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Abzocke?

Bausparverträge und Lebensversicherung für 76-Jährige

10.06.2014 | 07:00 Uhr
Bausparverträge und Lebensversicherung für 76-Jährige
Annemarie Berg (li.) will mit ihrem Anwalt Ralf Buerger (re.) um das Geld kämpfen.Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Annemarie Berg fühlt sich abgezockt. Sie wollte ihre hart ersparten 20 000 Euro bei ihrer Hausbank sicher und zu jederzeit verfügbar anlegen. Die Bank vermittelte ihr zwei Bausparverträge und eine Lebensversicherung. Jetzt kämpft ein Anwalt um das Geld der Hagenerin.

Mag sein, dass Annemarie Berg die erforderlichen Unterschriften geleistet hat. Und wie sagt der Volksmund so schön: Die Hagenerin ist ja immerhin auch schon „dreimal sieben“. Trotzdem bleibt ein moralisch sehr, sehr bitterer Beigeschmack.

Die 76-Jährige wollte ihre hart ersparte Reserve von 20.000 Euro bei der Postbank so anlegen, dass sie immer verfügbar ist und es vielleicht einen netten Zinssatz gibt. Was sie in ihrem Alter vermittelt bekam, waren zwei Bausparverträge und eine Lebensversicherung. Sie fühlt sich ausgenutzt. Ihr Anwalt spricht von einer „miesen Tour“.

Ältere Menschen verfügen über freies Kapital

„Ältere Personen haben frei verfügbares Kapital. Da stürzen sich die Banken drauf“ sagt Rechtsanwalt Ralf Buerger von der Kanzlei Buerger und Schmaltz in Vorhalle. Er ist auf Bank- und Kapitalmarkrecht spezialisiert und kämpft jetzt um das Geld von Annemarie Berg.

Der Hagenerin hatte die Postbank vor zwei Jahren, da war Annemarie Berg 74 Jahre alt, einen Bausparvertrag vermittelt. Daraufhin noch eine Lebensversicherung und anschließend einen weiteren Bausparvertrag. Die Vertragskons­trukte wurden immer unübersichtlicher, die Einzahlungssummen immer unpraktikabler. „Ich habe meiner Hausbank blind vertraut“, sagt Berg, „ich habe nie irgendwelche Versicherungsscheine oder sowas gesehen.“ Nach allen Transaktionen und Vertragsangleichungen sind von den einstmals 20.000 Euro nur noch 16.463 Euro übrig, an die Berg noch dazu jetzt auch gar nicht so leicht herankommt. Rechtsanwalt Buer­ger konnte zumindest schon mal einen Teilerfolg erzielen: Die Bausparkasse hat die Bausparverträge kulanzhalber aufgelöst. „Jetzt kämpfen wir um den Rest des Geldes.“ Das bekommen wir notfalls gerichtlich wieder“, sagt er, „hier werden ältere Menschen schamlos ausgenutzt. Das ist Abzocke.“

Postbank reagiert

Annemarie Berg ist immer noch zutiefst geschockt. „Man vertraut der Bank ja auch, wenn man viele Jahre dort gewesen ist. Als ich aber mal genauer nachgefragt habe, hat man mir nur komplizierte Tabellen gezeigt.“

Die Postbank, so heißt es aus Bonn, habe den Fall geprüft. Den ersten Bausparvertrag hält man für eine „gute Entscheidung“, damit Berg sich ein zinsgünstiges Baudarlehen sichern konnte. Mit 74 (!) Jahren. Da zum damaligen Zeitpunkt kein Bedarf für eine Baufinanzierung bestand, habe Berg das frei werdende Guthaben in eine Lebensversicherung eingezahlt. Auch den zweiten Bausparvertrag hält die Postbank grundsätzlich für richtig. Die Vorwürfe des Anwalts würden jeglicher Grundlage entbehren.

Mike Fiebig

Kommentare
11.06.2014
11:08
Bausparverträge und Lebensversicherung für 76-Jährige
von PeterMeier1963er | #6

Ob da jetzt Postbank oder Deutsche Bank steht ist eigentlich egal. Die beiden Banken arbeiten nicht im Sinne des Kunden sonder n nur der Aktionäre....
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Bausparverträge und Lebensversicherung für 76-Jährige
Bausparverträge und Lebensversicherung für 76-Jährige
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2014-06-10 07:00
Hagen, Seniorin, Abzocke, Bausparvertrag, Lebensversicherung
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