Ausstellung in Hagen: Banale Realität gefundener Gegenstände

Rouven Lotz, wissenschaftlicher Leiter des Emil-Schumacher-Museums, mit einer Raster-Collage aus dem Jahre 1975.
Rouven Lotz, wissenschaftlicher Leiter des Emil-Schumacher-Museums, mit einer Raster-Collage aus dem Jahre 1975.
Bilder, Gouachen und ­Objekte, die allesamt das Material an sich in den Vordergrund stellen, zieren ab Samstag, 20. Juni, die Wände des Emil-Schumacher-Museums in Hagen.

Hagen.. Bilder, Gouachen und ­Objekte, die allesamt das Material an sich in den Vordergrund stellen, zieren ab Samstag die Wände des Emil-Schumacher-Museums. Wobei das Material eine Bandbreite von Papier, Holz, Schiefer, Stein, Draht, Stoff und Laub bis hin zu ­Sisal und Kartoffelkraut abdeckt.

„Bild und Objet Trouvé – Von der Magie und Sinnlichkeit des Materials“ ist denn auch die Ausstellung im Kunstquartier überschrieben.

Das Material rückt in den Fokus

85 Werke – die ersten in den 50er Jahren, die letzten in den 90ern entstanden – zeugen von Emil Schumachers Absicht, das Gezeigte nicht als Objekt einer realen Welt abzubilden, sondern das Material seiner selbst willen zu verwenden. „In diesem Punkt unterscheidet sich Emil Schumacher deutlich von den Pop-Art-Künstlern“, unterstreicht Rouven Lotz. „Wenn der Künstler in eine Collage zum Beispiel Socken einarbeitet, dann nicht, um das Kleidungsstück in den Fokus zu rücken, sondern um das Material darzustellen“, führt der wissenschaftliche Leiter aus. Die banale Realität gefundener Gegenstände (franz. Objets Trouvés) hat Emil Schumacher sein Leben lang fasziniert. Ein Beispiel hierfür: Einst zerknüllte der Künstler „ganz nebenbei“ und ohne Intention Papierstücke und Pappkarton. Das eigentlich für den Müll bestimmte Knäuel entdeckte Schumacher dann jedoch für sich neu – das ursprünglich verworfene Material mutierte zur „zufälligen Kunstwerk-Spielerei“. Emil Schumacher bearbeitete die Papier-Collage mit Acryl und platzierte sie in seinem Atelier auf Ibiza an der Wand. Ab Samstag kann auch diese Spielerei im Kunstquartier inspiziert werden. . .

Emil Schumacher (1912 – 1999) verfolgte viele Jahre ein Ziel – die Überwindung des Vierecks in der Malerei. „Das Viereck symbolisierte für ihn eine Grenze, bedeutete Einengung“, erläutert Rouven Lotz. Aus diesem Grund akzeptierte Schumacher den Rahmen eines Bildes auch häufig nicht als Begrenzung, sondern bezog ihn ins Kunstwerk ein, „die Ränder wirken oft ausgefranzt“.

Die neue Ausstellung, die sich über zwei Etagen erstreckt, zeigt reliefartige Tastobjekte, informelle Bilder mit pastosem Farbauftrag und einige bisher noch nie gezeigte Werke wie die Collage mit Nägeln. Während ein Objekt von 1957 ein reines Nagel-Chaos zeigt, wirkt die 1975 erstellte und nun erstmals der Öffentlichkeit präsentierte Raster-Arbeit weit strukturierter; die Nägel bilden eine strenge Ordnung ab.

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