Beamter bleibt man bis zu seinem Ableben
22.06.2012 | 18:05 Uhr 2012-06-22T18:05:00+0200
Hagen. Der Schütz-Maiwald ist ein umfängliches, berüchtigtes Werk. Die nach ihren Autoren benannte Sammlung von Paragrafen, Gesetzen und Entscheidungen zum Beamtenrecht umfasst 13 Bände mit mehreren zehntausend Seiten. Passt also so richtig zu unserer durchbürokratisierten Gesellschaft, zu dem riesigen Wasserkopf an Behörden, Ämtern, Ministerien und Betrieben, die vor allem sich selbst und dann uns verwalten. Das geht eben nicht unter 13 Bänden.
Der Schütz-Maiwald ist ein umfängliches, berüchtigtes Werk. Die nach ihren Autoren benannte Sammlung von Paragrafen, Gesetzen und Entscheidungen zum Beamtenrecht umfasst 13 Bände mit mehreren zehntausend Seiten. Passt also so richtig zu unserer durchbürokratisierten Gesellschaft, zu dem riesigen Wasserkopf an Behörden, Ämtern, Ministerien und Betrieben, die vor allem sich selbst und dann uns verwalten. Das geht eben nicht unter 13 Bänden.
Thomas Köhler (46) ist so ein Staatsdiener. Seit 30 Jahren ist er Beamter, er arbeitet in der Stadtverwaltung, ist zweiter Vorsitzender des Personalrates. Zählt man alle Tochterunternehmen wie den Wirtschaftsbetrieb (WBH) hinzu, beschäftigt die Stadt knapp 3000 Mitarbeiter. Die viel geschmähten Amtsschimmel unter ihnen, die sich hinter ihrem Schreibtisch verschanzen, könne man an fünf Fingern abzählen, sagt Köhler: „Die Willi-Winzig-Typen im öffentlichen Dienst sind auf dem Rückmarsch. Mit dieser Einstellung kann man bei uns nichts mehr werden.“
"Es gibt 100 gute Gründe, in der Verwaltung zu arbeiten. "
Von den Beschäftigten werde heutzutage ein ausgeprägtes Dienstleistungsbewusstsein erwartet. Gefragt seien Mitarbeiter, die mit beiden Beinen im Leben ständen und ihren Verstand gebrauchten. Niemand schließe die Bürotür, bevor nicht auch dem letzten Besucher und seinem Anliegen Beachtung geschenkt worden sei. Im Übrigen sei die Belegschaft des Rathauses ein Spiegel der Hagener Bevölkerung: „Zugegeben, es gibt hier nicht nur Schöngeister und Freiheitsliebende, manche sind eben enger gestrickt“, so Köhler. Andererseits müssten die Mitarbeiter bei der Ausübung behördlicher Tätigkeiten bisweilen „pickelhart am Gesetz“ bleiben, die Vorschriften ließen ihnen keine andere Wahl: „Selbst wenn sie persönlich anderer Meinung sind.“
Thomas Köhler selbst entspricht denn auch nicht dem typischen Bild, das sich die Menschen von einem Beamten machen. Er trägt keinen mausgrauen Anzug. Er erzählt gern Beamtenwitze. Er setzt keine würdevolle Miene auf, wenn man ihn fragt, warum er Beamter geworden ist: „Mein Vater sah, wie ich ein Fahrrad reparierte. Da sagte er, ich ginge besser ins Büro.“ Die Aussicht auf einen sicheren Arbeitsplatz habe natürlich eine Rolle gespielt, als er sich nach der Realschule bei der Stadt Hagen bewarb, erinnert er sich: „Es gibt 100 gute Gründe, in der Verwaltung zu arbeiten. Die meisten Jobs sind von gesellschaftlicher Relevanz. Wer etwas Sinnvolles tun will und gern mit Menschen zusammenarbeitet, für den ist hier immer genug zu tun.“
720 Beamte im dienst der Stadt
Von den 3000 Beschäftigten im Dienste der Stadt besitzen lediglich 720 den begehrten Status eines Beamten, davon arbeiten 270 bei der Feuerwehr . Im Idealfall zeichnet den Beamten eine besondere Nähe zum Staat aus, er übernimmt Aufgaben hoheitlicher Art und gewährleistet, dass der Staat auch in Ausnahmesituationen, wenn etwa gestreikt wird, funktionsfähig bleibt. Der Beamte darf nicht streiken. Aber im Grunde bräuchte es gar nicht so viele Beamte, findet Thomas Köhler: „Die meisten Tätigkeiten können auch von angestellten Mitarbeitern erledigt werden.“ Es sei auch gar nicht wahr, dass ein Beamter, und wenn er noch so faul sei, automatisch befördert werde, stellt Köhler klar: „Jedenfalls nicht bei uns im Rathaus. Wer mehr verdienen will, muss den Job wechseln und sich auf eine höher dotierte Stelle bewerben.“
Bei den regelmäßig durchgeführten Bürgerbefragungen würden der Stadtverwaltung gute Ergebnisse bescheinigt, berichtet Köhler. Warum der Beamte in der öffentlichen Wahrnehmung trotzdem hartnäckig zum Faulpelz abgestempelt werde, sei ihm ein Rätsel. Das vieltausendköpfige Team der Stadtverwaltung sei von einem hohen Corpsgeist beseelt: „Wir sind ein Beispiel dafür, dass der öffentliche Dienst in Deutschland effektiv ist.“
"Beamter bleibt man bis zum Ableben"
Dass sich Vorurteile halten, liegt zweifellos an kuriosen Regelungen wie Paragraf 26 des Landesreisekostengesetzes NRW: „Wenn ein Beamter während der Dienstreise stirbt, so ist die Dienstreise beendet.“ Oder, wie es in den Unterrichtsblättern der Bundeswehrverwaltung lautet: „Der Tod ist die stärkste Form der Dienstunfähigkeit.“
Ja, manchmal hat eben auch ein engagierter Personalrat der Stadt schwer zu schleppen an dem überflüssig-dümmlichen Ballast, der das Beamtendasein umgibt. Trotzdem sagt Thomas Köhler, er vertrete seinen Stand aus Überzeugung: „Ich liebe meine Arbeit und mache das, was ich immer machen möchte.“ Er habe seine Erfüllung gefunden, fügt seine Frau hinzu. Am 31. Januar 2032, so spuckt es das Personalinformationssystem des Rathauses aus, muss er einen ausgeben. Dann geht er in Pension.
Dann wird er 50 Jahre Beamter gewesen sein. Und das wird er weitere Jahre bleiben, denn im Gegensatz zu einem Angestellten wird ein Beamter auch im Ruhestand von seinem Dienstherren bezahlt: „Beamter bleibt man bis zum Ableben“, sagt Thomas Köhler. „Und das ist gut so.“
07:57
Da wird einem ja schlecht.
09:38
ich verstehe hier die beamtenbascher schon wieder nicht.
seit ihr neidisch oder was.
stand euch ja frei selber einer zu werden.
und wißt ihr eigendlich was ein beamter in den ersten jahren verdient????
da würdet ihr nicht mal für aufstehen.
und das der staat keine rücklagen für die pensionen geschaffen hat
ja was kann denn der beamte dafür????
"und wißt ihr eigendlich was ein beamter in den ersten jahren verdient"
Nö, wissen wir nicht, was verdient er denn?
23:40
. . . mal was zum Krankenstand im Öffentlichen Dienst im Vergleich zur freien Wirtschaft! Und stimmt es etwa nicht, daß die Pension sich nach dem letzten Einkommen richtet (Gefälligkeits-Beförderung kurz vor Ruhestand) und die Rente nach völlig anderen Kriterien?
23:23
@ harkorten:
Mein Lehrer sagte immer, man soll keine Fremdwörter verwenden, wenn man sie nicht selber versteht oder wenn es gleiche, deutsche Entsprechungen gibt.
In Ihrem Fall empfehle ich den ersten Grund es zu vermeiden.
22:32
Kritischerkritiker, sind Sie ein Nihilist? Wenn man Ihre Lobhudeleien auf das einzigartige Beamtentum liest, könnte man das fast denken.
21:16
Deutschland zahlt mittlerweile für ganz Europa, unterstützt offensichtlich schwer korrupte und sparunwillige Länder. Aber hier treten die Leute auf einem Berufsstand herum, der seine Arbeit macht, denn der deutsche Beamtenapparat ist verglichen mit anderen Ländern hoch effizient. Und Korruption gibt eben nicht im hohen Stil in Deutschland. In Griechenland müssen Sie für einen läppischen neuen Pass schmieren und so fort bis zur Baugenehmigung. Aber Hauptsache, wir treten unsere eigenen Leute in den Hintern. Beschämend ist das.
20:35
natürlich bleibt man das.wo anders ,wenn nicht dort, verdient man seine kohle im schlaf und wird dazu auch noch regelmässig fürs nix tun hoch gehievt.
20:28
. . . darüber, daß es Menschen gibt, die behaupten, der deutsche Beamte sei unbestechlich. Zuletzt hat das der Kritischekritiker gesagt. Früher war das vielleicht wirklich mal so. Aber heutzutage ist der öffentliche Dienst in Deutschland in den Statistiken - ich habe den Namen der internationalen Organisation vergessen - in Sachen Korruption im "gesunden" Mittelfeld. Im Klartext heißt das: Auch Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in Deutschland sind bestechlich!!!
12:14
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10:57
Das Beamtentum gehört abgeschaft und auf die allernotwendigsten Funktionen und Stellen reduziert. Mir kann niemand erzählen, dass alle Beamten in der Stadtverwaltung "hoheitliche Aufgaben" wahrnehmen. Da sitzen oft Beamte und Angestellte sich gegenüber, machen die gleichen Aufgaben, nur mit dem Unterschied, dass der Beamter monatlich ein höheres Gehalt in der selben Stufe hat. Und dass Lehrer und andere Bildungsleute verbeamtet sein müssen, ist auch unnötig. Wenn Lehrer bald ihr Streikrecht gewährt bekommen, dann sollte man diesen Spuk aus Kaisers Zeiten endlich abschaffen. Die ganzen Pro-Beamten-Votierer sollten sich die fehlenden Rücklagen für die Beamtenpensionen anschauen. Was da auf uns Steuerzahler noch alles zukommt!