Ausraster auf Autobahn war fast Selbstmord

Hagen/Unna.. Der Amtsrichter fragte sich „nach dem Geisteszustand“ des 28-jährigen Hageners, der Anfang Juni dieses Jahres auf der Autobahn A 1 bei Unna fast eine Katastrophe ausgelöst und damit Menschenleben gefährdet hätte: „Ein Selbstmordspiel, das zu einer Katastrophe hätte führen können“, so der Vorsitzende Richter Jörg Hüchtmann am Amtsgericht Unna.

Die Anklage warf dem IT-Experten zweifache Nötigung und eine vorsätzliche Gefährdung des Straßenverkehrs vor. Am Himmelfahrtstag im Juni dieses Jahres war der Angeklagte gegen 21 Uhr auf der A 1 Richtung Köln kurz hinter dem Kreuz Unna/Dortmund mit seinem Audi A 5 und Tempo 180 nach Hagen unterwegs, als plötzlich vor ihm ein VW-Campingbus zum Überholen von der mittleren auf die linke Fahrspur wechselte. „Ich habe eine Vollbremsung machen müssen“, schilderte der 28-Jährige den alles auslösenden Moment.

Ausbremsen bis zum Stillstand

Daraufhin überholte er den Bully rechts und schob sich wieder links vor ihn, so dass dessen Fahrer seine Flucht auf den rechten Fahrstreifen suchte. Doch der Angeklagte schob sich erneut vor den VW-Bus und bremste diesen – mitten auf der Autobahn – endgültig bis zum Stillstand aus. In Rage stieg der Fahrer aus, ging über den mittleren Fahrstreifen zum VW-Fahrer aus Burbach (55), riss dessen Tür auf und schrie ihn an: „Was soll der Scheiß? Willst du mich verarschen?“

Reaktionsschnell verwies ihn der 55-Jährige wegen des Verkehrs auf der Bahn auf die Standspur und nutzte selbst den Augenblick, um den völlig außer sich geratenen Hagener auf der Standspur zu überholen und „vor dem Amokläufer hinter einem großen Fahrzeug Schutz zu suchen“, so der Zimmermann aus Burbach. Es sei „ein großes Wunder, dass da nichts passiert ist, weil sehr viele Autofahrer sehr gut reagiert haben“, sagte er im Zeugenstand. Direkt „nach diesen Attacken“ sei er zur Polizei gefahren und habe Anzeige erstattet.

Es sei allein dem „versierten und besonnen Verhalten“ der anderen Fahrer zu verdanken, dass es nicht zu einer Katastrophe gekommen ist, so Richter Jörg Hüchtmann. Er verurteilte den Hagener wegen zweifacher Nötigung und vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs zu 6 500 Euro Geldstrafe, den Führerschein zog er für zwei Jahre ein. Der Angeklagte will sich freiwillig in psychologische Beratung begeben.