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Finanznot

Auszubildende ziehen gegen Stadt vor Gericht

02.08.2010 | 18:11 Uhr
Auszubildende ziehen gegen Stadt vor Gericht
Am 1. August 2007 begrüßten der damalige Oberbürgermeister Peter Demnitz die neuen Auszubildenden. Neben dem Vertrag gab’s eine feste Zusage für eine spätere Übernahme.

Hagen.Sie haben es schwarz auf weiß: „Ausbildungskräfte mit den Prüfungsnoten ,sehr gut’, ,gut’ und ,befriedigend’ werden in ein volles unbefristetes Beschäftigungsverhältnis übernommen.“Das soll nicht mehr gelten. Jetzt wollen städtische Azubis klagen.

So steht es unter der Überschrift „Weiterbeschäftigung nach der Berufsausbildung“ in einer Broschüre, die im Jahr 2007 an jene jungen Menschen verteilt wurde, die ihre Ausbildung bei der Stadt begannen. Heute soll diese Zusage nichts mehr zählen. Rund 50 Auszubildende stehen bald auf der Straße und wollen nun die Stadt verklagen.Wie bei so vielen Problemen in dieser Stadt: Die desaströse Finanzsituation ist schuld. Das unterscheidet Hagen nicht von anderen Kommunen. Im gesamten Ruhrgebiet werden Auszubildende nicht mehr übernommen. Aber: „Eine derartige Zusage kenne ich nur aus Hagen“, so Günter Brandau, Personalratsvorsitzender. „Das, was schriftlich fixiert wurde, hat der damalige Oberbürgermeister Peter Demnitz bei der Begrüßung der neuen Auszubildenden am 1. August 2008 noch einmal bestätigt.“ Auch auf Personalversammlungen 2007 und 2008 habe Demnitz die Zusagen wiederholt.

Worte, auf die sich die jungen Leute einst verlassen haben. Die bei vielen sogar maßgeblich dafür waren, die scheinbar sichere Stelle bei der Stadtverwaltung anzunehmen und anderen Ausbildungsbetrieben abzusagen.

Heute sollen diese Worte nichts mehr wert sein. Denn der Oberbürgermeister ist ein anderer. Die Lage in der Stadt ist eine andere. Und die Bezirksregierung hat den Übernahmestopp verfügt.

„Schon diejenigen, die 2009 fertig wurden, haben noch eine Anstellung für ein halbes Jahr bekommen - verbunden mit der Aufforderung, sich woanders zu bewerben“, sagt Günter Brandau. „Für den Jahrgang 2010 gilt dasselbe.“

Junge Menschen für die Arbeitslosigkeit ausgebildet

Immerhin werden sie bei der Jobsuche durch die Agentur Mark unterstützt. Die Aussichten auf Erfolg aber sind gering. Insbesondere für jene, die sich zu Verwaltungsfachangestellten haben ausbilden lassen. „Die Verwaltung hat diese jungen Menschen für die Arbeitslosigkeit ausgebildet“, sagt Brandau. „Dabei hieß es in sämtlichen Verwaltungsvorlagen zu diesem Thema, es werde nach Bedarfslage ausgebildet.“

Jetzt motivieren der Personalrat und die Gewerkschaft Verdi die Auszubildenden (zwölf Brandmeister, 17 Auszubildende im gewerblich/technischen Bereich, 21 im Verwaltungsbereich) gemeinsam gegen die Verwaltung vor das Arbeitsgericht zu ziehen. 18 Klagen sind bereits vorbereitet. Wenn dieser Tage die letzten Prüfungsergebnisse vorliegen, sollen weitere folgen. „Die jungen Leute haben nichts zu verlieren“, sagt Brandau, „wir haben einen hohen Organisationsgrad und unterstützen sie, so gut wir können.“

Im September will Oberbürgermeister Jörg Dehm einen neuen Personalbedarfsplan vorstellen, in dem die Reduzierung von mehr als 700 Stellen geregelt werden soll. Dass darin doch noch vereinzelt übernommene Auszubildende auftauchen, ist kaum zu vermuten. „Es mag den ein oder anderen Fall geben“, sagt Brandau, „aber im Grunde muss man realistisch sein.“

Jens Stubbe

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Kommentare
05.08.2010
11:09
Auszubildende ziehen gegen Stadt vor Gericht
von Exilhagener | #45

Manchmal muss man genau lesen, bei der WP wohl zunehmend öfter:

Während man aus der Überschrift entnehmen könnte, dass es einen Rechtsstreit geben WIRD, liest man weiter unten nur, dass die Verdi auf die Azubis einredet, sowas mal zu erwägen. Was stimmt den nun? Was scheinbar nicht stimmt ist, dass die Brandmeister überhaupt betroffen sind. Woher mag diese Info für Herrn Stubbe kommen und WARUM?

05.08.2010
08:54
Auszubildende ziehen gegen Stadt vor Gericht
von Gerechtigkeit? hahaha | #44

@38

Sie kennen doch sicherlich das Sprichwort:

Eine Krähe hackt der Anderen kein Auge aus.

Es wäre doch ein zu großer Verlust, wenn der nette Herr Belgin nicht mehr zu den Cocktailparties unserer Hochwohlgeborenen erscheinen mag.

04.08.2010
22:13
Auszubildende ziehen gegen Stadt vor Gericht
von gerechtigkeit? | #43

Mal schauen, ob die Stadtverwaltung im kommenden Jahr auch andere Zeitverträge auslaufen lassen wird. Da gibt es den Museumsdirektor Belgin, dessen hochdotierter Vertrag zur Verlängerung ansteht. Ob da auch gespart wird? Wirklich gebraucht wird er ja nicht, denn seine Stellvertreterin ist schon renommiert und felißig genug. Mal schauen, nach welchen Maßstäben bei diesem Spitzenverdiener gemessen wird. Wenn die einschlägig bekannten Kunstfreunde laut klagen, dann wird dieser Vertrag bestimmt verlängert. Schließlich wird er ja eher gebraucht als irgendwelche kleine Angestellten.

04.08.2010
20:28
Auszubildende ziehen gegen Stadt vor Gericht
von wuetender Hagener | #42

@32 Diese Ausbildung wird auf kommunaler und Bundesebene immer gebraucht und ist alles andere als an der Realität vorbei!

Anscheinend verwechseln Sie den theoretischen Bedarf mit der praktischen Nachfrage. Sie scheinen Theorie und Praxis nicht voneinander unterscheiden zu können.

Worauf soll man noch bauen..(Rest ist dummer blabla)

Man sollte zuerst auf seine eigenen Fähigkeiten vertrauen und nicht darauf, dass die lieben Mitbürger einen schon ordentlich durchfüttern werden. Falls Sie es nähmlich noch nicht gemerkt haben, wir steuern direkt auf einen Staatsbankrott zu. Aber wie gesagt, Sie scheinen Realität und persönliche Träume miteinander zu vermischen.

04.08.2010
18:44
Auszubildende ziehen gegen Stadt vor Gericht
von S.Sauer | #41

@35 von die Wirtschaft brummt

Ja und was hat das Eine mit dem Anderen zu tun?

04.08.2010
18:15
Auszubildende ziehen gegen Stadt vor Gericht
von die Wirtschaft brummt | #40

Die Wirtschaft brummt wieder, der Dax steigt und es wird überlegt Fachkräfte aus dem Ausland zu hohlen.
Da werden die Leute auf die Straße gesetzt weil angeblich kein Geld da ist.Bahnhofshinterfahrung,Museum,neue Feuerwachen für schrumpfende Stadtteile,gehts noch?

04.08.2010
14:48
Auszubildende ziehen gegen Stadt vor Gericht
von HardEddy | #39

#32

Wer sich an der Realität vorbei ausbilden läßt, der hat eben Pech gehabt... (!!!???)

Also sowas dämliches hab ich schon lange nicht mehr gehört! Diese Ausbildung wird auf kommunaler und Bundesebene immer gebraucht und ist alles andere als an der Realität vorbei! Worauf soll man noch bauen, wenn selbst ein Ausbildungsberuf, der noch vor 5 Jahren als mitunter einer der zukunftssichersten galt, nichts mehr wert ist und man danach ebenso (und noch viel chancenloser) wie in der freien Wirtschaft auf der Straße steht?!

04.08.2010
10:07
Auszubildende ziehen gegen Stadt vor Gericht
von Markus Kostezer | #38

Beamte nützen nur sich selber.

04.08.2010
08:40
Auszubildende ziehen gegen Stadt vor Gericht
von wuetender Hagener | #37

Sollen sich die jungen Leute eben einen anderen Arbeitgeber suchen.

Bei solchen Klagen geht mir der Hutkragen hoch. Als Hagener kann ich nur sagen: Auf meine Kosten wird und wurde genug schmarotzt. Wer sich an der Realität vorbei ausbilden läßt, der hat eben Pech gehabt. Es kann nicht sein, dass ich als Steuerzahler für die Träume und das Sicherheitsbedürfnis Anderer aufkommen soll, deren (Zwangs-)Dienstleistung ich gar nicht benötige. Sind wir hier schon in der DDR?

04.08.2010
07:26
Auszubildende ziehen gegen Stadt vor Gericht
von wei | #36

das ist doch mittlerweile ein alter Hut-würde mich nicht wundern wenn Neubesetzungen in den Verwaltungen über Leihfirmen die Zukunft werden,spart unheimlich viele Kosten.

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