Auf Spurensuche mit Gerd Otto

Gerd Otto hält Vorträge in seiner Vortragsreihe „Deutschlandreise Stadtgeschichten".
Gerd Otto hält Vorträge in seiner Vortragsreihe „Deutschlandreise Stadtgeschichten".
Foto: WP Michael Kleinrensing
Für seine neue Vortragsreihe „Deutschlandreise - Stadtgeschichte(n)“ hat sich der pensionierte Lehrer Gerd Otto (75) auf Spurensuche begeben und zahlreiche der beeindruckendsten Orte unseres Landes besucht.

Hagen.. Deutschland ist nicht nur ein hoch entwickeltes und wirtschaftlich starkes Land, geprägt wird es vor allem von seiner langen Geschichte und vielfältigen Kultur. Es gibt nicht, wie in anderen Staaten, eine alles überragende Metropole, sondern viele bedeutende und ganz unterschiedlich geprägte Städte mit einer jeweils eigenen Identität. Für seine neue Vortragsreihe „Deutschlandreise-Stadtgeschichte(n)“ hat sich Gerd Otto (75) auf Spurensuche begeben und zahlreiche der beeindruckendsten Orte unseres Landes besucht. Sein ­Resümee: „Jede dieser Städte hat ihr spezifisches Flair, ihre spezifische Kultur, ihre spezifische Geschichte.“

Mittelgroße Städte im Visier

Die Entstehung der deutschen Städte beschäftigt den ehemaligen Lehrer aus Eppenhausen seit Jahren. Um ihren Charakter zu entschlüsseln und mehr über die Befindlichkeit ihrer Bewohner zu erfahren, hat er es nicht bei Museumsbesuchen und der Besichtigung markanter Bauwerke bewenden lassen, sondern sich tagelang in einer Stadt eingemietet und auf Gespräche mit den Menschen eingelassen. Von Nürnberg (510.000 Einwohner) und Dresden (530. 000) abgesehen, stellt er in seinen Vorträgen ausschließlich mittelgroße Städte vor. „In den meisten von ihnen war das Marktrecht Grundstock der Entwicklung“, so Otto. „Wo Handel getrieben wurde, konnte sich mit der Zeit eine blühende Gemeinde entwickeln.“

Gerd Otto hat Städte mit einer mythischen Geschichte (Worms) gefunden, Städte mit wunderschönen Schlössern und Residenzen (Würzburg, Bayreuth) und Städte, deren bloßer Name schon Geschichte ausströmt (Quedlinburg). Eine Stadt aber hat er nicht gefunden, es gibt sie nicht mehr: Corvey, einst ein bedeutender Ort nahe des gleichnamigen Klosters, wurde irgendwann von Höxter aufgesogen. „Ja, manche Städte sind verschwunden, andere groß geworden, wieder andere in ihrer Entwicklung stecken geblieben.“

Beginnen wird Otto am kommenden Freitag mit der Seniorin unter Deutschlands Städten, dem als Augusta Treverorum 20 Jahre vor Christi Geburt gegründeten Trier. Es folgen zwei weitere römische Städte (Regensburg, Worms), ehe er sich den Städten der Gotik zuwendet (Magdeburg, Nürnberg, Freiburg, Quedlinburg) Halberstadt, Goslar, Bremen). Denn mit ihnen wurde die deutsche Geschichte im Mittelalter zu einer Geschichte der Städte. Kaufleute, Handwerker, Wissenschaftler und Künstler sprengten enge Gesellschaftsordnungen und läuteten die Neuzeit ein. Nach den Lutherstädten (Wittenberg, Eisleben, Erfurt) und einigen Barockzentren (Brühl, Würzburg, Ludwigsburg, Dresden, Bayreuth) beschließt Otto seinen Zyklus mit Orten, deren Architektur und Kultur der Moderne ein Gesicht gegeben haben (Dessau, eventuell Darmstadt und Mannheim).

Beispielloser Wiederaufbau

Aber egal in welcher Epoche die Städte ihre Blütezeit hatten, aufgefallen ist Otto, dass viele von ihnen nach dem Zweiten Weltkrieg trotz immenser Zerstörungen originalgetreu wiederaufgebaut wurden. 90 Prozent der Altstadt von Würzburg etwa lagen 1945 in Schutt und Asche. Und dennoch hätte ein Reisender, der die Stadt Anfang der vierziger Jahre verlassen hätte und 1960 zurückgekehrt wäre, kaum wahrnehmen können, dass dort zwischenzeitlich nur noch Ruinen standen: „Was beim Wiederaufbau geleistet wurde, ist beispiellos in der Geschichte.“

Übrigens ist Städte-Fan Otto auch ein bekennender Hagener, obwohl seine Heimatstadt nach dem Krieg anderen Prinzipien folgte: „In Hagen galt es seinerzeit, möglichst schnell für viel Wohnraum zu sorgen.“ Hagen sei eine komplexe Stadt, ein Kind der Industrialisierung, mithin eine Stadt der Moderne.

Hagen, könnte man vielleicht sagen, ist jeden Tag anders.

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