Behinderte sind im Westfalenpark Vollzahler

Dortmund..  Sind Behinderte beim Eintritt in den Westfalenpark benachteiligt? Die Mutter einer betroffenen, erwachsenen Tochter aus einem Wohnheim der Lebenshilfe im Kreis Unna findet: ja. Die Stadt Dortmund findet: nein.

„Wir sind 20 Behinderte mit B (ständige Begleitung) in ihren Pässen und vier Betreuer. Die Behinderten zahlen den normalen Erwachsenen-Eintritt. Nur die Betreuer sind nach den Bestimmungen des Westfalenparks vom Eintritt befreit“, schrieb die Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, an Oberbürgermeister Ullrich Sierau. Sie macht im Brief keinen Hehl aus ihrer Verärgerung: „Das ist nicht einzusehen; denn eigentlich sollte die Vergünstigung doch den in diesem Sinne Bedürftigen zu Gute kommen.“

Nur Taschengeld

Die Frau aus dem Kreis Unna hofft darauf, dass sich die Stadtverwaltung für Behinderten-Gruppen eine gerechtere Lösung einfallen lässt, und sie hofft auf Mitstreiter von der Dortmunder Lebenshilfe. Im Theater Dortmund beispielsweise, sagt sie, zahlten Behinderte, die auf Begleitung angewiesen seien, und ihre Begleiter jeweils nur die Hälfte des Eintrittspreises.

Dass im Westfalenpark nur Betreuer kostenlosen Zutritt haben, empfindet die Besucherin aus dem Kreis Unna ungerecht: „Unsere Behinderten erhalten 100 Euro Taschengeld im Monat. Davon müssen sie 20 Euro für Urlaub ansparen.“

Zahlen für 50 Geh-Meter

So gesehen, sei ein Eintrittspreis von drei Euro viel Geld für die Behinderten. Hingegen würden die Betreuer als angestellte Heilerziehungspfleger bei der Lebenshilfe nach Tarif bezahlt.

Jüngster Anlass zur Verärgerung ist der geplante Besuch beim Nostalgischen Puppentheater im Westfalenpark. Es ist nicht der erste Besuch der Behinderten-Gruppe dort, und die Vorfreude auf das Erlebnis ist jedes Mal riesig.

Aber nur, um am Eingang Baurat-Marx-Allee 50 Meter nach rechts zur Puppenbühne zu gehen, den vollen Eintrittspreis für den Park zu zahlen, könne doch nicht sein, ärgert sich die Mutter.

Auf Anfrage dieser Redaktion bei der Stadt, antwortete Stadtsprecherin Anke Widow, die Eintrittsregelungen für den Westfalenpark würden vom Rat der Stadt beschlossen. Freien Eintritt in den Park hätten – neben jungen Menschen unter sechs Jahren – Bürger, die über einen DO-Pass verfügen (finanziell Bedürftige, wie Hartz-IV-Empfänger, Anmerkung der Redaktion). Laut Ratsbeschluss könne der Westfalenpark 20 Prozent Rabatt auf den Eintrittspreis für eine Besuchergruppe einräumen – aber erst ab 30 Personen.

„Diese Eintrittspreisregelung gewährleistet eine Gleichbehandlung aller Besucher des Parks“, meint die Stadtsprecherin.