Bach-Werke im Mittelpunkt

Bei der Karfreitagsmatinee  in der Kirche am Widey trat u.a. Kenneth Mattice (neuer Bariton am Theater) auf.
Bei der Karfreitagsmatinee in der Kirche am Widey trat u.a. Kenneth Mattice (neuer Bariton am Theater) auf.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Ein großes Publikum feierte den Karfreitag mit der ­Matinee des Philharmonischen Orchesters unter der Leitung von Florian Ludwig in der Kirche Am Widey.

Hagen-Mitte..  Ein großes Publikum feierte den Karfreitag mit der ­Matinee des Philharmonischen Orchesters unter der Leitung von Florian Ludwig in der Kirche Am Widey.

Im Mittelpunkt des Bach-Konzerts stand der Initiator dieser Reihe – Andreas Mirschel, Oboe. Die Bußkantate „Ich habe genug“ BWV 82 verlieh der Vorbereitung auf den Tod friedliche Züge. Die Solo-Oboe umspielte beschwingt in der ersten Arie den Gesang des Bassisten Kenneth Mattice, ausgestattet mit flexiblem dunklem Timbre und einem langen Atem für die Endlos-Koloraturen bei der Hervorhebung der Text-Höhepunkte.

Streicher setzen behutsame Akzente

Die Streicher setzten behutsame Akzente und wiegten den Sänger sanft: „Schlummert ein, ihr matten Augen.“ Die Arie „Ich freue mich auf meinen Tod“ setzte dem Werk ein euphorisches Ende. Das Konzert für Oboe d`amore D-Dur BWV 1053R schilderte, bleibt man beim Thema, die himmlischen Freuden des vom Leben Erlösten.

Der Solist meisterte das fröhliche, tänzerisch leichte Allegro mit wendiger Tongebung und virtuoser Technik. Auch im Eiltempo hielten die zahlreichen Verzierungen ­immer perfekt konform mit dem Orchester Schritt. Sehr ausdrucksvoll kommunizierten Streicher und Oboe im durch die Wendung in eine Moll-Tonart gedeckten Siciliano miteinander, vom Basso continuo mit „Herzklopfen“ in gleichmäßigen Noten begleitet, besonders betont durch den Wechsel vom Orgel-Positiv zum Cembalo.

Überbordende Freude charakterisierte den Schluss-Satz mit eleganten Endlos-Kantilenen des Solisten.

Der Dirigent ließ – und das ohne Taktstock – vor allem seine Hände sprechen, zarte Staccato-Tupfer, Schwungholen zum Forte, fließende Melodik, sanfte Ruhepunkte hervorrufend.

Das Publikum in der Kirche am Widey brach in begeisterte Bravo-Rufe aus und bescherte dem Solisten quasi viele Vorhänge. Es ist seine letzte Karfreitags-Matinee.

Bei der berühmten „Kreuzstab-Kantate“ BWV56 verstärkten drei Oboen und ein Fagott den Orchesterklang. Schwere „Seufzer“-­Ketten symbolisierten in der ersten Arie die irdischen „Plagen“.

Euphorisch und fröhlich

Die Rezitativbegleitung drückte die Wellen des Lebens, im Text einer Schifffahrt gleichgesetzt, in auf- und absteigenden Dreiklangsbewegungen des Violoncellos aus. Die Arie „Endlich, endlich wird mein Joch /Wieder von mir weichen müssen“ wurde von Oboe und Fagott als Solo-Instrumente ohne Streicher euphorisch-fröhlich umspielt.

Das folgende Rezitativ/Arioso griff im Schluss die letzten Sätze der ersten Arie mit ihrem beschwingten Tempo wieder auf.

Ein schlichter Choral, gesungen von Christina Léa Meier, Sopran, Anja Frank-Engelhaupt, Alt, Bumchul Kim, Tenor, und Sebastian Joest, Bass, setzte den Schluss-Akkord. Ohne Zweifel ein ausdrucksvoller musikalischer Gottesdienst. am Karfreitag.