Aufbruchstimmung an der Rehstraße

Der alte Standort der Mark E an der Rehstraße wird als "Stadtwerk" mit Gewerbebetrieben wiederbelebt.
Der alte Standort der Mark E an der Rehstraße wird als "Stadtwerk" mit Gewerbebetrieben wiederbelebt.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Momentan wird das ehemalige Wehringshauser Enervie-Areal noch von der Automobil-Branche dominiert. Doch es gibt neue Pläne für den Gewerbehof: In Bälde soll er sich als Zentrum für Dienstleistungen, Service, Handel und Handwerk etablieren.

Wehringhausen.. Von der Reh­straße aus wirkt das einstige Wehringhauser Enervie-Areal weiterhin verwaist. Doch wer durch das Stahltor neben der Pförtnerloge tritt, bekommt bereits nach wenigen Metern ein Gefühl dafür, dass sich in den leer gezogenen Hallen und Gebäuden schrittweise Vitalität und Aufbruchstimmung breit machen. Als „Stadtwerk“ möchte der Gewerbehof, auf dem sich bislang vorzugsweise Kfz-affine Gewerke ansiedeln, sich als Zentrum für Dienstleistungen, Service, Handel und Handwerk etablieren.

Mittendrin Adrian Korzuch mit der ersten Hagener Cross-Fit-Box. Im Gegensatz zu den üblichen Kraftsport- und Fitnesstempeln wirkt die etwa 400 Quadratmeter große Halle auf den ersten Blick eher spartanisch – ein fataler Trugschluss. „Hier werden fitte Sportler noch fitter gemacht“, beschreibt der Profitrainer maximal-intensive Trainingsprogramme, die Übungen aus dem Turnen, Gewichtheben und der Leichtathletik zu einem Hochleistungsprogramm vereinen.

Automobil-Branche dominiert

Ein Trendsport aus den USA, der vor allem in Kleingruppen trainiert wird und sich gerade in Europa als Wettkampfsport zu etablieren beginnt. „Wir versuchen, die Kursteilnehmer an ihre Grenzbereiche heranzuführen“, möchte Korzuch in seiner Cross-Fit-Box auf die in einer Ecke diskret platzierte Sandtonne nicht verzichten, wo die Aktiven sich im Notfall von ihrem Mageninhalt trennen können. Aber auch sanftere Basic-Kurse für Starter und Schnuppertrainings für Neugierige runden das anspruchsvolle Angebot ab.

Um die Cross-Fit-Box herum dominiert – mal abgesehen von einem Service-Betrieb für vertikale Plattensägen – die Automobil-Branche. Neben dem Kfz-Sachverständigen und Unfallgutachter Andreas Marx hat auch der Kfz-Meisterbetrieb Andreas Richstein sich auf 800 Quadratmetern mit Achsvermessungsanlage und Hebebühne für 7,5-Tonner bereits etabliert. Außerdem findet sich in einer der ehemaligen Enervie-Werkstätten der Hagelschadeninstandsetzungs- und Dellenentfernungsbetrieb „Hagelfix“, der mit dem Bildungsträger für berufliche Fortbildungen „Aegos“ kooperiert. Weitere 600 Quadratmeter sind bereits für den derzeit noch an der Alexanderstraße ansässigen Lackier-, Aufbereitungs- und Karosserie-Betrieb „Car-Med“ reserviert.

Büros für junge Start-up-Unternehmen

Ebenso nimmt die Belegung des einstigen Verwaltungsgebäudes entlang der Rehstraße allmählich Gestalt an. Versicherungsmakler Stephan Kollmann, der das „Stadtwerk“-Areal gemeinsam mit einem Kompagnon erworben hat, wird sein Gevelsberger Büro aufgeben und mit seinem Team dort im Mai eine 400 Quadratmeter große „Asskoll“-Dependance eröffnen. Unterzeichnet ist auch schon der Mietvertrag mit der Firma Petzoldt-Lacke, die dort – neben Workshop- und Seminarprogrammen für Autoclubs – klassischen Verkauf anbietet.

Erwin Dreier wird sich um das gastronomische Angebot im „Stadtwerk“-Karree kümmern. Ebenso hat die Hagen-Agentur bereits einen Fuß in die Tür gestellt: Auf insgesamt 200 Quadratmetern möchte die städtische Gesellschaft Büros für junge Start-up-Unternehmen bzw. Co-Working-Arbeitsplätze anbieten, um jungen, innovativen Existenzgründern den Weg in die Selbstständigkeit ein wenig zu erleichtern.

In Verhandlungen befindet sich Kollmann noch für die beiden Solitär-Gebäude in der Mitte des Gewerbehofs. Für den hinteren Verwaltungskomplex mit 1500 Qua­dratmetern Bürofläche und eigener Fahrzeughalle interessiert sich eine bundesweit agierende Einzelhandelskette, die über einen eigenen Fuhrpark verfügt. Aber auch Dienstleister, Juristen und Steuerberater meldeten bereits Interesse an. Ebenso klopfen schon reichlich Privatleute an, die nach einer sicheren Unterstellmöglichkeit für XXL-Wohnmobile suchen.

Übersichtliches Interesse

Komplizierter gestaltet sich die Vermarktung des Backstein-Magazingebäudes, in dem Kollmann auf Ausstellungs- und Werkstattflächen für das heimische Handwerk gesetzt hatte. Doch bislang zeigen die heimischen Zünfte nur übersichtliches Interesse an dem Standort. „Natürlich wären wir glücklich, wenn wir in unserer Nähe über solche Präsentationsräume verfügen würden“, betont Michael Plohmann, Geschäftsführer der im Gewerbepark Kückelhausen ansässigen Kreishandwerkerschaft.

Allerdings täten sich die Innungen schon schwer damit, das „Teamwerkerhaus“ an der Handwerkerstraße attraktiv und aktuell auf Stand zu halten. „Der Funke hat noch nicht gezündet“, sieht Plohmann die Kollmann-Idee noch in weiter Ferne.

Ein Signal, das den Investor, der weiterhin auf langen Atem setzt, um das „Stadtwerk“-Areal vor allem mit qualitätvollen Anbietern zu füllen, keineswegs beunruhigt: „Auch die Sanitäts- und Orthopädie-Branche kann sich mit dem ungewöhnlichen Gebäudeschnitt durchaus anfreunden“

Bislang läuft die Vermarktung des Areals ohnehin bloß über Mund-zu-Mund-Propaganda. Ein in Auftrag gegebenes Werbekonzept aus einem Guss wird in den nächsten Wochen die Aufmerksamkeit erhöhen. Dann wird auch nach außen sichtbar, dass ein tot geglaubtes Gewerbegebiet am Rande der B 7 schrittweise als „Stadtwerk“ reanimiert wird.