Auf Krawall gebürstet

Vortrag Völkermord an Armeniern im Kunstquartier. Der Vortrag von Herrn Professor Mihran Dabag war auf höchstem Niveau, dabei didaktisch und methodisch so angelegt, dass auch der Unkundige folgen konnte, wenn er wollte.


Die Veranstaltung wurde umrahmt von Polizisten und Ordnungskräften. Letztere hatten schon vor Beginn der Veranstaltung etliche der etwa ein Dutzend junger Türken auf Regeln der Ordnung hinzuweisen. Doch diese waren auf Krawall gebürstet.

Immer wieder versuchten sie, zu filmen und mit lautem Gerede zu stören. Die Fragestunde war teilweise chaotisch, weil die Negierer des Völkermords keine zivilisatorischen Regeln des Miteinanders einhielten, Statements im Sinne der Regierung Erdogan abgaben, wobei Beleidigungen gegenüber den Leitern der Veranstaltung und auch der Diskutanten an der Tagesordnung waren.

Am Ende der Veranstaltung rannten die junge Männer nach vorne, bedrängten die Verantwortlichen und jene, die es „gewagt“ hatten, wissenschaftlich begründete Fakten zu erwähnen, wie z.B. solche, die im Auswärtigen Amt in Berlin einsehbar sind, oder, dass 1918 die Verantwortlichen des Völkermordes nach ihrer Flucht nach Deutschland z.T. zum Tode verurteilt worden waren und dass erst 1929 mit Atatürk die Verbrechen geleugnet wurden.

Ich selbst wurde wie andere auch bis auf die Straße verfolgt, beleidigt. Dabei kam mir die Aussage des Galilei aus B. Brechts „Lebens des Galilei“ in den Sinn: „Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher.“ Nur wenn die Türkei, wie auch Deutschland nach 1945 bis heute, die Verbrechen der Vergangenheit anerkennt, bedauert, Wiedergutmachung leistet, kann ein einträgliches Miteinander auch mit Armenien zustandekommen.