Bedürftige Menschen genießen Besinnlichkeit

Die  Weihnachtsfeier des CVJM Hagen für Obdachlose, Bedürftige, Alleinstehende und Einsame hat längst Tradition.
Die Weihnachtsfeier des CVJM Hagen für Obdachlose, Bedürftige, Alleinstehende und Einsame hat längst Tradition.
Foto: WP Michael Kleinrensing

Hagen.. Was bedeutet die Weihnachtszeit für Sie? Zugegeben, das ist keine einfache Frage und die Antworten reichen wahrscheinlich vom Zusammensein mit der Familie und gemütlichem Essen bis zu den Geschenken unterm Weihnachtsbaum. Aber was, wenn dies alles nicht selbstverständlich ist?

In der Karl-Adam-Halle wurde an Heiligabend eine weitere Seite von Weihnachten greifbar – nämlich persönliche Hilfe für diejenigen, die im Leben nicht so viel Glück hatten, wie man selbst.

Weihnachtsfeier für Familien mit Kindern

Bei der Weihnachtsfeier des CVJM für alleinstehende, einsame und bedürftige Menschen fanden sich auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Gäste zu einem besonderen Fest ein.

Seit 1946 organisiert der „Christliche Verein Junger Menschen“ die Veranstaltung. Die erste Feier fand in der Schürmannstraße statt, damals noch in einer Baracke und ausschließlich für bedürftige Männer. Seitdem hat sich die Zielgruppe auf alle bedürftigen und einsamen Menschen der Stadt ausgeweitet und ist zu einer festen Größe im Jahresplan des CVJM geworden. Die nunmehr 69. Auflage wurde erstmals an zwei Orten parallel organisiert. Neben der traditionellen Feier in der Karl-Adam-Halle wurde im „DödtKomm“, dem Zentrum der evangelischen Stadtkirchengemeinde, eine Weihnachtsfeier speziell für Familien mit Kindern ausgerichtet.

Weihnachtliche Atmosphäre

Seit Anfang Dezember konnten Interessierte die Eintrittskarten beim CVJM bekommen. Insgesamt wurden 330 Karten verteilt, so dass sich vor Beginn der Feierschnell eine Warteschlange vor der Halle bildete. Dabei waren es nicht nur Obdachlose, die sich auf der Suche nach Gesellschaft vor der Halle eingefunden hatten. „Jeder von den Menschen hier hat ein Bedürfnis. Das muss nicht immer materiell sein, sondern kann durchaus auch auf emotionaler Ebene bestehen“, so Michael Finkensiep, Mitorganisator der Feier.

Beim Betreten der Halle machte sich weihnachtliche Atmosphäre breit. Die verdunkelte, orange-rot beleuchtete Sporthalle wirkte gemütlich, Tischreihen erstreckten sich über den gesamten Hallenboden. Eine Bühne war zentral gegenüber errichtet worden, flankiert von zwei Weihnachtsbäumen und großen Videoleinwänden. Dadurch konnten alle Besucher dem Programm folgen, auch ohne direkt vor der Bühne sitzen zu müssen.

"Alle sind herzlich und freundlich"

Michael Finkensiep begrüßte die Gäste; dann gab es Weihnachtsmusik. Langsam schob sich aus der Küche eine Schlange von silbernen Servierwagen in die Halle. Auf dem Menüplan stand Gulasch mit Kartoffeln, dessen Duft sich bereits nach wenigen Minuten verbreitet hatte. Die bedürftigen Menschen in der Halle genossen die Besinnlichkeit, Ruhe und Gemeinschaft.

Helfer versorgten die Besucher mit Getränken und Essen. „Wir sind die Gastgeber am heutigen Abend, und so verhalten wir uns auch. Es ist ein großes Stück Dankbarkeit für mich, hier sein zu dürfen“ , sagte Ilona Liley, die bereits zum vierten Mal als Ehrenamtliche dabei ist. Diese Dankbarkeit war auch bei den 300 Besuchern zu spüren. „Die Augen der Menschen hier sprechen Bände. Alle sind herzlich und freundlich“, lobte Besucherin Christa, die zum zweiten Mal bei der Weihnachtsfeier des CVJM zu Gast war.

Musikalisches Beiprogramm

Im Anschluss an das Weihnachtsessen begann ein Programm mit Posaunenchor, Krippenspiel und dem Auftritt von „C-Four“, einer Breakdance-Truppe mit Wurzeln in der Jugendarbeit des CVJM. Dann gab’s es Kaffee und Kuchen für die Gäste. Am Ende der dreistündigen Weihnachtsfeier durften natürlich auch Geschenke nicht fehlen. So bekam jeder Besucher eine Geschenktüte und eine Brottüte, die durch Spenden von Hagener Bäckereien ermöglicht wurde.

Am Ende des Abends konnten alle behaupten, Teil einer gelungenen Weihnachtsfeier gewesen zu sein. Nicht zuletzt dank der Organisation des CVJM, der Stadtkirchengemeinde und den vielen freiwilligen Helfern wurden weihnachtliche Orte für diejenigen geschaffen, die vielleicht nicht die Möglichkeit zum Feiern hatten oder Heiligabend nicht alleine verbringen wollten.