht keine Lärmschutzwand, die den Krach der vorbeisausenden Laster, Autos und Motorräder schlucken würde.

Vom Staat im Stich gelassen

Als sich Heitmann - zu spät - endlich doch zu beschweren wagte und anregte, den Verkehrslärm zu messen, wurde er von einem Beamten gerügt, man messe den Lärm nicht, sondern berechne ihn. Außerdem wurde er von der Bezirksregierung ebenso kaltherzig wie süffisant daran erinnert, er habe doch seinerzeit nichts gegen den Autobahnausbau vorzubringen gehabt: „Die sich durch dieses Versäumnis ergebenden Konsequenzen müssen Sie daher leider gegen sich wirken lassen.“

So ist das, so von oben herab werden Bürger, die sich nicht wehren können, eine Frist versäumen oder ein aufwändiges Verfahren scheuen, abgekanzelt. Die Kleingärtner haben ein Leben lang gearbeitet und Steuern gezahlt und jetzt, wo der Staat einmal etwas für sie tun könnte, werden sie im Stich gelassen. Bei Südwestwind und nasser Fahrbahn sei das Tosen der sechsspurigen A1 ohrenbetäubend, sagt Manfred Holtschmidt. Es wird wohl nichts werden mit einem beschaulichen Lebensabend im eigenen, kleinen Garten.

Hubertus Heuel



Kommentare
13.02.2012
20:38
Behörden wimmeln Verkehrslärm-Beschwerde von Kleingärtnern aus Hagen ab
von offenfahrer | #8

Wenn ich keine Ahnung habe, frage ich jemanden, der sich auskennt. Wie immer das Ergebnis auch hinterher aussieht. Aber sich öffentlich hinzustellen und seine eigene Fehler zu bejammern... muss nicht sein.

13.02.2012
19:51
Behörden wimmeln Verkehrslärm-Beschwerde von Kleingärtnern aus Hagen ab
von berni44 | #7

So entstehen Wutbürger gegen den Rechtsstaat.
Diese Bürger haben die undurchsichtige Bürokratie satt.
Die Büger sollten sich allerdings rechtzeitig kümmern, was ihre gewählten Volksvertreter im Laufe der Jahre alles beschlossen haben.
Diese Leute sind keinem, außer den bestehenden Gesetzen, ihrem Gewissen verantwortlich. Also ein Freibrief, der meist auch von dem Geldbeutel dieser Leute gesteuert wird.
Eine Rücksicht auf seine Wähler ist nicht erforderlich.
Übrigens, wissen Sie was ein Gewissen ist?

13.02.2012
16:18
Behörden wimmeln Verkehrslärm-Beschwerde von Kleingärtnern aus Hagen ab
von Ampelspezi | #6

ja ja , protestierten hätten sie sollen, eine kleine Gruppe von alten Menschen.

Und ein Sachverhalt wie "Allgemeinwohl geht vor eigenwohl" würde dann tatsächlich ein anderer werden?
Ich glaube es nicht, kann mir nicht vorstellen das diese kleine Gruppe den Ausbau der A1 auf 6 Fahrspuren hätte verhindern können.
Mit welchen Argumenten denn auch?
So etwa: Wir möchten gerne als Rentner in Ruhe und Frieden auf einem Stühlchen im Garten sitzend unseren Lebensabend verbringen. Bitte überlassen Sie uns Unbedenklichkeitsgutachten das ein heftiger Lärm, über ca. 83db, nicht eintreten wird.
Nee nee, das funktioniert wohl so nicht.

Wenn überhaupt verhindern dann schaffen das vermutlich nur Grüne oder Tierschützer (habe überhaupt nichts gegen diese, gut es es sie gibt) mit vielleicht einem Argument wie "Grünschnabelhakenmäulchensauger" sind in ihrem Lebensraum bedroht.

Tja, jetzt ist guter Rat teuer.
Vielleicht gibt es ja noch Mittel und Wege einen Lärmschutz zu installieren?

13.02.2012
13:06
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Name von Moderation entfernt | #5

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13.02.2012
12:53
Behörden wimmeln Verkehrslärm-Beschwerde von Kleingärtnern aus Hagen ab
von Roadrunner99 | #4

Wie immer in Hagen. Es wird dann protestiert, wenn alles eigentlich zu spät ist. Dazu sieht man die jetzt aufkommenden Proteste beim Bau der Rathausgalerie.

Oder wollten die lieben Bürger nur mal in die Zeitung.

13.02.2012
12:13
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Name von Moderation entfernt | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

13.02.2012
11:34
Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!
von Jacques_Cormay | #2

So ist das, wenn man sich um nichts kümmert, dann muss man mit den Konsequenzen leben. Es hat diese kleinen Leute (sind sie wirklich kleinwüchsig?) niemand daran gehindert, einen Sachverständigen zu Rate zu ziehen, als noch ausreichend Zeit bestand, Einspruch einzulegen. Wenn man allerdings die Hände in den Schoß legt und allein darauf hofft, dass es schon nicht so schlimm werden wird - denn schließlich kann eine sechsspurige Autobahn ja nicht lauter sein als eine vierspurige, dann sollte man, wenn es zu spät ist, nicht rummeckern und den Behörden die Schuld zuweisen. Wahrscheinlich gab es gerade in der Kleingartenanlage ein Sommerfest und Gratiswürstchen, als der letzte Termin zur Protesteinreichung verstrich. Schließlich frage ich mich, was diese kleinen Leute denn nun wollen. Soll etwa die A1 zurückgebaut werden oder soll auf der ausgebauten Strecke eine Lärmschutzzone wie auf der A46 eingerichtet werden, in der dann nur noch mit 80 km/h zu fahren ist? Vermutlich würde es den kleinen Leuten gut tun, sich die Lage der anderen Parteien einmal zu vergegenwärtigen. Da hatten kleine und auch große Leute ausreichend Zeit gegen den Ausbau der A1 ihre Bedenken anzumelden. Aus Gründen, die allein auf die Betroffenen zurückzuführen sind, haben sie dies jedoch nicht getan. Nach mehrjähriger Verstreichung der Fristen fällt es den Betroffenen ein, denn Anwohner sind es nicht einmal, dass es gerade en vogue ist, gegen Infrastrukturprojekte Protest einzulegen.

Zum Schluss kommt mir dann doch die Vermutung, dass der Artikel eine satirische Pointe auf Kosten schwerfälliger Nörgler war. Puh, ich dachte schon das Ganze hätte jemand ernst gemeint. Fast hätten Sie mich an der Nase herumgeführt Herr Heuel. chapeau

13.02.2012
11:32
Behörden wimmeln Kleingärtner aus Hagen ab
von Schnaki | #1

Ich würde sagen,da hat der Vorstand fest gepennt.Ich muss bei Behörden auch die Fristen einhalten,egal ob ich sie verstehe oder nicht.
schnaki

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