Ausstellung über das Leben eines Urpreußen

Jörg Bielefeld hat das Buch „Bismarcktürme" verfasst.
Jörg Bielefeld hat das Buch „Bismarcktürme" verfasst.
Foto: WP
Wer sich der Mühe unterzieht, die 74 Stufen des Bismarckturms hinaufzukraxeln, der wird neben einer herrlichen Aussicht mit Informationen über den Eisernen Kanzler bedacht.

Hagen/Wehringhausen.. Bismarck in aller Munde! Vor 200 Jahren wurde der eiserne Kanzler geboren, die Erinnerung an den vielleicht bedeutendsten deutschen Politiker schlägt sich in zahlreichen Büchern, TV-Dokumentationen, Briefen und Gedenkmünzen nieder. Auch der Förderverein Bismarckturm Hagen hat das Jubiläum zum Anlass einer Ausstellung genommen, die die wichtigsten Stationen im Leben des „Urpreußen und Reichsgründers“ dokumentiert. Wo? Im Bismarckturm natürlich.

Wer sich der lohnenswerten Mühe unterzieht, die 74 Stufen zur Aussichtsplattform hinaufzukraxeln, der wird nicht nur mit einer herrlichen Aussicht über Hagen bedacht, sondern erfährt auf zehn Schautafeln auch, welche politischen Leistungen den märkischen Junker Otto von Bismarck (1815 bis 1898) so legendär machten. „Er war schon eine widersprüchliche und zugleich faszinierende Persönlichkeit“, urteilt Jörg Bielefeld vom Hagener Bismarckturm-Verein.

Fassade im Originalzustand

Seit der Gründung im Januar 2011 hat der Verein 350 .000 Euro in die Sanierung des Turms, der 2006 wegen Baufälligkeit geschlossen worden war, gesteckt (rechnet man die ehrenamtlichen Arbeitsstunden hinzu, kommt man auf 400 .000 Euro). Noch ist das Hagener Wahrzeichen nicht vollständig restauriert. Zwar sieht die Fassade wieder so aus wie im Originalzustand 1901, als der Turm im Gedenken an Bismarck von Hagener Bürgern errichtet wurde. Und eine Ausstiegsluke schützt das Innere des alten Gemäuers, in das über 100 Jahre lang Regen und Schnee ungehindert eindringen konnten, vor weiterem Niederschlag. Doch zwei Jahre wird es wohl noch dauern, bis die Wackersteine endgültig durchgetrocknet sind: „Dann werden wir den Turm von innen verputzen können“, kündigte Vereinschef Stefan Sieling an: „Dafür benötigen wir noch einmal 20. 000 Euro.“ Das Geld soll, wie in den vergangenen Jahren, durch Spenden hereingeholt werden.

Knapp 80 Vereinsmitglieder

Die knapp 80 Vereinsmitglieder würden sich wünschen, dass das Gelände rund um den Bismarckturm wieder zum Freizeitrevier der Hagener Bevölkerung wird. Jahrzehntelang war der Goldberg eine beliebte Anlaufstelle. „Ich bin als Kind häufig hier oben gewesen“, erinnert sich Werner Kahlki (65), der den Turm als erster Gast in diesem Jahr am 1. April, Bismarcks Geburtstag, bestieg: „Damals wurde dauernd die Geschichte von dem Kugelblitz erzählt.“ Kahlki meinte jenes Unglück im Jahr 1948, als ein Blitz in den 24 Meter hohen Turm einschlug und sechs Menschen tötete.

Der Hagener Turm war einer von 240 Bismarcktürmen, die nach Bismarcks Tod, als der Nachruhm des Kanzlers einsetzte, errichtet wurden. Für geschichtliche Interessierte, die mehr über den damaligen Türme-Hype in Erfahrung bringen möchten, haben Jörg Bielefeld und Alfred Büllesbach den Bildband „Bismarcktürme“ verfasst, der für 28 Euro am Kiosk unterhalb des Turmes zu erwerben ist. Die Hälfte des Kaufpreises fließt als Spende an den Hagener Turmverein.

Vorbild für weitere Rettungsaktionen

Vielleicht taugen die Tatkraft und Unverdrossenheit der Vereinsmitglieder ja zum Vorbild für die Rettung weiterer zerfallender Bauwerke in der Stadt. Das hofft jedenfalls Stefan Sieling, der auf den Freiherr-vom-Stein-Turm auf dem Kaisberg in Vorhalle verweist: „Das ist eigentlich der älteste und schönste aller Hagener Türme. Leider verfällt er zusehends.“

Was auch daran liegen könnte, dass der Freiherr vom Stein, obwohl ebenfalls ein bedeutender Staatsmann und Sozialreformer, bei weitem nicht so populär geworden ist wie der sagenhafte Bismarck.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE