Bank-Handelsvertreter aus Hagen-Dahl hat Luxusleben von fremdem Geld finanziert

Das Schöffengericht in Hagen setzte ein Exempel: Eineinhalb Jahre Bewährungsstrafe für den Betrüger.
Das Schöffengericht in Hagen setzte ein Exempel: Eineinhalb Jahre Bewährungsstrafe für den Betrüger.
Foto: dapd
Was wir bereits wissen
Als Handelsvertreter der BHW-Bausparkasse war Kai S. zwischen Oktober 2011 und März 2012 zum Betrüger geworden. In sechs Fällen löste er heimlich die Bausparverträge von Kunden auf. Dazu fälschte er ihre Unterschriften und leitete die Geldbeträge auf sein privates Postbankkonto um. Gut 65.000 Euro räumte er auf diese Weise ab. Die BHW hat inzwischen alle betrogenen Kunden entschädigt.

Hagen-Dahl.. Auf Bank-Handelsvertreter Kai S. (25) aus Dahl traf lange Zeit der Spruch zu: Alles nur schöner Schein. „Ich war einfach nur großkotzig“, bekennt der junge Mann auf der Anklagebank heute reuevoll. Das schmucke Häuschen Am Obergraben: Von erschwindeltem Geld angemietet. Die beiden Autos: Mit ergaunertem Geld finanziert. Vielleicht wollte er sich zuletzt sogar nach Kuba absetzen.

Und womöglich stimmt sogar die abenteuerliche Geschichte von den rabiaten Geldeintreibern, die Kai S. dem Schöffengericht als Betrugsmotiv vortrug. Für ein fürstliches Leben auf der Überholspur, vor allem aber, um seine damalige Lebensgefährtin mit Geld zu beeindrucken, habe er sich zunächst 23.000 Euro geliehen. Von einen ihm nicht bekannten Privatmann. Regelmäßig hätte er größere Teilraten zurück gezahlt, am Ende gar gut 30.000 Euro. Im Parkhaus gegenüber dem Sparkassenkarree wären die Geldbeträge stets übergeben worden. „Immer kamen vier Personen, jedes Mal andere.“

Längst sei alles mit Zinsen bezahlt gewesen, da wurden weitere 20.000 Euro eingefordert. Um den Ernst der Lage zu verdeutlichen, sollen ihm die unbekannten Geldeintreiber Ende Februar sogar das Handgelenk gebrochen haben. Gestalten schlichen nachts ums Haus, machten Fotos, schickten Drohungen. Er sei nur in Angst gewesen.

Eineinhalb Jahre auf Bewährung

Selbst der sonst so misstrauische Richter Michael Brass glaubte ihm das: „Wir hören diese Geldeintreibergeschichten sehr oft als bequeme Ausrede. Doch hier drängt sich die Annahme auf, dass es das geschilderte Geschehen gegeben haben könnte.“ Das Gericht verhängte eineinhalb Jahre Haft, setzte die Strafe zur Bewährung aus. Der Verurteilte wurde auf freien Fuß gesetzt.

Sein samtweiches Luxusleben hatte Kai S. in den letzten sechs Wochen ohnehin gegen harte Untersuchungshaft eintauschen müssen. Am 11. August war er in Handschellen aus Dahl abgeführt worden. Die Ex-Freundin hatte zuvor gegenüber der Polizei behauptet, er hätte eine Flucht nach Kuba geplant und sich dafür bereits den Reisepass besorgt. Das Amtsgericht erließ daraufhin einen Haftbefehl.

Kurzaufenthalt im Hagener Gefängnis hat Spuren hinterlassen

Der Kurzaufenthalt im Hagener Gefängnis („das Schlimmste, was ich bisher erleben musste“) hat Kai S. nicht nur psychisch zugesetzt, sondern auch optisch. Das Haar ist auffällig kurz geschoren. „Mitgefangene haben ihn malträtiert und Kaugummis auf den Kopf gedrückt“, verrät Verteidigerin Stephanie Risse (Paderborn), „darum musste er die Haare abschneiden lassen.“

Familie steht fest hinter dem Angeklagten

Im Knast sei ihm vieles klar geworden. Sehr gerne würde er sich bei den Kunden der Bausparkasse in einem Brief entschuldigen, „aber ich kenne die Leute ja gar nicht.“ Die Familie des Angeklagten steht fest hinter ihm. Sie hat 4000 Euro zur Schadensregulierung locker gemacht. Die Großeltern bieten eine mietfreie Wohnung an, der Bruder hilft, einen neuen Job zu finden. Es wird schwierig. Die BHW hat den Dahler im Juni gezwungen, den so genannten Offenbarungseid abzulegen.

Als sein Vermögen gab er drei Euro und 72 Cent an. Und die Ex-Lebensgefährtin, der er einen Mini geschenkt hatte, will den Wagen nicht herausgeben. Mit ihr streitet er auch ums Umgangsrecht für das gemeinsame Kind: „Das wichtigste ist jetzt mein kleiner Sohn.“