Barrierearmes Haus mit Hindernissen

Jürgen Kloth vor dem defektem Aufzug in der Henschelstraße.
Jürgen Kloth vor dem defektem Aufzug in der Henschelstraße.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Weil der Aufzug nicht mehr funktioniert, können die behinderten Mieter im Haus des Wohnungsvereins ihr Zuhause seit Wochen nicht mehr ohne Hilfe verlassen.

Hagen-Wehringhausen.. Als Ulrike und Jürgen Kloth vor vier Jahren eine Wohnung in der Henschelstraße bezogen, galt ihr besonderes Augenmerk der Barrierearmut des neuen Domizils. Denn Frührentner Jürgen Kloth (63) ist schwer krank und auf den Rollstuhl angewiesen, um das Haus verlassen zu können. „Das Wichtigste war für uns der Aufzug“, sagt deshalb Ulrike Kloth: „Ohne den Aufzug wären wir hier nicht eingezogen.“

Aufgrund des Fahrstuhls entschied sich das Ehepaar sogar dazu, eine Wohnung im vierten Stock zu mieten, zumal Kloths mit dem Wohnungsverein Hagen, der das 28-Parteien-Haus in Wehringhausen errichtet hatte, stets beste Erfahrungen gemacht hatten. Doch jetzt droht der Genossenschaft ihr Kredit bei den Mietern abhanden zu kommen. Denn seit eineinhalb Monaten ist der Fahrstuhl defekt und darf die Tiefgarage nicht mehr anfahren. Für die vielen älteren Bewohner des Hauses, zumal jene mit Behinderung, eine nervenaufreibende Situation. „Ich kann meine Wohnung praktisch nicht mehr verlassen, jedenfalls nicht ohne Begleitung“, sieht sich Jürgen Kloth erheblich in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Der Lift bringt ihn zwar noch ins Erdgeschoss hinunter, aber eben nicht mehr in die Tiefgarage, in der sein Auto parkt. Zwar könnte Kloth mit seinem Rollstuhl ums Haus herum fahren, doch dann müsste er sowohl die schwere Hauseingangstür als auch die nicht minder massive Tür zur Tiefgarage öffnen – für einen Rollstuhlfahrer schlechterdings eine Unmöglichkeit.

Monteur durfte Störung nicht beseitigen

„Auch Nachbarn, die auf einen Rollator angewiesen sind, bekommen diese Türen nicht geöffnet“, schildert Mieterin Ingrid Schürmann das Problem. Aus einem barrierearmen ist so ein hindernisreiches Haus geworden. Eine freundliche Nachbarin hilft den Mietern, die wegen des defekten Aufzugs dazu nicht in der Lage sind, seit Wochen bei der Müllentsorgung. Denn manchmal versagt der Fahrstuhl komplett den Dienst. Wenn ein Bewohner trotz des Verbots die Tiefgarage ansteuert, bleibt der Fahrstuhl dort stecken. Mehrmals habe in den vergangenen Wochen ein Monteur anrücken und den Aufzug wieder in Bewegung setzen müssen, berichtet Jürgen Kloth. Kurios: Der Monteur durfte den Fahrstuhl zwar in Gang bringen, die eigentliche Störung aber nicht beseitigen. Mit der Folge, dass der Lift wieder und wieder in der Tiefgarage festhakte.

Beim Wohnungsverein ist das Problem mit dem renitenten Fahrstuhl sehr wohl bekannt. Es habe mehrere Reparaturversuche gegeben, die leider nicht den gewünschten Erfolg gebracht hätten, berichtete gestern Geschäftsführer Matthias Lüdecke. Die Situation sei sehr unbefriedigend. Jetzt soll aber alles ganz schnell gehen, versprach er: „Das Ersatzteil ist mittlerweile bestellt und wird am Mittwoch eingebaut. Insofern dürfte dass Problem abschließend beseitigt sein.“

Die Mieter würde es freuen, vor allem Jürgen Kloth. Er würde seine Wohnung gern einmal wieder verlassen, ohne auf die Hilfe seiner Frau angewiesen zu sein.